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Sonntag

  • Eurovision am Sonntag (9)

    Eurovision am Sonntag

    Wieder einmal gibt es Eurovision am Sonntag, nachdem mein dritter Norwegen-Aufenthalt nun hinter mir liegt und von der Color Line-Liveband "Fairytale" gespielt wurde, wird's Zeit einen Blick nach vorne zu werfen und die Entscheidungen der 42 Nationen für den Wettbewerb in Baku zu analysieren. Da dies hier jedoch den Rahmen sprengen wird, werden wir ab 1. April täglich ein Teilnehmerland genauer unter die Lupe nehmen und die Kandidaten detailliert vorstellen.

    Aserbaidschan Aserbaidschan - Während sich die Delegationen der Teilnehmerländer beeindruckt von den Entwicklungen in Baku zeigen und das Engagement von Europäischer Rundfunkunion und dem Sender ictimaiTV loben, dreht es sich in den deutschen Medien viel mehr um die Meldungen über Folter und Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan. Da wir darüber aber mittlerweile umfassend berichtet haben und das hier nicht im Hauptfokus stehen sollte, lieber noch ein kurzer Bericht über die Allocation Draw vom Dienstag.

    Deutschland hat mit Startplatz 20 im Finale wieder einmal Losglück bewiesen. Die späte Startnummer dürfte für Roman Lob schon einen ersten Pluspunkt bedeuten. Während ich das Lied noch genauso belanglos finde, wie dereinst bei USFB und sich bei mir nachträglich nichts entwickelt hat, wie damals bei Lena Meyer-Landrut, hoffe ich einfach mal, dass der Song zumindest europaweit besser ankommt als bei mir.

    Vor dem deutschen Beitrag steht zunächst Pastora Soler aus Spanien auf der Bühne. Das spanische Fernsehen wählte diese Position, nachdem sie beim Delegationstreffen die Wildcard gezogen haben. "Quédate conmigo" hat sich, nach dem Durchhören aller Titel spontan an die Spitze meines eigenen Rankings geschoben, Spanien hat meiner Meinung nach wieder einmal gute Karten auf eine vordere Platzierung. Zu wünschen wäre es den Spaniern natürlich, lange genug landeten sie im unteren Mittelfeld oder, wie im Falle von Soraya 2009 in Moskau, nahezu ganz im Keller.

     San Marino - Vermutlich nur einmal werden wir den Titel von Valentina Monetta hören, nämlich an elfter Stelle im ersten Semifinale am 22. Mai. Ralph Siegel hat in der vergangenen Woche sämtliche "Facebook"-Passagen aus seinem Titel gestrichen, der jetzt zum satirischen "Social Network Song" ummodelliert wurde. Die Melodie ist gleich geblieben und wenn man ihn sich mehrmals anhört, ist er auch gar nicht mehr so schlecht. Beim Eurovision Song Contest bleiben glücklicherweise immer knapp zwei Monate, um sich ein Lied schönzuhören, im Fall von San Marino hat es funktioniert.

    Dank der regelwidrigen Textpassagen hat das Lied von Grand Prix-Urgestein Ralph Siegel aber auch in Deutschland einiges an Aufmerksamkeit erhalten, zumindest habe ich in der letzten Woche wesentlich mehr Nachrichten aus dem italienischsprachigen Winzstaat gelesen, als über unseren eigenen Beitrag. Deutschland ist jedoch nicht im ersten Semifinale stimmberechtigt, dafür jedoch der direkte Nachbar Italien, die Schweiz und Österreich.

    Genauso chancenlos sehe ich auch das Comeback von Montenegro an. Rambo Amadeus teilt das Schicksal von Andrea Demirović und Stefan Filipović und muss die Show eröffnen. Sein "Euro Neuro" klingt nach vielem, aber nicht wirklich schön. Da auch die fehlenden Sympathie- und Nachbarschaftsstimmen von den übrigen Nationen Ex-Jugoslawiens nicht kommen werden, dürfte Montenegro eine neuerliche Pleite erleben und nach wie vor das unerfolgreichste Land des damaligen Vielvölkerstaates bleiben.

  • Eurovision am Sonntag (8)

    Eurovision am Sonntag

    So liebe Eurovisionsgemeinde, es ist Zeit für Eurovision am Sonntag. Wieder liegt ein ereignisreiches Wochenende hinter uns, das recht schwedisch geprägt ist. Während in der Andra Chansen in Nyköping seltsames geschehen ist, hat in Spanien das "richtige" Lied, dass sich selbst Pastora Soler gewünscht hat, gewonnen. Und das stammt vom schwedischen Ralph Siegel, von Thomas G:son.

     Spanien - Eigentlich dürfte die Entscheidung schon lange vor dem eigentlichen Mini-Vorentscheid gestern in Madrid gefallen sein. Pastora Soler machte keinen Hehl daraus, dass sie am liebsten den G:song "Quédate conmigo" in Baku singen würde und somit gab sie insbesondere bei diesem Song alles, sodass Publikum und Juroren gar keine andere Wahl hatten, als diese Hammer-Ballade für den Song Contest zu wählen.

    Der Song ist Genugtuung an das ausgeschiedene "En una vida" von Coral vor zwei Jahren, die gegen Daniel Diges verlor und danach ankündigte, nie wieder am spanischen Vorentscheid teilnehmen zu wollen. Pastora Soler wurde dagegen intern nominiert und darf nun ohne Umschweife im Finale von Baku am 26. Mai singen. Dabei bleibt ihr zu wünschen, dass sie die spanische Bilanz aufbessert, die in den letzten Jahren recht mittelmäßig war.

    Für die Spanier freut es mich besonders, endlich eine starke Ballade am Start zu haben, die meiner Meinung nach wesentlich bessere Chancen hat, als z.B. eine galizische Gute-Laune-Darbietung von Lucía Pérez, die zwar ganz nett anzuhören war, bei der der Funke aber leider nicht überspringen wollte oder bei einem Daniel Diges, für den das Gleiche galt.

     Italien - Wir bleiben im Mittelmeerraum. Dort hat die, durch das San Remo-Kommitee gewählte Sängerin Nina Zilli auf dem Clubtreffen der dortigen OGAE bestätigt, ihren San Remo-Titel "Per sempre" ("Für immer") auch beim Eurovision Song Contest in Baku singen zu wollen. Die Entscheidung sei ihr offenbar leicht gefallen, auch wenn noch weitere Songs zur Auswahl standen, wie es nach dem Festival Mitte Februar hieß.

    Italien ist, wie auch Spanien direkt für das Finale in Baku gesetzt. Das Land bzw. die RAI zeigt nach langjähriger Pause endlich wieder etwas mehr Begeisterung für den Wettbewerb, der ja, wie die Italiener gerne betonen, aus der Idee des San Remo-Festivals heraus entstand. Nina Zilli ist ebenfalls ein gutes Ergebnis in Baku zu wünschen, nicht nur, weil es die Langfristigkeit einer italienischen Song Contest-Teilnahme durchaus steigern würde, sondern auch, weil das Lied wirklich gut ist.

    Die RAI hat sich zwar noch nicht offiziell dazu geäußert, ob Nina tatsächlich mit dem Lied in Baku starten wird, wenn es die Künstlerin allerdings selbst durchsickern lässt, dürfte es ja schon Hand und Fuß haben.

    Russland Russland - Zuletzt ein vorausschauender Blick auf den russischen Vorentscheid, der für Mittwoch beim Sender RTR angesetzt ist. Nach der internen Auswahl von Alexey Vorobyov für Düsseldorf setzt das zweite russische Staatsfernsehen nun wieder auf einen groß angelegten Vorentscheid mit 25 Beiträgen aus allen Teilen des Landes.

    Mit dabei sind neben der, visuell leicht schönheitskorrigierten Yulia Volkova von vom einstigen Pseudo-Lesbenduo t.A.T.u. auch der einstige Sieger Dima Bilan und die udmurtischen Großmütter von Buranovskiye Babushki, die allein wegen ihres Auftritts beim Vorentscheid von 2010 bereits Kultstatus haben, von den russischen Juroren damals jedoch nur belächelt wurden.

    Unter normalen Umständen dürften Yulia & Dima als Favoriten gelten, auch wenn die Songs öffentlich noch nicht zu hören sind. Ergänzt wird die Show am Mittwoch durch viel Füllmaterial, u.a. Polina Smolova, die bereits 2006 für Weißrussland vergebens versuchte ein Finalticket beim Eurovision Song Contest zu ergattern. Wir dürfen gespannt sein auf diese Show, parallel dazu soll übrigens auch endlich die slowakische Bekanntgabe erfolgen, viel Zeit bleibt den Verantwortlichen in Bratislava ja auch nicht mehr, die Zeit bis zur EBU-Deadline wird auch langsam knapp.

  • Eurovision am Sonntag (7)

    An dieser Stelle möchte ich einen Artikel der Online-Ausgabe des Focus zitieren, der heute über die teilweise zur Staatsaffäre ausartenden Vorkommnisse in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion berichtet. Darum geht es um rassistische Äußerungen in der Ukraine, den Songwechsel in Weißrussland und einen toten Soldaten.

    Ukraine Ukraine - Vergangenes Wochenende gewann die Sängerin Gaitana den ukrainischen Vorentscheid, es schien bislang alles ohne Skandale abzulaufen, wie es in den vergangenen Jahren in der Ukraine selten der Fall war. Bis im Laufe dieser Woche ein Mitglied der Freiheitspartei Swoboda sich rassistisch gegenüber der Sängerin mit kongolesischen Wurzeln äußerte.

    "Durch ihre dunkle Hautfarbe wird die Ukraine mit Afrika assoziiert werden.", sagte Juri Sirotiuk, Parlamentsmitglied und forderte das ukrainische Fernsehen auf, das Ergebnis zu annullieren. Von prominenten Ukrainern, darunter Ruslana und Box-Weltmeister Vitali Klitschko gab es Proteste. Ruslana bezeichnete Gaitana als "Freudin und Schwester", Klitschko drohte mit dem Ende seiner Oppositionspartei mit der Swoboda-Partei, sollte Sirotiuk seine Äußerungen nicht zurücknehmen.

    Gaitana selbst ließ die Äußerungen des Politikers bislang unkommentiert, das ukrainische Fernsehen NTU wies seine Forderungen ebenfalls zurück und sieht keinerlei Gründe, die Sängerin auszutauschen oder den Vorentscheid zu wiederholen. Aber wie man sieht, geht es in der Ukraine nicht ohne irgendeinen Skandal.

     Weißrussland - Ähnlich die ganze Situation im Nachbarland Weißrussland. Beim weißrussischen Vorentscheid setzte sich bekanntlich die Sängerin Alena Lanskaya mit ihrem Titel "All my life" gegen die vier weiteren Superfinalisten des Eurofests durch, obwohl die Gruppe Litesound als Favoriten in Minsk galten. Das Ergebnis wurde von regierungskritischen Medien als Farce und Betrug abgestempelt.

    "Nachdem sich in weißrussischen Internetforen, die als letzter Freiraum für Diskussionen gelten, scharfe Manipulationsvorwürfe häuften, schaltete sich Staatschef Alexander Lukaschenko ein.", so der Focus. Nach seiner eingehenden Analyse sei es zu einer unglücklichen Pattsituation gekommen. Für diese Entscheidung werden symbolisch Köpfe rollen, der Kulturminister sowie weitere Staatsdiener sollen für diese Panne nach Focus-Angaben bestraft werden.

    Um beim Volk scheinbar nicht völlig in Ungnade zu fallen, nominierte Lukaschenko persönlich die Gruppe Litesound für den Eurovision Song Contest und verzichtete auf den Start der staatstreuen Sängerin Lanskaya. Die Europäische Rundfunkunion verschließt vor diesen Abläufen natürlich die Augen, will sich aus den Vorentscheiden der einzelnen Länder heraushalten und betont immer wieder, wie "unpolitisch" der Eurovision Song Contest sei.

    Armenien Armenien - Dies führt uns zum letzten Fall, der im Focus angesprochen wird. Armenien soll seine Entscheidung über den Vertreter beim Eurovision Song Contest bis zum 18. März getroffen haben, wie fix die Teilnahme des verfeindeten Nachbarlandes in Baku jedoch ist, ist ungewiss. Ein offener Brief an das armenische Fernsehen von rund 20 Künstlern fordert den Rückzug des Landes vom Wettbewerb in Aserbaidschan mit der Begründung: "Wir wollen nicht in einem Land auftreten, in dem Hass auf Armenier Teil der Regierungspolitik ist."

    Andererseits hatten bereits mehrere Intepreten ihr Interesse bekundet, Armenien beim Eurovision Song Contest in Baku zu vertreten. Aufgeflammt war diese Debatte jüngst durch einen Zwischenfall an der aserbaidschanisch-armenischen Grenze, bei der angeblich ein armenischer Soldat von aserbaidschanischen Scharfschützen getötet worden sein soll. Beide Länder provozieren sich regelmäßig, ebenfalls beim Eurovision Song Contest. Die Entscheidung, ob und mit wem Armenien in Baku antreten wird, soll kurz vor der Deadline der EBU fallen.

    Aserbaidschan, das sich nachwievor auf den Eurovision Song Contest vorbereitet, der in drei Monaten in der Hauptstadt Baku stattfindet, steht darüber hinaus ebenfalls im Mittelpunkt von ausländischen Medien. Angeprangert werden die Menschenrechtssituation, die Zwangsvertreibung von Menschen im Zuge der Baumaßnahmen für die Crystal Hall und die Unterdrückung von Homosexuellen und der Opposition. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist also noch lange nicht alles Gold was glänzt.

  • Eurovision am Sonntag (6)

    Eurovision am Sonntag

    Wieder einmal ist es Sonntagabend und die Vorentscheidungen des Wochenendes liegen hinter uns. Im Großen und Ganzen war dieses Wochenende ein wenig enttäuschend, Georgien hat uns heute beispielsweise den größten Unfug des Jahres aufgetischt, die Ergebnisse aus Schweden und der Song aus Kroatien bleiben auch hinter den Erwartungen zurück.

    Deutschland Deutschland - Beginnen wir aber mit unserem eigenen Vorentscheid, denn Donnerstag wurden Eurovisionsfans endlich vom Format Unser Star für Baku erlöst. Dass Roman Lob gewinnt stand eigentlich nie außer Frage. Leider waren alle drei Beiträge nicht das Wahre und somit entschieden sich die Zuschauer für das geringste Übel, den Song "Standing still" von Steve Robson, Wayne Hector und Jamie Cullum.

    Nicht gewählt hingegen der wirklich wunderbare Titel "Quietly" von Ornella de Santis, den ich mir im Gegensatz zum deutschen Song Contest-Beitrag noch am gleichen Abend heruntergeladen habe. Dieser Titel hätte es verdient, uns in Baku zu vertreten, war er doch beim Vorentscheid die stärkste und eurovisionstypischste Komposition. Die Reaktionen der Fans auf den deutschen Beitrag sowohl im In- als auch im Ausland reichen von "Wirklich großartig" bis "der letzte Mist".

    Ich möchte mich keinem der beiden Extreme anschließen, das Lied ist ja wirklich in Ordnung, aber relativ belanglos und gewöhnlich, ohne wirkliche Spannungsmomente und vor allem von einem Sänger dargeboten, der im Gegensatz zu Lena Meyer-Landrut vor zwei Jahren in der Masse an bunten Auftritten in Baku nicht auffallen wird. Mittlerweile ist auch der Videoclip im Kasten, da jedoch sämtliche Videos wenige Minuten später wieder gelöscht werden, überlasse ich jedem selbst das Suchen danach.

     Italien - Ebenfalls im Finale des Eurovision Song Contests steht die Sängerin Nina Zilli aus Italien, die zwar in San Remo nicht als Siegerin vom Platz ging, dennoch einen wunderbaren Titel namens "Per sempre" ("Für immer") im Rennen hatte. Sie wurde von Ell & Nikki nach der Entscheidung der italienischen RAI als Teilnehmerin für den Eurovision Song Contest bekannt gegeben. Dabei stammt sie nicht aus der Newcomer-Abteilung sondern aus dem Starterfeld der etablierten Künstler.

    Das 62. San Remo-Festival gewann hingegen die Sängerin Emma mit "Non è l'inferno", einem Lied, dass typisch italienisch klingt und in Baku mit Sicherheit auch keinen schlechten Eindruck erweckt hätte. Den Sieg trägt Emma in jedem Fall zu Recht davon, ist sie u.a. auch für andere starke Songs wie z.B. "Cercavo amore" bekannt. Und anders als die Eurovision kann das San Remo-Festival für die RAI als Erfolg gesehen werden, ca. 13 Millionen Zuschauer verfolgten das Finale.

    Das Rahmenprogramm des Festivals war hingegen ein Schuss in den Ofen. Mit endlosen Phrasen schläferte der Moderator Gianni Morandi das Publikum ein und dirigierte den Sieger der Giovani, Alessandro Casillo, mehrfach über die Bühne um während der Liveshow Pressefotos schießen zu lassen. Zwischenzeitlich war er auch in einer Dauerwerbesendung für Waschpulver von Dash zu sehen. Nach gefühlten fünf Stunden stand dann aber endlich das Ergebnis fest, sowohl der Sieger des Festivals, als auch die Interpretin für die Eurovision in Baku.

    Griechenland Griechenland - Allerhand skurrile Nachrichten gab es in dieser Woche aus Griechenland. Das man als Pleitestaat der Europäischen Union in diesem Jahr bezüglich eines nationalen Vorentscheids keine großen Sprünge machen kann dürfte verständlich sein. Das man nun aber anscheinend ernsthaft überlegt seinen Vorentscheid in einem Einkaufszentrum durchzuführen ist schon sehr mitleiderregend.

    Das griechische Fernsehen ERT hat sich zwar bislang weder zu potentiellen Kandidaten noch zum Austragungsort geäußert, angesichts der Low Budget-Produktion in diesem Jahr dürfte diese Option jedoch nicht unwahrscheinlich sein. Viel interessanter sind ohnehin die Kandidaten, die als Teilnehmer des Vorentscheids gehandelt werden. Im Klatsch und Tratsch sind u.a. das Duo Velvet Fire, das Griechenland durchaus mal von einer anderen Seite zeigen könnte, sofern sie sich nicht gegenseitig umbringen, wie im Video zu "Apisteuta poli" oder die vor zwei Jahren leidvoll disqualifizierte Sängerin Eleftheria Eleftheriou dabei

    Außerdem wird Kostas Martakis, seines Zeichens Castingshowteilnehmer bei Alpha TV und einstiger Vorentscheidungsteilnehmer (2008) als möglicher Teilnehmer gehandelt. Mit "Always and forever" wurde er damals hinter Kalomoira Zweiter. Wir dürfen gespannt sein, was Universal Music und ERT aussuchen, gewiss wird es aber ein Beitrag sein, der den Eurovision Song Contest auf keinen Fall gewinnt - das können sich die Griechen schließlich am aller wenigsten leisten.

    Jetzt ist vorentscheidungstechnisch erst einmal ein paar Tage Ruhe, die nächsten Shows finden Freitag, am 24. Februar statt, gemeint sind das Semifinale des undurchsichtigen finnischen Vorentscheids Uuden Musiikin Kilpailu, sowie die Vorentscheidungen in Irland mit Jedward und Österreich mit Conchita. Einen Tag später wird in Finnland dann der Sieger und Song Contest-Kandidat gekürt, in Schweden treten u.a. Danny Saucedo und Charlotte Perrelli an und am Sonntag wählen zudem noch die Niederlande und Slowenien, das vor meheren Wochen einmal Eva Boto und Eva & Nina Prusnik ins Finale gewählt hat.

  • Eurovision am Sonntag (5)

    Eurovision am Sonntag 

    Na ja, zeitlich habe ich es mit "Eurovision am Sonntag" zwar nicht mehr geschafft, aber was machen die paar Minuten schon für einen Unterschied. Ein spannendes Wochenende mit einer Menge Entscheidungen, vielen persönlichen Triumphen über das Weiterkommen bzw. den Sieg meiner Favoriten und einigen Tragödien liegt hinter uns.

    Um es mit der, leider viel zu jung verstorbenen Whitney Houston zu sagen, es war "One moment in time", der bei den europäischen Vorentscheidungen zum Eurovision Song Contest für einen Zustand nahe am Herzinfarkt sorgte: die Moderatoren mit ihren Umschlägen, wenn der Sieger bekannt gegeben wird oder die Addition von Punkten aus verschiedenen Regionen. Umso schöner, dass Samstag gleich drei meiner Favoriten für Baku ausgewählt wurden. Den Auftakt macht heute Ungarn.

    Ungarn Ungarn - Nachdem in den vergangenen zwei Wochen jeweils drei Kandidaten von den Juroren herausgepickt wurden und ein Teilnehmer von den Zuschauern für das Finale nominiert wurde, drehte das ungarische Fernsehen den Spieß Samstag in Budapest um. Vier Kandidaten zogen nach dem Televoting ins Superfinale ein, dort hatte jedoch die Jury, in der auch Vorjahresteilnehmerin Kati Wolf saß, die alleinige Entscheidungsgewalt.

    Glücklicherweise hat das Quartett richtig entschieden und die Gruppe Compact Disco ausgewählt. Ihr "Sound of our hearts" fiel mir bereits vor den Semifinals positiv auf und vor allem textlich gefällt mir das Lied. Was es aber bis zum Eurovision Song Contest zu ändern gilt ist das Bühnenoutfit. Den Leadsänger hätte man ja gestern fast nicht schlechter anziehen können. Erinnerungen an Griechenland 2002 wurden wach, als Michalis Rakintzis zeigte, was passiert, wenn Griechen ins All fliegen.

    Wie die Chancen im Semifinale für die Ungarn stehen lässt sich aktuell schwer einschätzen. Zum einen weil bislang kaum Beiträge feststehen, zum anderen weil sich nicht abwägen lässt, ob eine Mischung aus Belgien, Finnland, Griechenland, Montenegro, Irland, Österreich, Zypern und San Marino für Ungarn anruft. Das andere Semifinale ist das viel homogener. Fest steht hingegen, dass Ungarn bisher zu meinen Favoriten gezählt werden darf.

    Norway Norwegen - Zudem fand gestern im Oslo Spektrum der Melodi Grand Prix statt. Ganz Norwegen klebte mit Sicherheit wieder einmal am Fernseher, um Per Sundnes und Marte Stokstad einen guten Job machen zu sehen. Im Vergleich zu Vorentscheiden auf Malta oder in Portugal zeichnen sich skandinavische Vorentscheide durch ein geordnetes System und keine stundenlangen Umschweife aus.

    Ebenso klar war zuvor eigentlich auch der Sieger - in vielen Foren und in Umfragewerten in Norwegen lag die Gruppe Plumbo mit ihrem "Ola Nordmann" klar vorne. Baku durfte sich schon auf nordischen Poprock freuen - im Superfinale landete der Titel ja auch ohne große Probleme, anders als meine eigentliche Favoritin Reidun Sæther mit ihrem Mix aus choreographischer Dramatik á la Maria Haukaas Storeng, Windmaschine und Powerstimme. Neben Plumbo zogen noch Nora Foss al-Jabri, die mit ihrem Song leider in gar keine Richtung ging, sowie eine lauwarme Country-Nummer, die vermutlich aus einer der verstaubtesten Highway-Raststätten in Arizona stammte und Tooji, dem Prinz von Persien.

    Vergleiche mit Eric Saade müssen an dieser Stelle geduldet werden, schließlich wirkten Outfit und Performance sehr wie eine Kopie, auch wenn das Gesamtpaket vielleicht eigenständig sein mag. Er selbst konnte es bei der anschließenden Urteilsverkündung scheinbar am allerwenigsten fassen. Lag Nora Foss al-Jabri bei den Juroren noch vorne, hagelte es für den jungen Iraner mit eigener MTV-Show später aus allen Landesteilen Norwegens Stimmen. Am Ende umarmte er seine Mutter, die genau wie er Tränen in den Augen hatte. Tooji darf nun nach Baku fahren, eine gute Wahl, stimmlich ist da bestimmt noch Luft nach oben, aber hey, Eric Saade ist auch Dritter geworden.

    Aserbaidschan Aserbaidschan - Und am Sonntag ging nun auch endlich das aserbaidschanische Prozedere zu Ende. Ich muss gestehen, keine einzige Show gesehen zu haben, zu unbekannt waren die Kandidaten, zu belanglos die Performances, die man auszugsweise doch mal zu sehen und zu schwach die Stimmen. Manch einer, der bei anderen Websites Kommentare hinterließ sprach über eine Qual für die Sinne und schmerzende Ohren.

    Das man nicht viel in den vergangenen zehn Wochen verpasst hat, zeigt sich auch anhand der Siegerin der Show - Sabina Babayeva. Ich habe zwar lediglich zwei Auftritte von ihr gesehen, darunter auch oben bereits einmal erwähnte Coverversion von Maria Haukaas Storeng, die aber so brutal zersungen wurde, dass Jon Ola Sand als Norweger eigentlich den Ausschluss Aserbaidschans aus der EBU besiegeln müsste.

    Der Song, den Sabina im eigenen Land singen darf ist, wie immer, wenn Aserbaidschan einen Künstler bestimmt, noch nicht bekannt. Inoffiziellen Angaben zufolge soll der Titel am 17. März bekannt gegeben werden - vermutlich muss man nach der Entscheidung der Juroren erst einmal geeignetes Liedgut sichten. Ohne den endgültigen Song zu kennen, kann man aber wohl jetzt schon behaupten, dass das Unterfangen Titelverteidigung, sofern es überhaupt durch Herrn Aliyev geplant war, gründlich in die Hose gehen wird.

    Europa Europa - Eine Vorausschau auf die kommende Woche verspricht einige weitere interessante Shows. Heute Abend geht es bereits bei ProSieben um die Frage, welche beiden Kandidaten im Finale von Unser Star für Baku am Donnerstag singen dürfen. Außerdem wird in Weißrussland entschieden. Gunesh Abasova, die sonst immer meine Sympathien hatte, hat sich glücklicherweise gegen ihren Titel "And morning will come" entschieden und den, nur halb so schlimmen Song "Tell me why" für das Finale des Eurofests gewählt.

    Außerdem ist Italien auch dieses Jahr wieder mit von der Partie und am Samstag findet im lauschigen Teatro Ariston in San Remo das Finale des gleichnamigen Festivals statt. Einer der Teilnehmer, ob nun aus der Newcomer-Kategorie wie letztes Jahr Raphael Gualazzi oder vom Hauptfeld, darf Italien in Baku vertreten. Zudem heißt es Samstag u.a. Daumen drücken für die Mad Show Boys in Lettland und Ohren auf für den Song von Nina Badric, der in Zagreb vorstellt wird.

  • Eurovision am Sonntag (4)

    Eurovision am Sonntag

    Deutschland Deutschland - Mittlerweile kennen wir die zehn Kandidaten, die sich bei Unser Star für Baku für die Auswahlshows qualifiziert haben. Nach dem ersten Überblick der Show fällt jedoch, wie bereits in dieser Woche erwähnt, auf, dass nicht die Kandidaten im Mittelpunkt der Show stehen, sondern die Blitztabelle, eine Erfindung von Stefan Raab, die die Show spannend machen sollte, sie inzwischen aber in ein willkürliches Ergebnis-Roulette verwandelt hat.

    So sagte Stefan Raab persönlich zur frisch ausgeschiedenen Kandidatin Vera: "Was habe ich da nur angerichtet." Das fragen sich mittlerweile viele Zuschauer. Die Reaktionen auf Facebook, bei Eurovision.de oder auch hier im Blog sprechen von einem zufälligen Ergebnis, je nachdem wer im richtigen Moment die Nase vorn hat. Zudem pushte die Jury auch in der zweiten Show wieder Kandidaten, in diesem Fall Rachel, hielt sich jedoch ein bisschen mehr zurück als noch vergangene Woche.

    Am nächsten Donnerstag wird nun ausgesiebt. Aus den zehn vermeintlich besten Kandidaten müssen zwei die Show verlassen. Wenn es nach Talent gehen würde, müsste in jedem Fall Umut die Show verlassen, doch bei gleichbleibendem Konzept ist niemand mehr sicher und unser Star für Baku wird letzten Endes derjenige, den entweder die Jury kurz vor Schluss noch einmal gepusht hat oder derjenige der durch Glück die Führungsrolle kurzzeitig übernehmen konnte.

    Dänemark Dänemark - Dieses Wochenende stand im Zeichen skandinavischer Vorentscheide, Norwegen hat mit Reidun Sæther eine Mischung aus Maria Haukaas Storeng und Wencke Myhre in die Finalshow gewählt, mit bewährten Komponisten im Rücken, Thomas G:son, König des Schwedenschlagers und Ovi, norwegischer Staatsbürger der 2010 gemeinsam mit Paula Seling die Bühne von Olso in Brand setzte.

    Doch nicht nur Norwegen konnte mit einer guten Entscheidung glänzen, auch Dänemark hat sich im Superfinale für den, bis dahin idealsten Titel entschieden. Über das Dampfschiffkapitäns-Outfit von Soluna Samay wird an dieser Stelle hinweggesehen, der Song ist aber für dänische Verhältnisse schon einer der besseren der letzten Jahre.

    Dänemark präsentiert beim Eurovision Song Contest gefühlt jedes Jahr den gleichen Titel, ob er nun von Ronan Keating geschrieben, von einem Leadsänger mit Vogelnestfrisur und OP-Hemd gesungen oder von zwei, sich wie zwei Magnete abstoßende Interpreten intoniert - es klingt immer gleichmäßig langweilig. Insofern ist es schon mal ein Gewinn für den Song Contest, das Dänemark erstmals seit Sidsel Ben Semmane 2006 wieder eine Solistin mit einem Song vertreten wird, den Ratingagenturen mit AA bewerten würden.

    Ungarn Ungarn - Kommende Woche beginnt auch das ungarische Fernsehen mit der Selektierung im Vorentscheidungsprozess und stellt erstmals zehn Beiträge zur Auswahl, die anders als bei Unser Star für Baku, bereits rundum fertig sind und keinem Zufallsvoting ausgesetzt werden. Mit dabei ist ein Haufen wirklich guter Songs, wie immer, wenn Ungarn einen nationalen Vorentscheid ausrichtet.

    Da wäre zum einen Nika mit dem Titel "This love", eine wirklich gelungene Pop-Ballade, die Gruppe Compact Disco mit "Sound of our hearts" oder Linda Király mit "Untried". Alle dürften meinetwegen nach Baku fahren. Selbst die rumänische Sängerin Annamari Dancs hat es im Nachbarland versucht, nachdem ihr eigenes Heimatland keine konkreten Pläne für Baku nennen wollte.

    Ich freue mich sehr auf die ungarischen Vorrunden und noch mehr, dass man offenbar keine Kosten und Mühen scheut, einen gescheiten Beitrag für den Song Contest auszuwählen. Es täte den Ländern in der Nachbarschaft, etwa Polen und Tschechien gut, einen ähnlichen Ehrgeiz zu entwickeln und sich nicht auf Einschaltquoten (im Falle Tschechiens) und der Europameisterschaft (Polen) festzunageln.

  • Eurovision am Sonntag (3)

    Eurovision am Sonntag

    Albanien Albanien - Das beherrschende Thema der Woche war dann wohl der albanische Vorentscheid, das 50. Festivali i Këngës aus Tirana, bei dem mit Rona Nishliu eine wunderbare Interpretin für den Eurovision Song Contest gefunden wurde. Die Meinungen gehen auf internationalen Eurovisionsseiten weit auseinander, die einen finden den Song fürchterlich und können mit dem Geschrei nichts anfangen, die anderen finden "Suus" mutig und zugleich fesselnd.

    Ich reihe mich in der letzten Gruppe ein, der Song zündet zwar nicht beim ersten Mal und braucht ein bisschen Zeit, aber dann merkt man die Authenzität des Beitrags und die faszinierende Darbietung. Für den Eurovision Song Contest ist der Titel von Rona Nishliu zwar nicht sehr erfolgsversprechend, aber immerhin zeigt Albanien damit eine weitere Facette seiner Musiklandschaft.

    Mit dem Siegertitel hat man auch mich wieder milde gestimmt, haben die Juroren doch zuvor das wunderbare "Rroj për dashurinë" von Goldi Halili herausgewählt, die einem wirklich leid tun kann. Vergangenes Jahr schaffte sie es zwar ins Finale, wurde mit dem aber nahezu gleichwertig tollen "Në krahët e tua" nur Letzte mit null Punkten. Ein Jahr zuvor gab es für "Tirana Broadway" immerhin 64 Punkte, jedoch auch nur Platz 14 von 20. Hoffen wir einmal, dass sie nicht so schnell den Mut verliert.

    Russland Russland - In dieser Woche gab es zudem auch Nachrichten aus Russland, die nicht gegen Wladimir Putin gerichtet waren, der Sender RTR bestätigte nämlich seine Teilnahme am Eurovision Song Contest im ölfördernden Nachbarstaat 2012. Zugleich kündigte der Sender einen ähnlichen Mega-Vorentscheid wie in der Vergangenheit an, als er am Zug war, sprich 2008 und 2010.

    Vor zwei Jahren, als Peter Nalitch und seine Band unter zweifelhaften Umständen den Vorentscheid gewannen, platzierten sich sechs udmurtische Großmütter namens Buranovskje Babushki mit einem Song über Birkenrinde auf dem dritten Platz und brachten selbst die damals wertenden Juroren zum Schmunzeln. Letztes Jahr waren sie im Gespräch, intern vom Sender Channel One in Düsseldorf anzutreten, die Spuren verliefen sich im Sand. Laut ESCkaz.com sollen sie nun wieder für den Vorentscheid von RTR zugesagt haben, man darf gespannt sein.

    Alexey Vorobyov mit Hund, der auch in Düsseldorf immer auf Schritt und Tritt dabei warDas russische Fernsehen ist jedenfalls bemüht eine Schmach wie 2011 in Baku zu verhindern, als Alexey Vorobyov trotz eines durchaus charttauglichen Titels jedoch mit einer fürchterlich überheblichen Einstellung das einstige Zarenreich auf den 16. Platz manövierte. Laut seiner Biographie müsste es auch seine erste Niederlage in einem musikalischen Wettbewerb sein. Ob er deshalb so gelangweilt neben seinem Hund unter'm Weihnachtsbaum lag ist nicht überliefert. Fest steht hingegen der Termin des russischen Vorentscheids, am 26. Februar wird in Moskau gewählt, vielleicht demokratischer als bei den Parlamentswahlen Anfang Dezember.

    Deutschland Deutschland - Es dauert nicht mehr lange, da beginnen auch in Deutschland die Vorbereitungen für den deutschen Vorentscheid. Am 12. Januar stehen erstmals zehn Kandidaten vor der Aufgabe Deutschland von sich zu überzeugen, wie es zwei Jahre zuvor Lena Meyer-Landrut getan hat. Die Hauptverantwortung trägt dabei Thomas D., der sich im Interview mit dem Spiegel pünktlich zum Jahreswechsel kritisch gegenüber anderen Castingshows aussprach.

    "Ich will etwas präsentieren, das die Bezeichnung Kunst verdient.", sagte er und kündigte an mit dem Sieger von "Unser Star für Baku" ein Album zu machen, das sich vom üblichen Softpop der Castingsieger von DSDS und Co. abhebt. Auch möchte er ein seriöser Juror sein und sich beispielsweise von Dieter Bohlen abheben. Spiegel Online zitiert, ihm missfalle "dieser menschenverachtende Gestus". Insgesamt bin ich schon sehr auf die Anwärter für Baku gespannt, wie bei vielen Brainpool-Produktionen kann man sich darauf verlassen, dass auch etwas Gescheites dabei herauskommt.

    Bis dahin hat man noch Zeit im Videoblog von Eurovision.de die neue Moderatorin von "Unser Star für Baku", Sandra Rieß, kennenzulernen. Ähnlich wie Sabine Heinrich vor ihr, ist sie mir eine völlig Unbekannte, anders als Steven Gätjen, der mittlerweile sämtliche Events übernommen hat, die vor einem Jahr noch von Matthias Opdenhövel moderiert wurden. Ob sich ProSieben mit einem Moderator, der "taff" und "Gülcans Traumhochzeit" in seiner Bio stehen hat für den Song Contest einen Gefallen getan hat, wird sich nächste Woche Donnerstag zeigen.

  • Eurovision am Sonntag (2)

    Eurovision am Sonntag

    Polen Polen - Im östlichen Mitteleuropa geht es in diesem Jahr irgendwie nicht wirklich voran. Entscheidungen treffen scheint in Bratislava und Warschau nicht unbedingt die erste Fertigkeit der Senderdirektoren zu sein, ansonsten hätten sowohl die Slowaken als auch die Polen ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest wohl schon längst bestätigt bzw. abgesagt.

    Diese Woche machte die Meldung auf Facebook die Runde, Polen, repräsentiert durch den Sender TVP, werde nicht am Eurovision Song Contest 2012 in Baku teilnehmen, da man sich den Fußball-Großereignissen und die Olympischen Spiele in London hingeben wolle. Zwei Tage später wackelte diese Aussage, das polnische Fernsehen wolle in Kürze ein umfassendes Statement bezüglich 2012 abgeben.

    Auch dies wurde über das Facebook-Profil des Senders verkündet. Zwar sollte man nicht allzu optimistisch sein und einen plötzlichen Sinneswandel der Verantwortlichen erwarten, dennoch ist es durchaus verwirrend, insbesondere für die polnischen ESC-Fans, die immer noch nicht genau wissen, ob ihr Land nun in Baku dabei ist oder nicht. Spätestens die endgültige Liste der EBU wird darüber kurz nach Weihnachten Aufklärung bringen.

     Weißrussland - Einen Schritt weiter ist man da schon östlich von Warschau. Das weißrussische Fernsehen steckt bereits in den Vorbereitungen für das Semifinale des wiederkehrenden Eurofests, das am Mittwoch in der Hauptstadt Minsk stattfindet. Und statt verstaubten Sowjetpop oder schiefe Balladen zu servieren, wie in den vergangenen Jahren, zeigen die ersten Ausschnitte durchaus musikalisches Niveau.

    Mein Favorit ist bisher das Duo The Champions, die bereits zweimal an der Hürde des Vorentscheids scheiterten, in diesem Jahr aber einen eingängigen Song namens "It's your time" ins Rennen schicken. Der Text ist zwar etwas für's fünfte Schuljahr, aber Eric Saade ist auch mit dem glorreichen "Stop, don't say that it's impossible, 'cause I know it's possible" Dritter in Düsseldorf geworden.

    Ebenfalls hübsch ist der Song von Anastasia Vinnikova, wenngleich er nicht ganz so powervoll wie ihr "I love Belarus" herüberkommt. Ich bin sehr auf die Liveshow am Mittwoch aus Minsk gespannt. Fünf der Interpreten sehen wir dann am 28. Januar wieder, möglicherweise mit neuen Songs, in Weißrussland heißt der Einzug ins Finale mit Song A meist, dass Song B zum Einsatz kommt.

    Aserbaidschan Aserbaidschan - Noch weiter im Osten sind bereits die ersten Entscheidungen getroffen worden. Nach Orhan Kerimli und Mariyam Karimova steht nun auch Hayyam Mustafazadeh als dritter Finalist im aserbaidschanischen Vorentscheid "Milli Seçim Turu" fest. Er überzeugte Publikum und Juroren u.a. mit der Darbietung von "Molitva" von Marija Šerifović.

    Sechs weitere Vorrunden folgen noch, sechs weitere Wochen lang wird das Hauptprogramm des Senders iTV mit dem Vorentscheid gefüllt, bevor man dann irgendwann im Februar das Finale ausrichtet. Ähnlich schleppend wie der Vorentscheid verläuft auch der Bau der Crystal Hall am Kaspischen Meer, ein Video bei Youtube zeigte in dieser Woche, dass fünf Monate vor den ersten Proben gerade einmal ein paar Stahlträger in die Erde gerammt wurden.

    Da nun offenbar auch die Gastgeber um die rechtzeitige Fertigstellung fürchten, hat der Sender iTV offiziell das Tofiq-Bahramov-Stadion als Notlösung für die Ausrichtung benannt. Über die Umsiedlungspolitik der Aliyevs um den Hallenbau voranzutreiben, schweigen wir in diesem Fall aus Höflichkeit gegenüber dem Gastgeberland.

  • Eurovision am 3. Advent

    Eurovision Song Contest 2012

    Schweiz Schweiz - Das beherrschende Thema dieser Woche war selbstverständlich der Schweizer Vorentscheid, der gestern Abend von Sven Epiney in einer Sprache moderiert wurde, die ich mit normalen Hochdeutschkenntnissen kaum verstehen konnte. Genauso unverständlich war für viele, dass die hochgelobte Lys Assia, ihrereinst erste Song Contest-Siegerin von Lugano es nicht einmal unter die ersten drei schaffte.

    Sinplus waren gestern Abend in Kreuzlingen siegreichDabei hatte sie zuvor sogar bei Sandra Maischberger PR betrieben und gesagt, wie glücklich sie sei diese Mühen noch einmal auf sich nehmen zu können. Gestern Abend um 22:48 Uhr war dann Schluss mit der Vorfreude auf Baku, denn die beiden Brüder Ivan und Gabriel Broggini aus Losono im Tessin konnten unter dem Bandnamen Sinplus den Vorentscheid für sich entscheiden.

    Einen Tag später hallen Überschriften wie "Lys Assia darf nicht erneut zum Grand Prix‎" (Berliner Morgenpost) oder "Wenn der Promibonus nicht zündet‎" 20minuten Online durch die Onlinewelt, über die eigentlichen Sieger und ihren Titel "Unbreakable" redet man nur beiläufig.

    Das Lied ist, für meinen Geschmack durchaus in Ordnung, hat aber das gleiche Problem, das bereits viele Schweizer Beiträge hatten: Es stört nicht und fällt nicht weiter auf. Sollte man es ins Finale von Baku schaffen, dürfte man nicht sehr viel besser bedient sein, als Anna Rossinelli die gestern Abend ihre "neue" Single "Joker" vorstellte.

    Aserbaidschan Aserbaidschan
    - Ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist bei der Auswahl des Schweizer Beitrags in dieser Woche das Ergebnis der aserbaidschanischen Castingshow "Milli Seçim Turu", in der sich nach fünf Liveshows Mariyam Karimova durchsetzen konnte, die sich in dieser Woche u.a. mit Songs wie "Wild dances" von Ruslana und "I will always love you" von Whitney Houston Sympathien beim aserbaidschanischen Publikum ersang.

    Sie ist nun die zweite von insgesamt neun Finalisten des Vorentscheids, vergangene Woche qualifizierte sich Orhan Kerimli, ab morgen singen neun weitere junge Talente um einen der begehrten Finalplätze. Aus Aserbaidschan hört man derzeit ebenfalls nicht viel Neues, was die Ausrichtung des Wettbewerbs 2012 in Baku anbelangt. Man habe zwar viele Pläne, aber bislang recht wenig in die Tat umgesetzt. Allmählich könnte die Zeit knapp werden.

     Frankreich
    - Eine andere Neuigkeit streute der französische Delegationsleiter Bruno Berberes, der immerhin in der Reference Group des Eurovision Song Contest bei der EBU sitzt. Ab 2013 sollen rein interne Vorentscheidungen entgültig verbannt werden. Die Mitglieder verständigten sich darauf, dass man dem Publikum zumindest die Wahl zwischen zwei Songs lassen muss, auch wenn der Kandidat intern ausgewählt wird.

    Insbesondere Frankreich wählte unter Berberes zahlreiche Künstler wie Patricia Kaas, Jessy Matador oder auch zuletzt Anggun intern aus, der letzte offene Vorentscheid im Jahr 2007 endete mit dem 23. Platz mit den Les Fatals Picards. Erstmals in der Geschichte des Song Contests mischt sich die EBU somit in die Vorgaben für den nationalen Auswahlmodus ein. Zuvor hatte man sich aus den Selektionsmethoden in den Teilnehmerländern herausgehalten.

    Wie verlässlich die Meldung tatsächlich ist, wird sich in der Saison 2012/13 zeigen, nach der Ankündigung, dass marokkanische Fernsehen SNRT hätte die Absicht zum Song Contest in Baku zurückzukehren, sollte man Äußerungen des französischen Delegationsleiters mit Vorsicht genießen. Überfällig ist diese Methode allerdings schon längst, bereits 2012 sollten die rein internen Auswahlen bereits verboten werden, bei der EBU geschieht aber immer alles ein bisschen später.

    Russland Russland - Zuletzt der Blick auf die Nationen, die immer noch kein Lebenszeichen von sich gegeben haben, was die Teilnahme in Baku anbelangt: da wären Italien und San Marino um die es zwar diverse Gerüchte aber keine handfesten Meldungen von der RAI bzw. SMRTV gibt. Höchstwahrscheinlich werden beide Nationen wieder mitmachen, San Marino hat ja nach eigenen Angaben auf die Teilnahme am Junior Eurovision Song Contest verzichtet um sich ganz auf die "Adult"-Variante des Wettbewerbs 2012 zu konzentrieren.

    Des weiteren wären da noch Armenien, das ohnehin am liebsten auf den ungeliebten Nachbarn Aserbaidschan verzichten würde, die mitteleuropäischen Schnarchnasen aus der Slowakei und Polen sowie überraschenderweise Russland, das eigentliche Kernland der Eurovision in Osteuropa. Weder RTR noch Channel One haben sich bislang explizit für die Teilnahme in Baku ausgesprochen.

    In diese Richtung wird's dann wohl auch 2012 laufen: Alexey Vorobyov beim "Trikottausch" auf der PK in DüsseldorfDoch auch wenn aus dem Land des Kremls, vor dem im Moment der Pöbel auf die Straßen zieht und gegen Putin, Medwedew und Konsorten demonstiert, noch keine Nachrichten nach außen gedrungen sind, so ist es doch fast selbstverständlich, dass man in Baku dabei ist. Das russische Fernsehen rückte immer recht spät mit Infos zum Song Contest heraus und gerade im Nachbarland wird man sich mit Sicherheit von seiner besten Seite präsentieren.

    Ob das nun wieder heißt, dass Dima Bilan reaktiviert wird steht in den Sternen, aber man wird schon wieder alle Hebel in Bewegung setzen um Eindruck zu schinden und das, aus russischer Sicht, miese Ergebnis von Alexey Vorobyov in Düsseldorf wieder auszubügeln. Wir dürfen gespannt sein, auch was Polen und die Slowakei betrifft.

  • Eurovision am Sonntag (1)

    Eurovision Song Contest 2012

    Es wird mal wieder Zeit für eine neue Kategorie bei Eurofire: Nachrichten am Sonntagabend.  In Zukunft, während der Vorbereitungszeit auf den Eurovision Song Contest 2012 in Baku, besonders in der Zeit der Vorentscheide werden wir verstärkt eine Art Wochenzusammenfassung und eine Vorschau auf die kommende Woche liefern - je nachdem wie viel in Europa passiert ist. Also machen wir hier den fröhlichen Anfang mit "Eurovision am Sonntag".

     Slowenien - Zunächst einmal noch ein paar Worte zum slowenischen Fernsehen, von dem wir inzwischen eigentlich gewöhnt sind, Sonntagabends Vorentscheidungsunterhaltung in Form der Castingshow "Misija Evrovizija" zu erhalten. Dort wurde jedoch heute ein neues Parlament gewählt. Zwischen 7-19 Uhr hatten über 3.000 Wahllokale geöffnet, anschließend begann die Berichterstattung auf allen größeren Kanälen des Landes.

    Natürlich war auch RTVSlo davon betroffen und somit mussten wir heute auf die obligatorische Auswahlshow verzichten. Am kommenden Sonntag geht es jedoch wie gewohnt mit der inzwischen 10. Vorrunde in Ljubljana mit den Moderatoren Klemen Slakonja und Maja Keuc weiter.

    Bosnien-Herzegowina Bosnien-Herzegowina - Wir bleiben auf dem Balkan, das bosnische Fernsehen hat erklärt, dass man noch in diesem Monat seinen Vertreter für den Eurovision Song Contest in Baku bekannt geben werde. Als Favorit gilt die Gruppe Hari Mata Hari, deren Leadsänger Hari Varešanović in den vergangenen Wochen selbst Gerüchte um seine Rückkehr zum Song Contest streute. Angeblich hätte der Sender BHRT mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen (man war ja schon letztes Jahr bei der EBU im Zahlungsrückstand) und Hari hätte angeboten seine Teilnahme in Baku selbst zu finanzieren, vorausgesetzt man ließe ihm freie Hand.

    Selbst wenn es von Varešanović heißt, er würde in stetigem Kontakt mit Željko Joksimović stehen, damit ihre Beiträge nicht allzu gleich klingen werden, wollte Delegationsleiter Dejan Kukrić bislang noch keine Meldungen kommentieren oder gar bestätigen, dass Hari Mata Hari nach 2006 erneut für Bosnien-Herzegowina an den Start gehen werden. Sollte dem jedoch so sein, wäre es keine allzu große Überraschung mehr.

    Monaco Monaco - Ebenso wenig überraschend war in dieser Woche die Absage des monegassischen Fernsehen TMC für die Teilnahme am Eurovision Song Contest. Langfristig und das gilt also auch für die Zeit nach dem Song Contest in Baku, sei keine Teilnahme geplant, da der Etat des Senders nicht ausreiche um einen Beitrag auf die Beine zu stellen. Wie nachträglich bekannt wurde, sei auch kein Sponsoring möglich, da die Regularien der Anteilseigner (80% von TMC gehören dem französischen Sender TF1, 20% der monegassischen Regierung) dies nicht zuließen.

    Die Chancen auf eine Rückkehr Monacos schienen auch wahrscheinlicher als z.B. bei Luxemburg, von denen es bislang überhaupt keine Reaktion gab, letztlich wurden diese Hoffnungen nun zunichte gemacht - aber Zeiten ändern sind, auch bei Italien hätte dieses Jahr niemand mit einem Comeback gerechnet und nun steht ein zweiter Platz in Düsseldorf zu Buche.

    Polen Polen - Spärliche Informationen auch aus Warschau. Nachdem das polnische Fernsehen TVP den ersten Termin hat verstreichen lassen, um über die Fortsetzung oder Absage des Eurovision Song Contests in Polen Auskunft zu geben, hüllt man sich in Schweigen. Die Deadline der Europäischen Rundfunkunion rückt näher, dennoch gibt es noch keine Informationen von unseren östlichen Nachbarn.

    Ein Rückzug wäre eine Trotzreaktion auf den letzten Platz von Magdalena Tul im Halbfinale von Düsseldorf, zu verdenken wäre es den Polen nicht, wenn man sich die Bilanz seit Einführung der Halbfinals 2004 einmal genauer ansieht. Ebenso steht es um die Slowakei, die nicht erfolgreicher ist als Polen und nach dem Hin und Her um Miro Šmajda auch nichts mehr von sich hat hören lassen.

    Schweiz Schweiz - Abschließend noch eine kurze Vorschau auf die kommende Woche, in der wir den ersten Beitrag des Song Contests 2012 zu hören bekommen werden. Samstag findet in Kreuzlingen am Bodensee nämlich der Schweizer Vorentscheid statt. 14 Kandidaten, deren Spektrum von den 16jährigen Atomic Angels bis hin zur 87jährigen Lys Assia reichen, stehen zur Auswahl.

    Das SF hat via Twitter bereits die Startreihenfolge bekannt gegeben. Somit werden Patric Scott feat. Fabienne Louves den Abend eröffnen, ihnen wird Emel folgen, Lys Assia startet mit der Nummer 13 und die Kanadierin Katherine St-Laurent wird den Abend beenden. Man darf gespannt sein, für was sich die Eidgenossen entscheiden.

    Persönlich wäre mir "Real love" von Scott und Louves am liebsten, aber falls gerade an diesem Samstagabend viele Nostalgiker zuschauen, könnte Lyssie auch mit dem Beitrag von Ralph Siegel durchstarten. Siegel erklärte bereits, er würde sich freuen, wenn die Schweizer für seine Lys anriefen, schließlich sei es möglicherweise die letzte Chance, die die Schweiz ihr geben könnte, um noch einmal zum Song Contest zu fahren.

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