
Wieder einmal gibt es Eurovision am Sonntag, nachdem mein dritter Norwegen-Aufenthalt nun hinter mir liegt und von der Color Line-Liveband "Fairytale" gespielt wurde, wird's Zeit einen Blick nach vorne zu werfen und die Entscheidungen der 42 Nationen für den Wettbewerb in Baku zu analysieren. Da dies hier jedoch den Rahmen sprengen wird, werden wir ab 1. April täglich ein Teilnehmerland genauer unter die Lupe nehmen und die Kandidaten detailliert vorstellen.
Aserbaidschan - Während sich die Delegationen der Teilnehmerländer beeindruckt von den Entwicklungen in Baku zeigen und das Engagement von Europäischer Rundfunkunion und dem Sender ictimaiTV loben, dreht es sich in den deutschen Medien viel mehr um die Meldungen über Folter und Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan. Da wir darüber aber mittlerweile umfassend berichtet haben und das hier nicht im Hauptfokus stehen sollte, lieber noch ein kurzer Bericht über die Allocation Draw vom Dienstag.
Deutschland hat mit Startplatz 20 im Finale wieder einmal Losglück bewiesen. Die späte Startnummer dürfte für Roman Lob schon einen ersten Pluspunkt bedeuten. Während ich das Lied noch genauso belanglos finde, wie dereinst bei USFB und sich bei mir nachträglich nichts entwickelt hat, wie damals bei Lena Meyer-Landrut, hoffe ich einfach mal, dass der Song zumindest europaweit besser ankommt als bei mir.
Vor dem deutschen Beitrag steht zunächst Pastora Soler aus Spanien auf der Bühne. Das spanische Fernsehen wählte diese Position, nachdem sie beim Delegationstreffen die Wildcard gezogen haben. "Quédate conmigo" hat sich, nach dem Durchhören aller Titel spontan an die Spitze meines eigenen Rankings geschoben, Spanien hat meiner Meinung nach wieder einmal gute Karten auf eine vordere Platzierung. Zu wünschen wäre es den Spaniern natürlich, lange genug landeten sie im unteren Mittelfeld oder, wie im Falle von Soraya 2009 in Moskau, nahezu ganz im Keller.
San Marino - Vermutlich nur einmal werden wir den Titel von Valentina Monetta hören, nämlich an elfter Stelle im ersten Semifinale am 22. Mai. Ralph Siegel hat in der vergangenen Woche sämtliche "Facebook"-Passagen aus seinem Titel gestrichen, der jetzt zum satirischen "Social Network Song" ummodelliert wurde. Die Melodie ist gleich geblieben und wenn man ihn sich mehrmals anhört, ist er auch gar nicht mehr so schlecht. Beim Eurovision Song Contest bleiben glücklicherweise immer knapp zwei Monate, um sich ein Lied schönzuhören, im Fall von San Marino hat es funktioniert.
Dank der regelwidrigen Textpassagen hat das Lied von Grand Prix-Urgestein Ralph Siegel aber auch in Deutschland einiges an Aufmerksamkeit erhalten, zumindest habe ich in der letzten Woche wesentlich mehr Nachrichten aus dem italienischsprachigen Winzstaat gelesen, als über unseren eigenen Beitrag. Deutschland ist jedoch nicht im ersten Semifinale stimmberechtigt, dafür jedoch der direkte Nachbar Italien, die Schweiz und Österreich.
Genauso chancenlos sehe ich auch das Comeback von Montenegro an. Rambo Amadeus teilt das Schicksal von Andrea Demirović und Stefan Filipović und muss die Show eröffnen. Sein "Euro Neuro" klingt nach vielem, aber nicht wirklich schön. Da auch die fehlenden Sympathie- und Nachbarschaftsstimmen von den übrigen Nationen Ex-Jugoslawiens nicht kommen werden, dürfte Montenegro eine neuerliche Pleite erleben und nach wie vor das unerfolgreichste Land des damaligen Vielvölkerstaates bleiben.






Spanien - Eigentlich dürfte die Entscheidung schon lange vor dem eigentlichen Mini-Vorentscheid gestern in Madrid gefallen sein. Pastora Soler machte keinen Hehl daraus, dass sie am liebsten den G:song "Quédate conmigo" in Baku singen würde und somit gab sie insbesondere bei diesem Song alles, sodass Publikum und Juroren gar keine andere Wahl hatten, als diese Hammer-Ballade für den Song Contest zu wählen.
Italien - Wir bleiben im Mittelmeerraum. Dort hat die, durch das San Remo-Kommitee gewählte Sängerin Nina Zilli auf dem Clubtreffen der dortigen OGAE bestätigt, ihren San Remo-Titel "Per sempre" ("Für immer") auch beim Eurovision Song Contest in Baku singen zu wollen. Die Entscheidung sei ihr offenbar leicht gefallen, auch wenn noch weitere Songs zur Auswahl standen, wie es nach dem Festival Mitte Februar hieß.
Russland - Zuletzt ein vorausschauender Blick auf den russischen Vorentscheid, der für Mittwoch beim Sender RTR angesetzt ist. Nach der internen Auswahl von Alexey Vorobyov für Düsseldorf setzt das zweite russische Staatsfernsehen nun wieder auf einen groß angelegten Vorentscheid mit 25 Beiträgen aus allen Teilen des Landes.
Dänemark - Dieses Wochenende stand im Zeichen skandinavischer Vorentscheide, Norwegen hat mit Reidun Sæther eine Mischung aus Maria Haukaas Storeng und Wencke Myhre in die Finalshow gewählt, mit bewährten Komponisten im Rücken, Thomas G:son, König des Schwedenschlagers und Ovi, norwegischer Staatsbürger der 2010 gemeinsam mit Paula Seling die Bühne von Olso in Brand setzte.
Das russische Fernsehen ist jedenfalls bemüht eine Schmach wie 2011 in Baku zu verhindern, als Alexey Vorobyov trotz eines durchaus charttauglichen Titels jedoch mit einer fürchterlich überheblichen Einstellung das einstige Zarenreich auf den 16. Platz manövierte. Laut seiner Biographie müsste es auch seine erste Niederlage in einem musikalischen Wettbewerb sein. Ob er deshalb so gelangweilt neben seinem Hund unter'm Weihnachtsbaum lag ist nicht überliefert. Fest steht hingegen der Termin des russischen Vorentscheids, am 26. Februar wird in Moskau gewählt, vielleicht demokratischer als bei den Parlamentswahlen Anfang Dezember.
Dabei hatte sie zuvor sogar bei Sandra Maischberger PR betrieben und gesagt, wie glücklich sie sei diese Mühen noch einmal auf sich nehmen zu können. Gestern Abend um 22:48 Uhr war dann Schluss mit der Vorfreude auf Baku, denn die beiden Brüder Ivan und Gabriel Broggini aus Losono im Tessin konnten unter dem Bandnamen Sinplus den Vorentscheid für sich entscheiden.
Doch auch wenn aus dem Land des Kremls, vor dem im Moment der Pöbel auf die Straßen zieht und gegen Putin, Medwedew und Konsorten demonstiert, noch keine Nachrichten nach außen gedrungen sind, so ist es doch fast selbstverständlich, dass man in Baku dabei ist. Das russische Fernsehen rückte immer recht spät mit Infos zum Song Contest heraus und gerade im Nachbarland wird man sich mit Sicherheit von seiner besten Seite präsentieren.
Slowenien - Zunächst einmal noch ein paar Worte zum slowenischen Fernsehen, von dem wir inzwischen eigentlich gewöhnt sind, Sonntagabends Vorentscheidungsunterhaltung in Form der Castingshow "Misija Evrovizija" zu erhalten. Dort wurde jedoch heute ein neues Parlament gewählt. Zwischen 7-19 Uhr hatten über 3.000 Wahllokale geöffnet, anschließend begann die Berichterstattung auf allen größeren Kanälen des Landes.
