
Durch das Wirken von France Gall kehrten nun auch endlich modernere Töne beim Eurovision Song Contest 1966 ein, der in der Villa Louvigny, dem Austragungsort des Wettbewerbs von 1962 stattfand. Erneut war das Luxemburgische Fernsehen RTL, diesmal mit für damalige Zeiten bahnbrechender Technik, für die Organisation zuständig.
So fand am 5. März 1966 unter der Moderation von Josiana Chen der elfte Wettbewerb statt, unter den Teilnehmerländern gab es im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen. Lediglich die Vorgabe, dass der Interpret in der Landessprache seiner jeweiligen Nation singen musste, wurde ins Reglement aufgenommen.
Gleich zu Beginn musste die Sängerin für die BR Deutschland, Margot Eskens auftreten. Nach den beiden Null-Punkte-Platzierungen der Vorjahre entschloss sich der verantwortliche HR dazu, Interpretin und Titel intern auszuwählen. Der ausgewählte Titel, "Die Zeiger der Uhr" von Walter Dobschinski und Hans Bradtke wurde im Rahmen der Quizshow "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kulenkampff präsentiert.
Margot Eskens' Lied über das Verrinnen der Zeit schnitt erwartungsgemäß besser ab, als die Vorgänger, jedoch war mit sieben Zählern auch nur eine Mittelfeldplatzierung drin. Seit ihrem Karrierebeginn in den 50er Jahren verkaufte sie insgesamt über 40 Millionen Tonträger, heute lebt sie am Wörthersee.
Eines meiner deutschen ESC-Lieblingslieder: Die Zeiger der Uhr
Als zweite Starterin trat die dänische Sängerin Ulla Pia mit einer jazzigen Nummer namens "Stop, men legen er go" ("Stopp, solange du vorausgehst) an. Von den Stimmen der skandinavischen Juroren, die bereits in dieser Dekade fleißig hin- und hergeschoben wurden, konnte sie jedoch nicht profitieren und erreichte nur den 14. Rang. Für Dänemark sollte es für viele Jahre der letzte Auftritt sein, bis 1978 blieb man dem Wettbewerb aus unerfindlichen Gründen fern.
Dass die skandinavischen Juroren sich aber untereinander bestens verstanden, bewiesen die Schweden. Fünfzehn ihrer sechzehn erhaltenen Punkte gab es von den Nachbarstaaten. Damit reichte es für Lill Lindfors (die in der späteren Eurovisionsgeschichte noch ihren großen Auftritt haben sollte) und Svante Thuresson für Rang zwei. Das Lied, nun ja, ebenfalls jazzig und mit einem sehr interessanten Text über eine Prinzessin und einen Schweinehirten: "Nygammal vals (eller hip man svinaherde)".
Und auch der dritte Platz ging an ein skandinavisches Land: Åse Kleveland sang für Norwegen, dass es "Nichts Neues unter der Sonne" gab ("Inten er nytt under solen"). Mit Gitarre und Pyjama zog sie die Punkte an und erreichte das bis dato beste norwegische Ergebnis. Der Karriere hat es zusätzlich geholfen, sie wurde in den 80er Jahren Präsidentin der Vereinigung norwegischer Musiker und war von 1990-1996 Kulturministerin unter der Regierung von Gro Harlem Brundtland.
Kostümtechnisch ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt des schottischen Sängers Kenneth McKellar für Großbritannien, bis heute der einzige Interpret, der sich mit Kilt und Felltasche auf die Bühne stellte und "A man without love" trällerte. Wie ein Blick auf die Statistiken zeigt, war dieser Auftritt der schlechteste der Briten in den ersten 20 Jahren der ESC-Geschichte, das Ergebnis: Rang 9 mit acht Punkten.
Einen tragischen dritten und letzten Auftritt im Rund des RTL-Sendesaals absolvierte Domenico Modugno für Italien. Bereits bei den Proben für die Veranstaltung verließ er aufgrund des schlechten Arrangements des Orchesters die Bühne. Am Abend der Show setzte dieses "Dio, come ti amo" ebenfalls in den Sand, Modugno wurde punktelos Letzter, wenngleich man sich die rote Laterne mit Monacos Sängerin Tereza teilte. Dennoch: das Lied wurde wieder ein großer Erfolg, die Version von Gigliola Cinquetti wurde sogar in Südamerika ein Hit.
Mit einem bisschen Pfeffer und einem bisschen Salz ("Un peu de poivre, un peu de sel") versuchte die Sängerin Tonia für Belgien zu punkten und schaffte es mit ihrem Gewürzlied auch tatsächlich bis auf Platz 4, klang es doch modern genug um die Juroren zu beeindrucken. Tonia blieb auch der deutschen Schlagerszene erhalten und versuchte sich 1973 mit dem Titel "Sebastian" auch am deutschen Vorentscheid. Dort wurde sie jedoch um einen Punkt von Gitte geschlagen.
Einen kuriosen Akzent setzten die Niederlande bei ihrer Nominierung. Mit Millie Scott, deren Wurzeln im Surinam lagen, trat erstmals eine schwarze Sängerin beim Eurovision Song Contest an. Sie fegte mit einem portablen Mikrofon über die Bühne, auf der sie zwei Mexikaner, die besungenen "Fernando en Filippo" platziert hatte und mischte den sonst so zurückhaltenden Wettbewerb auf. Für heutige Verhältnisse mit zwei Punkten und einem Platz 15 deutlich unterbewertet.
Während die Schweden, wie angesprochen, auf insgesamt 16 Zähler kamen, wovon mit Ausnahme eines Punktes aus der Schweiz, alle aus Skandinavien kamen, konnte sich der Beitrag aus Österreich mit 31 Punkten deutlich an der Tabellenspitze platzieren. Udo Jürgens, der nach zwei Anläufen am Klavier saß und sein gänsehauterzeugendes "Merci Chérie" darbot, erreichte den bis heute einzigen Triumph Österreichs in der Song Contest-Geschichte.
Trotz französischer Titelzeile ist der Song der erste deutschsprachige Titel, der den Eurovision Song Contest gewinnen konnte. Aus Deutschland gab es für Udo Jürgens jedoch keinen Punkt, die österreichischen Juroren ignorierten den Beitrag von Margot Eskens dafür ebenfalls. Udo Jürgens bedarf glaube ich keiner Vorstellung, Lieder wie "Mathilda", "Immer wieder geht die Sonne auf", "Griechischer Wein", "Aber bitte mit Sahne" oder "Mit 66 Jahren" sind allesamt Evergreens.
Bis heute hat Jürgens, der eigentlich Udo Jürgen Bockelmann heißt, über 900 Lieder geschrieben, darunter auch den Titel "Buenos Dias Argentina" mit der deutschen Fußballnationalmannschaft 1978. Zudem ist er Träger diverser Auszeichnungen, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Klagenfurt und für seinen Abschlussauftritt im weißen Frotée-Bademantel berühmt. Seit 2007 wird zudem sein Musical "Ich war noch niemals in New York" aufgeführt.
Udo Jürgens schaffte das, was nach ihm kein Teilnehmer des Eurovision Song Contest geschafft hat: er brachte den Wettbewerb nach Österreich und der ORF übernahm 1967 die Ausrichtung des nunmehr zwölften Wettbewerbs. Dem Endergebnis hinzuzufügen ist vielleicht noch, dass Länder wie Luxemburg, Frankreich und die Niederlande, die stets gut abgeschnitten haben, recht weit hinten im Ranking wiederzufinden sind, während erfolglosere Länder wie Schweden, Norwegen und Belgien im oberen Drittel zu finden sind.
Udo Jürgens - Merci Chérie
Die Teilnehmer:
01. - 031 -
- Udo Jürgens - Merci Chérie
02. - 016 -
- Lill Lindfors & Svante Thuresson - Nygammal vals
03. - 015 -
- Åse Kleveland - Intet er nytt under solen
04. - 014 -
- Tonia - Un peu de poivre, un peu de sel
04. - 014 -
- Dickie Rock - Come back and stay
06. - 012 -
- Madeleine Pascal - Ne vois-tu pas?
07. - 009 -
- Berta Ambroz - Brez besed
07. - 009 -
- Raphael - Yo soy acquél
09. - 008 -
- Kenneth McKellar - A man without love
10. - 007 -
- Margot Eskens - Die Zeiger der Uhr
10. - 007 -
- Michèle Torr - Ce soir je t'attendais
10. - 007 -
- Ann-Christine Nyström - Playboy
13. - 006 -
- Madalena Iglésias - Ele e ela
14. - 004 -
- Ulla Pia - Stop, mens legen er god
15. - 002 -
- Millie Scott - Fernando en Phillipo
16. - 001 -
- Dominique Walter - Chez nous
17. - 000 -
- Tereza - Bien plus fort
17. - 000 -
- Domenico Modugno - Dio, come ti amo
Demnächst: Eurovision Song Contest 1967 in Wien







Den ersten Schritt in die Moderne machte der Eurovision Song Contest im Jahr 1965. Am 20. März diesen Jahren trafen sich die Interpreten aus erstmals achtzehn Nationen zum Singen in der italienischen Metropole Neapel. Im ehrwürdigen Sala di Concerto della RAI fand der zehnte Contest statt.
Durch den Abend führte Renata Mauro, die im Jahr 2009 leider verstarb. Im italienischen Fernsehen führte sie durch diverse Programme, moderierte u.a. die internationale Show "Jeux Sans Frontières" und spielte in einigen Filmen mit. Neben den 16 Teilnehmerländern vom Song Contest im Vorjahr konnte sie auch wieder einen Beitrag aus Schweden und erstmals einen Beitrag aus Irland ankündigen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte man noch nicht, dass Irland einmal die erfolgreichste ESC-Nation werden sollte.
Das englischsprachige Duell konnte die britische Künstlerin Kathy Kirby allerdings für sich behaupten und belegte für das Königreich abermals den zweiten Rang. Die gebürtige Kathleen O'Rourke, die später aufgrund ihrer Optik mit Marilyn Monroe verglichen wurde wurde von der BBC intern ausgewählt und präsentierte sechs Titel in einem TV-Vorentscheid. Per Postkarte entschieden sich die Zuschauer für das Lied "I belong".
Weit vom zweiten Platz entfernt war die deutsche Künstlerin Ulla Wiesner mit ihrem Lied "Paradies, wo bist du?". Dabei setzte sich die gebürtige Münchenerin beim Vorentscheid "Ein Lied für Neapel", der vom NDR ausgetragen wurde souverän gegen die fünf Konkurrenten, darunter erneut René Kollo, durch. Beim Eurovision Song Contest erbarmte sich nicht ein Land, der Bundesrepublik Punkte zu geben.
Weitere Wiederholungstäter waren Udo Jürgens für Österreich, der sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze auf Rang vier verbesserte und mit "Sag ihr, ich lass sie grüßen" 22 Wochen in den deutschen Charts ausharrte. Seinen Triumph sollte er jedoch erst im darauffolgenden Jahr haben. Der zweite Rückkehrer war der Kroate Vice Vukov im Dienste Jugoslawiens, der sein Land 1963 in London repräsentiert hatte. In Neapel reichte es mit "Čežnja" nur für Rang 12.
Auch Kirsti Sparboe nahm erstmals für Norwegen am Wettbewerb teil, zwei weitere Anläufe sollten folgen. Ihr "Karusell" musste sich gemeinsam mit der Portugiesin Simone de Oliveira den 13. Platz mit einem Punkt teilen.
Die Gastgeber schickten den, sogenannten, italiensichen Elvis zum Gran Premio Eurovisione della Canzone. Bobby Solo, damals Schwarm vieler Mädels stieg Anfang der 60er zum Teenie-Idol auf, 1965 war er dann mit seinem späteren Eurovisionstitel "Se piangi, se ridi" beim San Remo-Festival siegreich. Beim Contest reichte es für den fünften Platz. Mit den deutschen Versionen seiner Lieder konnte sich Solo auch in der deutschen Hitparade platzieren.
Die 17jährige France Gall, die sich heute vom Eurovision Song Contest distanziert und nicht wirklich gern über dieses Thema spricht, hielt sich auch Jahre später mit Hits in ganz Europa im Musikbusiness. So erreichten Schlager wie "A banda (Zwei Apfelsinen im Haar)" oder "Ella, elle l'a" die deutsche Hitparade. Inzwischen lebt France Gall nach mehreren Aufenthalten in Westafrika aus dem Geschäft zurückgezogen in Paris.
Nun mag auch der bislang einzige Störfall beim Eurovision Song Contest eine Rolle beim Verschwinden der Aufnahme spielen. Beim Wettbewerb 1964 gab Portugal, das damals durch die diktatorische Führung von António de Oliveira Salazar geprägt war, sein Debüt am Wettbewerb. Bekanntermaßen standen die skandinavischen Länder dieser Regierung kritisch gegenüber, letztlich führten Bemühungen der damals schon "unpolitischen" EBU zur Teilnahme des Landes.
Keine politischen Boykottgedanken sondern ein Künstlerstreik verhinderte, dass Schweden am Eurovision Song Contest 1964 in Kopenhagen teilnehmen konnte. Nachdem jener Streik Ende März, einen Tag vor dem Wettbewerb beigelegt werden konnte, entschloss sich das schwedische Fernsehen aber immerhin den Wettbewerb zu zeigen, im Folgejahr sollte das Land auch wieder dabei sein. Somit fand der Wettbewerb in Kopenhagen erneut mit sechzehn Nationen statt. Durch den Abend, der durch einen nahezu einheitlichen Musikstil geprägt war, führte Lotte Wæver.
Nora Nova geriet bereits unmittelbar nach dem desaströsen Abschneiden in Vergessenheit, erst im Jahr 2007 lud sie das bulgarische Fernsehen BNT als Talkgast in die Vorentscheidungsshow ein. Immerhin: den letzten Platz teilte sich Nora Nova, wahrscheinlich auch aufgrund des wieder geänderten, aber immer noch nicht ausgeklügelten Punktesystems mit drei weiteren Leidensgenossen.
Stichwort Matt Monro: dieser stieg am gleichen Abend für das Vereinigte Königreich auf die Bühne. Als singender Busfahrer machte er sich zunächst in Clubs auf der Insel einen Namen. Mit dem Lied "From Russia with love", dem Titellied des James-Bond-Films "Liebesgrüße aus Moskau", der 1963 in die Kinos kam, erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere. Beim Grand Prix im Jahr darauf platzierte sich Monro, der bürgerlich Terrence Parsons hieß, auf dem zweiten Rang. 1985 verstarb Monro im Alter von 54 Jahren an Krebs.
Die Juroren wählten den Titel, der zuvor auch das San Remo-Festival gewann, eindeutig zu ihrem Favoriten und kührten Cinquetti damit zur bis dato jüngsten Siegerin des Grand Prix. Bis zum Sieg von Sandra Kim 1986 sollte sie dies auch bleiben. "Non ho l'età" verkaufte sich europaweit hervorragend, es gab 
Obwohl das Vereinigte Königreich bis dato keinen Sieg beim Song Contest errungen hatte, trug die BBC bereits den zweiten Wettbewerb aus. Die Siegernation des Vorjahres Frankreich weigerte sich den Wettbewerb schon wieder auszurichten und somit vergab die EBU den Zuschlag an Großbritannien. Durch den Abend führte wieder Katie Boyle, die diese Aufgabe schon 1960 übernahm. Erneut nahmen die gleichen Nationen wie im Vorjahr teil.
Zwei Plätze vor Heidi Brühl landete die, in Israel geborene, Sängerin Carmela Corren. Sie nahm im Jahr zuvor mit "Eine Rose aus Santa Monica" an den Deutschen Schlagerfestspielen und somit am deutschen Song Contest-Vorentscheid teil. Das Lied wurde ihr größter Erfolg. 1963 ging sie nun für den Österreichischen Rundfunk mit "Vielleicht geschieht ein Wunder" an den Start. Laut deutscher Wikipedia lebt Carmela Corren heute aus dem Musikgeschäft zurückgezogen in Florida.
Der norwegische Beitrag "Solhverv" sollte ursprünglich von Nora Brockstedt gesungen werden, da sie beim Vorentscheid die Nase vorn hatte. Gerüchten zufolge soll sie nicht aus Zeitmangel sondern aus Angst vor einem schlechten Abschneiden in London abgesagt haben. Somit wurde die Drittplatzierte Anita Thallaug nominiert. Aufgrund der Nullnummer beim Song Contest nahm sie den Titel nie als Single auf.
Stark vertreten waren in diesem Jahr die französischsprachigen Nationen. Luxemburg schickte die erste Brillenträgerin zum Wettbewerb, die zu den erfolgreichsten Teilnehmern überhaupt werden sollte. Nana Mouskouri wurde 1934 auf Kreta geboren und wurde spätestens durch "Weiße Rosen aus Athen" in Deutschland erfolgreich. Zuvor hatte sie bereits ein griechisches Musikfestival gewonnen, trat mit Stars wie Mikis Theodorakis auf und veröffentlichte bis heute über 250 Millionen Tonträger.
Auch Monaco kaufte sich im Ausland ein, das Fürstentum ging mit Françoise Hardy an den Start. Diese hatte im Jahr zuvor mit "Tous les garçons et les filles" einen Erfolg in Frankreich gelandet. Ihren Wettbewerbstitel "L'amour s'en va" hatte sie selbst geschrieben. Ihre frühen Karrierejahre versucht die Sängerin heutzutage jedoch aus ihren Memoiren zu verdrängen. In einem Interview bekräftigte Hardy, dass 1963 live gesungen wurde. Das hätte man daran erkannt, dass sie an dem Abend "sehr schlecht gesungen" hat. Trotzdem reichte es für den fünften Rang, den sie sich mit ihrem Landsmann Alain Barrière teilte.
Eine weitere israelische Sängerin trat für die Schweiz an. Esther Ofarim, die 1961 ihren Filmpartner Abraham Reichstadt heiratete, gewann den Schweizer Vorentscheid mit ihrem "T'en vas pas" ("Geh nicht") und fuhr als Favoritin nach London. Internationale Berühmtheit erreichten beide als Duo Esther & Abi Ofarim. Doch zurück zum Song Contest und seinem Wertungsskandal...
Hinter dem Siegerpärchen verbargen sich das Ehepaar Grethe und Jørgen Ingmann mit ihrem Lied "Dansevise" ("Tanzwiese"). Das Duo setzte sich beim dänischen Vorentscheid u.a. gegen Gitte Hænning, Dario Campeotto und Birthe Wilke durch. Grethe Ingmann im gleichen Jahr das Lied "Der King von Soho" bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden. Die Ehe hielt bis 1975. Sie starb in den 90er Jahren an Krebs, er war später Komponist tätig, u.a. war sein "Echo Boogie" jahrelang Erkennungsmelodie der "Aktuellen Schaubude" im NDR.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte fand der Eurovision Song Contest 1962 im Großherzogtum Luxemburg statt. Und zum ersten Mal in seiner Geschichte nahmen die gleichen Nationen wie im Vorjahr teil, Veränderungen gab es zumindest bei den Teilnehmerländern keine.
Aber der Reihe nach... der "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne 1962" fand in der Villa Louvigny in Luxemburg statt, das 64 Jahre lang sitz der RTL Group war und mittlerweile als Sitz des Luxemburgischen Gesundheitsministeriums dient. Moderiert wurde der Abend von Mireille Delannoy, die mit ihrem geographischen Fauxpas das Publikum wieder wach machte, indem sie die dänische Jury mit den Worten "Good evening Stockholm" aufrief.
Eröffnet wurde der Wettbewerb 1962 von der jungen Finnin Marion Rung. Seit der Veröffentlichung ihrer ersten Single "Brigitte Bardot" 1961 zählte sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Finnlands. Sie gewann den Vorentscheid gegen Vieno Kekkonen und durfte in Luxemburg ihren Song "Tipi-Tii" singen. Der siebte Platz den sie mit ihrem fröhlichen Lied einfuhr, sollte bis zu ihrem zweiten Anlauf im Jahr 1973 der erfolgreichste finnische Beitrag bleiben.
Die Niederlande schnitten mit ihren Spelbrekers und einem Lied über zwei glimmende Zigaretten in der Dunkelheit genauso punktelos ab, wie der spanische Sänger Victor Balaguer mit seinem Titel "Llamame", der gemeinsam mit dem italienischen Sänger Claudio Villa um die Wette jaulte. Im Gegensatz zum Spanier erhielt der Sieger des San Remo-Festivals 1962 mit seinem Titel "Addio addio" immerhin drei Punkte und damit den neunten Rang.
Deutschland wählte seinen Beitrag für Luxemburg durch die neugeborenen "Deutschen Schlagerfestspiele", ein durch das italienische San Remo-Festival inspiriertes Format, mit mehreren Vorrunden. Für den Vorentscheid war der SWR verantwortlich. In vier Vorrunden sangen 24 Interpreten um zwölf Finalplätze. Im Finale waren dann namhafte Künstler jener Zeit, wie Jimmy Makulis, der zuvor für Österreich an den Start ging, Siw Malmkvist, Carmela Corren, Margot Eskens oder Wyn Hoop im Duett mit Pirko Manola am Start.
Einen Punkt mehr erhielt der britische Sänger Ronnie Carroll, der zum damaligen Zeitpunkt zu den größten Entertainern im britischen Unterhaltungsbusiness zählte. Er teilte sich den vierten Rang gemeinsam mit der jugoslawischen Sängerin Lola Novaković.
Auch wenn die erste Jury aus Finnland der Französin noch keine Punkte gab, eroberte Isabelle Aubret recht schnell die Spitze des Scoreboards und deklassierte die übrigen Teilnehmer. Die Änderung der Wertungsregeln hatten insofern nichts gebracht, Frankreich siegte zum dritten Mal in fünf Jahren. Der Sender RTF weigerte sich schließlich jedoch den Wettbewerb schon wieder auszurichten. Somit übernahm Großbritannien wieder das Zepter der Organisation für den Contest im Jahr 1963.
Vieles hatte sich gegenüber dem Wettbewerb von 1959, als der Contest erstmals in Frankreich stattfand nicht geändert, durch den Abend führte erneut Jacqueline Joubert, nur auf die Drehbühnen verzichtete man diesmal. Ansonsten blieb vieles gleich, für das musikalische Arrangement war Franck Pourcel verantwortlich und sogar die Wertungstafel erinnerte an die von 1959.
Den Beginn machte Conchita Bautista aus Spanien mit einem flamencogetränkten Beitrag. Sie wirbelte in ihrem Kleid über die Bühne, wie noch kein Interpret zuvor. Für sie reichte es am Ende des Abends für einen neunten Platz. Einen Rang besser als die Spanierin schnitt die jugoslawische Sängerin Ljiljana Petrović aus der Teilrepublik Slowenien ab. Mit ihrem "Neka davne zvezde" ("Einige uralte Sterne") erreichte den achten Platz.
Weniger erfolgreich lief es für Schweden, die es mit "April April" nur auf den vierzehnten Platz schafften. Dabei rückte die Sängerin Barbro Svensson alias Lill Babs nur nach, weil Siw Malmkvist, die den schwedischen Vorentscheid ursprünglich mit dem Lied gewann disqualifiziert wurde, hauptsächlich wohl aus dem Grund, weil sie während der Darbietung von "April April" nicht mit dem Lachen aufhören konnte und den Text vergaß. In einem späteren Interview gegenüber einer deutschen ESC-Dokumentation freute sie sich hingegen darüber, dass sie im Gegensatz zu Lill Babs pfeifen konnte.
Nachdem sie das San Remo-Festival 1961 gewinnen konnte, durfte Betty Curtis im gleichen Jahr mit ihrem Lied "Al di là" ("Drüben") für Italien beim Song Contest antreten. Sie gehörte in den 60er Jahren zu den größten Namen der italienischen Musiklandschaft, unvergessen bleiben Lieder wie "Nessuno" oder "È più forte di me". Beim Song Contest wurde sie Fünfte. Auch Betty Curtis ist bereits verstorben, im Alter von 70 Jahren starb sie 2006 im lombardischen Lecco.
Die bekannteste Interpretin des Abends trat hingegen für die BR Deutschland an. In der Schlagerparade mit Moderator Heinz Schenk aus dem Kurhaus in Bad Homburg traten zunächst 13 Interpreten an. "Anspruchsvolle Chansons" wurden von Hans-Otto Grünefeldt gefordert, der sich erstmals für den Vorentscheid verantwortlich zeigte.
Nicht nur der deutsche Beitrag erhielt eine frankophone Note, auch der Siegerbeitrag aus Luxemburg wart auf Französisch gesungen. Jean-Claude Pascal, arbeitete zunächst beim Modezar Christian Dior, wodurch er später zum Film kam. Er stand 1959 u.a. mit Romy Schneider vor der Kamera. In den 60ern legte er mit seinem Sieg beim Song Contest mit der Ballade "Nous les amoureux" ("Wir, die Verliebten") den Grundstein für seine musikalische Karriere.
Jean-Claude Pascal lieferte sich während der Punktevergabe zwischenzeitlich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem britischen Duo The Allisons, die entgegen ihres Namens keine Bruder waren. Ihr Lied "Are you sure?" entwickelte sich ebenfalls zu einem Verkaufserfolg in Westeuropa.
Nachdem das niederländische Fernsehen sich weigerte den Eurovision Song Contest, aufgrund der mit ihm verbundenen Kosten, nach so kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal auszurichten, sprang das Vereinigte Königreich ein. Somit fand der Eurovision Song Contest 1960 am 29. März in der Royal Festival Hall am Südufer der Themse in London statt. Moderiert wurde der Abend von Katie Boyle, die an diesem Abend wahrscheinlich auch noch nicht ahnte, dass sie ihn noch drei weitere Male moderieren sollte.
Anfang Februar wurde zuvor der deutsche Beitrag für London in der "Schlagerparade" aus der Rhein-Main-Halle in Wiesbaden mit Hilde Nocker und Werner Fullerer ausgewählt. Zehn Teilnehmer stellten sich dem Vorentscheid, den Sieg trug Wyn Hoop mit "Bonne nuit, ma cherie" davon. Umso erstaunlicher, weil in der Konkurrenz durchaus namhafte Künstler dabei waren, unter anderem Rex Gildo im Duett mit Angèle Durand ("Abitur der Liebe") und natürlich die spätere Zweitplatzierte Heidi Brühl, die deutschlandweit durch ihre Immenhof-Filmen bekannt wurde. Ihr Lied "Wir wollen niemals auseinandergehn" ist heute noch bekannt, an Wyn Hoop hingegen werden sich nur noch einzelne erinnern können.
Erneut musste der Gastgeber, in diesem Falle die Briten, den Wettbewerb eröffnen. Sie schickten Bryan Johnson , den Bruder von Teddy Johnson, der im Jahr zuvor im Duett mit Pearl Carr den zweiten Platz erzielte. Sein Bruder stand ihm damit in nichts nach, sein Titel "Looking high, high, high", der von einem Mann erzählt der fernab der Heimat nach der großen Liebe sucht, schaffte es ebenfalls auf den zweiten Platz. Das britische Saalpublikum war außer sich vor Begeisterung über jeden Punkt und feierte letztlich so laut, dass Moderatorin Katie Boyle erbost ins Mikrofon schrie, sie würde die Juries nicht mehr verstehen, wenn es weiterhin so laut bliebe.
Unter den weiteren Teilnehmern, die nur auf den Plätzen landeten, fanden sich viele, die später auch im deutschen Fernsehen ihren Platz fanden. So zum Beispiel Camillo Felgen, einer der wenigen Vertreter Luxemburgs, die auch wirklich aus dem Land stammten, für das sie antraten. Als Moderator der "Hitparade" auf Radio Luxemburg war er im deutschsprachigen Raum bereits bekannt. Ab 1965 moderierte er dann für den WDR die Spielshow "Spiel ohne Grenzen". Nach einem kurzen Gastspiel bei RTL plus zog er sich aus dem Mediengeschäft zurück, 2005 starb er in Esch-sur-Alzette, ebenfalls in Luxemburg.
Einen Platz vor ihm landete der Niederländer Rudolf Wijbrand Kesselaar, allseits bekannt als Rudi Carrell. Sein Lied "Wat een geluk" bekam je einen Punkt aus Belgien und Italien. Im niederländischen Fernsehen war er zu jener Zeit schon aktiv gewesen, in Deutschland gab er sein Debüt 1965.
Im November 2005 wurde bekannt, dass er an Lungenkrebs erkrankt war, seinen letzten öffentlichen Auftritt gab er im Februar 2006 bei der Goldenen Kamera, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde ("Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie."). Er starb am 7. Juli 2006 im Klinikum Ost in Bremen.
Der Sieg ging jedoch nach Frankreich. Sie trat als Letzte auf und wurde Erste: Vorjahressiegerin Teddy Scholten übergab die Trophäe an Jacqueline Boyer, deren Vater im Jahr zuvor noch für Monaco den letzten Platz belegte. Ihr Lied über den Schwindler "Tom Pillibi", der vorgab zwei Schlösser in Schottland und Montenegro zu besitzen, traf den Nerv der Juroren und wurde mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Briten Bryan Johnson und François Deguelt aus Monaco Sieger des Abends.
"Tom Pillibi" wurde auch in Deutschland ein Erfolg und erreichte #21 der Charts. Jacqueline Boyer konnte sich später noch mit weiteren Titeln ("Mitsou", "Mucho amore") in den Charts platzieren. Damit holte sie den zweiten Sieg nach Frankreich, dessen Rundfunkanstalt wie auch schon 1959 Cannes als Austragungsort für den Eurovision Song Contest wählte.
Mit einem Blick auf die nächtliche Strandpromenade von Cannes wurde der Wettbewerb eröffnet. Als Moderatorin des Abends trat Jacqueline Joubert auf, die auch 1961 den Wettbewerb moderieren sollte. Sie war eine der ersten Persönlichkeiten im französischen Fernsehen nach dem Zweiten Weltkrieg und widmete sich später der Produktion von Kinderprogrammen und dem populären Fernsehmagazin Récré A2 . Sie verstarb 2005 im Alter von 83 Jahren. Sie stellte zu Beginn des Wettbewerbs alle Interpreten des Abends kurz vor, die mit Hilfe von drei Drehbühnen kurz auf der Bühne auftauchten und dem Publikum entgegen nickten.
Die Rückkehrer aus Großbritannien waren dort schon erfolgreicher. Das Ehepaar Pearl Carr & Teddy Johnson nahm eine Fingerpuppe in Form eines kleinen Vogels mit auf die Bühne, die zur Untermalung ihres Titels "Sing little birdie" diente. In der Wertung lagen die beiden lange Zeit vorne, bis sie schlussendlich den zweiten Platz belegten, eine Platzierung, die die Teilnehmer des Vereinigten Königreichs bis heute noch weitere vierzehn Mal einfahren sollten.
Und auch die Italiener bauten auf Altbewährtes und gaben Domenico Modugno die Gelegenheit einen weiteren Welthit auf der Grand Prix-Bühne zu schmettern. Sein Lied "Piove" ("Es regnet") fanden die Juroren zwar erneut nicht siegeswürdig und vergaben lediglich neun Punkte, der kommerzielle Erfolg blieb, genau wie ein Jahr zuvor schon mit "Nel blu dipinto di blu", auf seiner Seite und der Titel wurde als "Ciao, ciao bambina" ein großer Erfolg.
Nachdem man drei Jahre in Folge Lys Assia zum Wettbewerb geschickt hatte und inzwischen wohl auch die Nase von ihr voll hatte, versuchte das Schweizer Fernsehen in diesem Jahr etwas Neues: Christa Williams wurde mit ihrem "Irgendwoher" immerhin Vierte und erreichte das beste Ergebnis mit einem deutschsprachigen Lied in diesem Jahr. Eine ernsthafte Konkurrenz stellte der Beitrag aus Österreich von Ferry Graf auch nicht dar, der sich mit "Der K.u.K. Kalypso aus Wien" exotisch und weltoffen präsentierte, aber genauso kaiserlich und königlich abschmierte und Vorletzter wurde.
Erstmals präsentierte man, wenn auch nur auf dem sehr kleinen Raum der Drehscheibe, ansatzweise eine Choreographie und entzürnte mit ihrem "Hallo Boy" sogleich die Verfechter der deutschen Sprache. Der Titel "Heute Abend woll'n wir tanzen geh'n" sollte ursprünglich übrigens "Heut' möcht' ich bummeln" heißen, das erschien den Interpretinnen allerdings zu brav. Das Ergebnis war ein achter Platz, Domenico Modugno ließ man jedoch, anders als die Zwillinge beim deutschen Vorentscheid 2007 behaupteten, nicht hinter sich, der wurde mit "Piove" nämlich immerhin Sechster.
Gewonnen hat Belgiens Nachbarland, die Niederlande mit einem Lied von Dick Schallies und Willy van Hemert. Gesungen wurde der Titel "Een beetje", das wohl keiner Übersetzung bedarf, von der jungen Sängerin Teddy Scholten. Sie setzte sich im Vorentscheid gegen John de Mol durch, der die zweite Version von "Een beetje" sang. Sein Sohn sollte später Erfolge in der Fernsehindustrie haben, seine Firma Endemol u.a. das Konzept für Big Brother und die Traumhochzeit schaffen. Teddy Scholten hingegen veröffentlichte ihren Titel in deutscher, französischer, schwedischer und italienischer Sprache auf. Für ihre Karriere blieb es aber der größte Erfolg.
Nach dem Sieg von Corry Brokken, traf sich die Eurovision 1958 im kleinen Örtchen Hilversum in der niederländischen Provinz Nordholland. Die Gemeinde, Geburtstort von Linda de Mol, etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt, galt bereits seit den 20er Jahren als Rundfunk- und Fernsehzentrum der Niederlande und somit fand er Song Contest an einem Mittwoch, am 12. März 1958, in den AVRO-Studios statt.
Nachdem sie im Vorjahr mit einem Telekommunikationslied Vierte wurde, schaffte sie es mit einem meiner persönlichen Lieblingslieder vom Song Contest, mit Schärpe als "Miss Jukebox" verkleidet und mit Schallplatten bewaffnet leider nur den siebten Platz. Dabei bot sie musikalisch gesehen alles was damals schick war, von Heimatmelodien über Verdi bis hin zu Marschmusik und Dixieland.
Obwohl der Franzose André Claveau den Wettbewerb mit seinem Song "Dors, mon amour", einem
Da jedoch noch nicht alle Juroren in den verschiedenen Ländern während seines Auftritts zugeschaltet waren, durfte er seinen Titel nach der letzten Starterin, Lys Assia, noch einmal wiederholen. Das Lied schaffte es später auf die #1 der amerikanischen Billboard Charts, stieg in diversen Ländern hoch in die Charts ein und war sogar für einen Grammy nominiert.
Nach einem kurzen Pausenfüller durch das Metropole Orkester unter der Leitung von Dirigent Dolf van der Linden, welches in einer erdrückenden Blumendekoration aus Tulpen und Osterglocken saß, trat die Moderatorin der Veranstaltung, Hannie Lips, ans Telefon und rief die einzelnen Juroren auf. Im Gegensatz zu heutigen Moderatoren zeigten sich die Moderatoren der 50er Jahre, insbesondere Hannie Lips zurückhaltend und schwafelten nicht stundenlang, wie das heute mitunter der Fall ist.
Am Ende hatte der Franzose André Claveau die Nase vorn und siegte mit 27 Punkten. 1936 gewann er zunächst einen Chansonwettbewerb in Paris. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann seine Karriere beim Hörfunk, er nahm mehrere Chansons auf. Sein Erfolg beschränkte sich jedoch auf die französischsprachigen Länder, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, Ende der 60er Jahre zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück. Claveau starb 2003 in Tarn, in der Nähe von Toulouse.
Vom Eurovision Song Contest 1957 existieren, im Gegensatz zum Wettbewerb des Vorjahres Bilder und Videoaufnahmen. Insgesamt gingen zehn Länder an den Start, die sieben Teilnehmerländer aus Lugano, sowie Dänemark, Großbritannien und Österreich, deren Rundfunkanstalten 1956 schlichtweg die Anmeldefrist versäumten. Ausgerichtet wurde der Song Contest im Großen Saal des Hessischen Rundfunks, wo wenige Wochen zuvor bereits der erste Vorentscheid der Bundesrepublik ausgetragen wurde.
Im Rahmen der Unterhaltungssendung "Zwei auf einem Pferd" mit Moderator Hans-Joachim Kulenkampff sangen vier Interpreten um die Grand Prix-Teilnahme. Neben der Siegerin Margot Hielscher nahmen außerdem Paul Kuhn mit "Das Klavier über mir", Illo Schieder mit "Was machen die Mädchen in Rio" und Renée Franke mit "Ich brauche dein Herz" teil. Die Juroren entschieden sich für Margot Hielscher mit dem Titel "Telefon, Telefon" aus der Feder von Ralph Maria Siegel, dem Vater von Ralph Siegel.
Die Musik ihres Liedes stammt von Friedrich Meyer, den sie 1959 heiratete. In einem Interview zu ihrem Beitrag sagte Margot Hielscher vor einiger Zeit: "Wir hatten uns überlegt: Was ist modern und international?" Und so sei man auf die Idee gekommen, über das im Krieg zerstörte und sich im Wiederaufbau befindliche Telefonnetz zu singen. Auf der Bühne spielte sie mit einem Telefonhörer, dem ersten Requisit beim Grand Prix und machte ihren Titel mit Wortfetzen in englischer, französischer, spanischer und italienischer Sprache auch den übrigen Europäern verständlich.
Bei diesem Wettbewerb gab es noch keine feste Regel bezüglich der Beitragslänge, der Richtwert von drei Minuten pendelte sich erst im Laufe der Jahre ein. So startete die Britin Patricia Bredin mit ihrem Titel "All", der nur 1:52 Minuten dauerte, der kürzeste Beitrag in der Wettbewerbsgeschichte. Der längste der Geschichte folgte unmittelbar danach, als der Italiener Nunzio Gallo sein "Corde della mia chitarra" runde 5:10 Minuten trällerte. Beide landeten hinter Margot Hielscher auf den Plätzen sechs und sieben.
Der erste skandinavische Beitrag beim Wettbewerb, vorgetragen vom dänischen Pärchen Birthe Wilke und Gustav Winkler sorgte in den prüden 50er Jahren in einigen Ländern für einen Skandal. Zum Schluss ihres Seemannsliedes gaben sich beide engumschlungen einen elfsekündigen Kuss. Dem Ergebnis hat es nicht geschadet, Dänemark erreichte Rang drei.
In jedem Land saßen zehn Juroren, die jeweils einen Punkt vergaben. Diese wurden per Telefon übermittelt und hinter die Bühne weitergeleitet, wo an der Wertungstafel fleißig gedreht wurde. Iplicjian rief konsequent alle Jurys auf Deutsch auf, was mehr oder weniger auch funktionierte - unvergessen bleibt der Satz "Hallo Kopenhagen?!". Erstaunt stellte sie fest, das der dänische Juror seine Punkte auf Englisch verlas.
Corry erhielt später einen Blumenstrauß, der Grand Prix in seinem eigentlichen Sinne ist ja bis heute - eigentlich - ein Komponistenwettbewerb. Ab dem folgenden Jahr sollte der Wettbewerb dann stets im Gewinnerland des Vorjahres stattfinden, 1958 traf man sich also im niederländischen Hilversum wieder.
