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Memories

  • Memories: Eurovision Song Contest 1966

    Eurovision Song Contest 1966

    Durch das Wirken von France Gall kehrten nun auch endlich modernere Töne beim Eurovision Song Contest 1966 ein, der in der Villa Louvigny, dem Austragungsort des Wettbewerbs von 1962 stattfand. Erneut war das Luxemburgische Fernsehen RTL, diesmal mit für damalige Zeiten bahnbrechender Technik, für die Organisation zuständig.

    Moderatorin Josiana ChenSo fand am 5. März 1966 unter der Moderation von Josiana Chen der elfte Wettbewerb statt, unter den Teilnehmerländern gab es im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen. Lediglich die Vorgabe, dass der Interpret in der Landessprache seiner jeweiligen Nation singen musste, wurde ins Reglement aufgenommen.

    Kuli nebst ButlerGleich zu Beginn musste die Sängerin für die BR Deutschland, Margot Eskens auftreten. Nach den beiden Null-Punkte-Platzierungen der Vorjahre entschloss sich der verantwortliche HR dazu, Interpretin und Titel intern auszuwählen. Der ausgewählte Titel, "Die Zeiger der Uhr" von Walter Dobschinski und Hans Bradtke wurde im Rahmen der Quizshow "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kulenkampff präsentiert.

    Margot EskensMargot Eskens' Lied über das Verrinnen der Zeit schnitt erwartungsgemäß besser ab, als die Vorgänger, jedoch war mit sieben Zählern auch nur eine Mittelfeldplatzierung drin. Seit ihrem Karrierebeginn in den 50er Jahren verkaufte sie insgesamt über 40 Millionen Tonträger, heute lebt sie am Wörthersee.

    Eines meiner deutschen ESC-Lieblingslieder: Die Zeiger der Uhr

    Als zweite Starterin trat die dänische Sängerin Ulla Pia mit einer jazzigen Nummer namens "Stop, men legen er go" ("Stopp, solange du vorausgehst) an. Von den Stimmen der skandinavischen Juroren, die bereits in dieser Dekade fleißig hin- und hergeschoben wurden, konnte sie jedoch nicht profitieren und erreichte nur den 14. Rang. Für Dänemark sollte es für viele Jahre der letzte Auftritt sein, bis 1978 blieb man dem Wettbewerb aus unerfindlichen Gründen fern.

    Lill Lindfors & Svante ThuressonDass die skandinavischen Juroren sich aber untereinander bestens verstanden, bewiesen die Schweden. Fünfzehn ihrer sechzehn erhaltenen Punkte gab es von den Nachbarstaaten. Damit reichte es für Lill Lindfors (die in der späteren Eurovisionsgeschichte noch ihren großen Auftritt haben sollte) und Svante Thuresson für Rang zwei. Das Lied, nun ja, ebenfalls jazzig und mit einem sehr interessanten Text über eine Prinzessin und einen Schweinehirten: "Nygammal vals (eller hip man svinaherde)".

    Und auch der dritte Platz ging an ein skandinavisches Land: Åse Kleveland sang für Norwegen, dass es "Nichts Neues unter der Sonne" gab ("Inten er nytt under solen"). Mit Gitarre und Pyjama zog sie die Punkte an und erreichte das bis dato beste norwegische Ergebnis. Der Karriere hat es zusätzlich geholfen, sie wurde in den 80er Jahren Präsidentin der Vereinigung norwegischer Musiker und war von 1990-1996 Kulturministerin unter der Regierung von Gro Harlem Brundtland.

    Kostümtechnisch ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt des schottischen Sängers Kenneth McKellar für Großbritannien, bis heute der einzige Interpret, der sich mit Kilt und Felltasche auf die Bühne stellte und "A man without love" trällerte. Wie ein Blick auf die Statistiken zeigt, war dieser Auftritt der schlechteste der Briten in den ersten 20 Jahren der ESC-Geschichte, das Ergebnis: Rang 9 mit acht Punkten.

    Einen tragischen dritten und letzten Auftritt im Rund des RTL-Sendesaals absolvierte Domenico Modugno für Italien. Bereits bei den Proben für die Veranstaltung verließ er aufgrund des schlechten Arrangements des Orchesters die Bühne. Am Abend der Show setzte dieses "Dio, come ti amo" ebenfalls in den Sand, Modugno wurde punktelos Letzter, wenngleich man sich die rote Laterne mit Monacos Sängerin Tereza teilte. Dennoch: das Lied wurde wieder ein großer Erfolg, die Version von Gigliola Cinquetti wurde sogar in Südamerika ein Hit.

    Tonia für BelgienMit einem bisschen Pfeffer und einem bisschen Salz ("Un peu de poivre, un peu de sel") versuchte die Sängerin Tonia für Belgien zu punkten und schaffte es mit ihrem Gewürzlied auch tatsächlich bis auf Platz 4, klang es doch modern genug um die Juroren zu beeindrucken. Tonia blieb auch der deutschen Schlagerszene erhalten und versuchte sich 1973 mit dem Titel "Sebastian" auch am deutschen Vorentscheid. Dort wurde sie jedoch um einen Punkt von Gitte geschlagen.

    Millie ScottEinen kuriosen Akzent setzten die Niederlande bei ihrer Nominierung. Mit Millie Scott, deren Wurzeln im Surinam lagen, trat erstmals eine schwarze Sängerin beim Eurovision Song Contest an. Sie fegte mit einem portablen Mikrofon über die Bühne, auf der sie zwei Mexikaner, die besungenen "Fernando en Filippo" platziert hatte und mischte den sonst so zurückhaltenden Wettbewerb auf. Für heutige Verhältnisse mit zwei Punkten und einem Platz 15 deutlich unterbewertet.

    Während die Schweden, wie angesprochen, auf insgesamt 16 Zähler kamen, wovon mit Ausnahme eines Punktes aus der Schweiz, alle aus Skandinavien kamen, konnte sich der Beitrag aus Österreich mit 31 Punkten deutlich an der Tabellenspitze platzieren. Udo Jürgens, der nach zwei Anläufen am Klavier saß und sein gänsehauterzeugendes "Merci Chérie" darbot, erreichte den bis heute einzigen Triumph Österreichs in der Song Contest-Geschichte.

    Udo JürgensTrotz französischer Titelzeile ist der Song der erste deutschsprachige Titel, der den Eurovision Song Contest gewinnen konnte. Aus Deutschland gab es für Udo Jürgens jedoch keinen Punkt, die österreichischen Juroren ignorierten den Beitrag von Margot Eskens dafür ebenfalls. Udo Jürgens bedarf glaube ich keiner Vorstellung, Lieder wie "Mathilda", "Immer wieder geht die Sonne auf", "Griechischer Wein", "Aber bitte mit Sahne" oder "Mit 66 Jahren" sind allesamt Evergreens.

    Bis heute hat Jürgens, der eigentlich Udo Jürgen Bockelmann heißt, über 900 Lieder geschrieben, darunter auch den Titel "Buenos Dias Argentina" mit der deutschen Fußballnationalmannschaft 1978. Zudem ist er Träger diverser Auszeichnungen, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Klagenfurt und für seinen Abschlussauftritt im weißen Frotée-Bademantel berühmt. Seit 2007 wird zudem sein Musical "Ich war noch niemals in New York" aufgeführt.

    Udo Jürgens schaffte das, was nach ihm kein Teilnehmer des Eurovision Song Contest geschafft hat: er brachte den Wettbewerb nach Österreich und der ORF übernahm 1967 die Ausrichtung des nunmehr zwölften Wettbewerbs. Dem Endergebnis hinzuzufügen ist vielleicht noch, dass Länder wie Luxemburg, Frankreich und die Niederlande, die stets gut abgeschnitten haben, recht weit hinten im Ranking wiederzufinden sind, während erfolglosere Länder wie Schweden, Norwegen und Belgien im oberen Drittel zu finden sind.

    Udo Jürgens - Merci Chérie

    Die Teilnehmer:
    01. - 031 - Österreich - Udo Jürgens - Merci Chérie
    02. - 016 - Schweden - Lill Lindfors & Svante Thuresson - Nygammal vals
    03. - 015 - Norwegen - Åse Kleveland - Intet er nytt under solen
    04. - 014 - Belgien - Tonia - Un peu de poivre, un peu de sel
    04. - 014 - Irland - Dickie Rock -
    Come back and stay
    06. - 012 - Schweiz - Madeleine Pascal - Ne vois-tu pas?
    07. - 009 - Jugoslawien - Berta Ambroz -
    Brez besed
    07. - 009 - Spanien - Raphael - Yo soy acquél
    09. - 008 - Großbritannien - Kenneth McKellar -
    A man without love
    10. - 007 - Deutschland - Margot Eskens -
    Die Zeiger der Uhr
    10. - 007 - Luxemburg - Michèle Torr -
    Ce soir je t'attendais
    10. - 007 - Finnland - Ann-Christine Nyström - Playboy
    13. - 006 - Portugal - Madalena Iglésias - Ele e ela
    14. - 004 - Dänemark - Ulla Pia -
    Stop, mens legen er god
    15. - 002 - Niederlande - Millie Scott - Fernando en Phillipo
    16. - 001 - Frankreich - Dominique Walter - Chez nous
    17. - 000 - Monaco - Tereza - Bien plus fort
    17. - 000 - Italien - Domenico Modugno -
    Dio, come ti amo

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1967 in Wien

  • Memories: Eurovision Song Contest 1965

    Eurovision Song Contest 1965

    Sala di Concerto della RAI in NeapelDen ersten Schritt in die Moderne machte der Eurovision Song Contest im Jahr 1965. Am 20. März diesen Jahren trafen sich die Interpreten aus erstmals achtzehn Nationen zum Singen in der italienischen Metropole Neapel. Im ehrwürdigen Sala di Concerto della RAI fand der zehnte Contest statt.

    In diesem Jahr war es den Nationen nicht explizit vorgeschrieben, den Beitrag in der jeweiligen Landessprache zu singen, sämtliche Teilnehmerländer machten es dennoch, im Jahr darauf wurde wieder eine Sprachregel eingeführt. Lediglich der Schwede Ingvar Wixell sang seinen Titel "Annorstädes vals" in der englischen Version "Absent friend". Doch nicht der kurzzeitige Regelumbruch der EBU, sondern die Melodien machten einen zeitgemäßen Eindruck, der Siegersong von France Gall sei hier stellvertretend genannt.

    Moderatorin Renata MauroDurch den Abend führte Renata Mauro, die im Jahr 2009 leider verstarb. Im italienischen Fernsehen führte sie durch diverse Programme, moderierte u.a. die internationale Show "Jeux Sans Frontières" und spielte in einigen Filmen mit. Neben den 16 Teilnehmerländern vom Song Contest im Vorjahr konnte sie auch wieder einen Beitrag aus Schweden und erstmals einen Beitrag aus Irland ankündigen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte man noch nicht, dass Irland einmal die erfolgreichste ESC-Nation werden sollte.

    Der irische Interpret Butch Moore schnitt mit seiner todtraurigen Ballade "I'm walking the streets in the rain", allerdings schon ganz ordentlich ab. Mit Platz sechs zeigte sich, dass für das Vereinigte Königreich nun ernsthafte Konkurrenz aus dem englischsprachigen Bereich aufgetaucht war. Die Juroren beider Länder straften das jeweilige Nachbarland aber sogleich mit null Punkten ab.

    Kathy KirbyDas englischsprachige Duell konnte die britische Künstlerin Kathy Kirby allerdings für sich behaupten und belegte für das Königreich abermals den zweiten Rang. Die gebürtige Kathleen O'Rourke, die später aufgrund ihrer Optik mit Marilyn Monroe verglichen wurde wurde von der BBC intern ausgewählt und präsentierte sechs Titel in einem TV-Vorentscheid. Per Postkarte entschieden sich die Zuschauer für das Lied "I belong".

    Zuvor war sie mit "Secret love" oder "Let me go lover" auf der Insel erfolgreich. Obwohl ihr Eurovisionstitel hervorragend abschnitt, war es zugleich der letzte Titel von ihr, der es in die britischen Verkaufscharts schaffte. In den 80er Jahren gab sie ihren Rückzug aus dem Showgeschäft bekannt, seitdem lebt sie recht zurückgezogen.

    Ulla WiesnerWeit vom zweiten Platz entfernt war die deutsche Künstlerin Ulla Wiesner mit ihrem Lied "Paradies, wo bist du?". Dabei setzte sich die gebürtige Münchenerin beim Vorentscheid "Ein Lied für Neapel", der vom NDR ausgetragen wurde souverän gegen die fünf Konkurrenten, darunter erneut René Kollo, durch. Beim Eurovision Song Contest erbarmte sich nicht ein Land, der Bundesrepublik Punkte zu geben.

    Somit war die Karriere der Ulla Wiesner recht bald schon wieder beendet. Wie der deutschen Wikipedia zu entnehmen ist, war sie nach ihrem Ausflug nach Neapel als Chorsängerin tätig. Neben Wiesner landeten aber auch noch die Interpreten aus Finnland, Belgien und Spanien auf dem letzten, punktelosen, Platz.

    Für Spanien stand wieder Conchita Bautista auf der Bühne, die bereits das Debüt des iberischen Landes beim Eurovision Song Contest 1961 gab. Das schwungvolle Lied, dargeboten mit heftigen Armverrenkungen, schien aber europaweit niemanden zu beeindrucken, das Ergebnis von "Qué bueno, qué bueno" war am Ende des Abends absolut nicht bueno...

    Vice VukovWeitere Wiederholungstäter waren Udo Jürgens für Österreich, der sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze auf Rang vier verbesserte und mit "Sag ihr, ich lass sie grüßen" 22 Wochen in den deutschen Charts ausharrte. Seinen Triumph sollte er jedoch erst im darauffolgenden Jahr haben. Der zweite Rückkehrer war der Kroate Vice Vukov im Dienste Jugoslawiens, der sein Land 1963 in London repräsentiert hatte. In Neapel reichte es mit "Čežnja" nur für Rang 12.

    Simone de OliveiraAuch Kirsti Sparboe nahm erstmals für Norwegen am Wettbewerb teil, zwei weitere Anläufe sollten folgen. Ihr "Karusell" musste sich gemeinsam mit der Portugiesin Simone de Oliveira den 13. Platz mit einem Punkt teilen.

    Geringfügig besser lief es in diesem Jahr für die Niederländer. Conny van den Bos intonierte in dramatischer Art und Weise und mit furchteinflößenden Blicken á la Klaus Kinski den Titel "'t is genoeg" ("Es ist genug"). Wahrscheinlich über das Ergebnis dermaßen verbittert, ließ es sich Conny 33 Jahre später nicht nehmen bei der niederländischen Punktevergabe beim Song Contest 1998 in Birmingham auf ihren damaligen Auftritt hinzuweisen.

    Dies war insofern ein denkwürdiger Moment, weil die Moderatorin Ulrika Jonsson die Phrase, Conny würde wissen, wie sich die Interpreten in diesem Moment fühlen würden, mit der fiesen Bemerkung "I know you have taking part, (...) a long time ago..." quittierte, Connys Mundwinkel nach unten sanken und ein Raunen durch's Publikum ging. Leider starb sie bereits im Jahr 2002, kurz nachdem die Ärzte bei ihr Lungenkrebs diagnostizierten.

    Eurovision Song Contest 1965Die Gastgeber schickten den, sogenannten, italiensichen Elvis zum Gran Premio Eurovisione della Canzone. Bobby Solo, damals Schwarm vieler Mädels stieg Anfang der 60er zum Teenie-Idol auf, 1965 war er dann mit seinem späteren Eurovisionstitel "Se piangi, se ridi" beim San Remo-Festival siegreich. Beim Contest reichte es für den fünften Platz. Mit den deutschen Versionen seiner Lieder konnte sich Solo auch in der deutschen Hitparade platzieren.

    Der Sieg und das mit sechs Punkten Vorsprung ging aber zum zweiten Mal, nach 1961, an das Großherzogtum Luxemburg. Geschrieben wurde der Siegertitel "Poupée de cire, poupée de son" von Serge Gainsbourg, der einige Jahre später weltweit durch das Stöhnlied "Je t'aime...moi non plus" mit seiner Gemahling Jane Biskin für Aussehen sorgte. Eine Doppeldeutigkeit war im Eurovisionstitel aber nicht zu hören. Das Lied von der Ton- und der Wachspuppe entsprach dem modernen Zeitgeist und wurde als erster Siegertitel beim Song Contest ein richtiger, kommerzieller Erfolg.

    France GallDie 17jährige France Gall, die sich heute vom Eurovision Song Contest distanziert und nicht wirklich gern über dieses Thema spricht, hielt sich auch Jahre später mit Hits in ganz Europa im Musikbusiness. So erreichten Schlager wie "A banda (Zwei Apfelsinen im Haar)" oder "Ella, elle l'a" die deutsche Hitparade. Inzwischen lebt France Gall nach mehreren Aufenthalten in Westafrika aus dem Geschäft zurückgezogen in Paris.

    Dem Eurovision Song Contest tat ihr Sieg jedenfalls gut, der Wettbewerb wurde nunmehr von zeitgemäßen und weniger angestaubten Balladen heimgesucht. Auch die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich, der Contest 1965 wurde zudem erstmals auch im ehemaligen Ostblock ausgestrahlt und durch die u.a. in der Sowjetunion hinzugewonnenen Zuschauer verfolgten weltweit rund 150 Millionen Menschen die Show.

    France Gall - Poupée de cire, poupée de son

    Die Teilnehmer:
    01. - 032 - Luxemburg - France Gall - Poupée de cire, poupée de son
    02. - 026 - Großbritannien - Kathy Kirby -
    I belong
    03. - 022 - Frankreich - Guy Mardel - N'avoue jamais
    04. - 016 - Österreich - Udo Jürgens -
    Sag ihr, ich lass sie grüßen
    05. - 015 - Italien - Bobby Solo -
    Se piangi, se ridi
    06. - 011 - Irland - Butch Moore -
    I'm walking the streets in the rain
    07. - 010 - Dänemark - Birgit Brüel - For din skyld
    08. - 008 - Schweiz - Yovanna -
    Non, à jamais sans toi
    09. - 007 - Monaco - Marjorie Noel -
    Va dire à l'amour
    10. - 006 - Schweden - Ingvar Wixell -
    Absent friend
    11. - 005 - Niederlande - Conny van den Bos - 't is genoeg
    12. - 002 - Jugoslawien - Vice Vukov - Čežnja
    13. - 001 - Norwegen - Kirsti Sparboe - Karusell
    13. - 001 - Portugal - Simone de Oliveira -
    Sol de inverno
    15. - 000 - Spanien - Conchita Bautista -
    Qué bueno, qué bueno
    15. - 000 - Deutschland - Ulla Wiesner -
    Paradies, wo bist du?
    15. - 000 - Belgien - Lize Marke -
    Als het weer lente is
    15. - 000 - Finnland - Viktor Klimenko - Aurinko laskee länteen

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1966 in Luxemburg

  • Memories: Eurovision Song Contest 1964

    Eurovision Song Contest 1964

    Das die Anfänge des Eurovision Song Contest nicht ganz lückenfrei sind, haben wir unter anderem auch dem dänischen Fernsehen DR zu verdanken, dass für die Ausrichtung des Eurovision Song Contest 1964 zuständig war. Bis heute hält der Sender die Aufnahmen unter Verschluss. Einen offiziellen Grund dafür gibt es bis heute nicht, aus den Kreisen der EBU heißt es, man hätte die Aufzeichnungen verlegt.

    Tivoli KoncertsalNun mag auch der bislang einzige Störfall beim Eurovision Song Contest eine Rolle beim Verschwinden der Aufnahme spielen. Beim Wettbewerb 1964 gab Portugal, das damals durch die diktatorische Führung von António de Oliveira Salazar geprägt war, sein Debüt am Wettbewerb. Bekanntermaßen standen die skandinavischen Länder dieser Regierung kritisch gegenüber, letztlich führten Bemühungen der damals schon "unpolitischen" EBU zur Teilnahme des Landes.

    Ein großes Sicherheitsaufgebot mit zahlreichen Polizeikräften rund um den Austragungsort, den Konzertsaal des Tivolis, Kopenhagens Freizeitpark, sollte einen reibungslosen Ablauf der Show ermöglichen. Umso prikärer die Tatsache, dass während eines Bühnenumbaus vor dem belgischen Beitrag ein Mann auf die Bühne stürmte und sein Transparent in die Kamera hielt. Mit dem Ausruf "Nieder mit Franco. Nieder mit Salazar." drückte er gleichermaßen seinen Protest gegen die Oberhäupter auf der Iberischen Halbinsel aus.

    Moderatorin Lotte WæverKeine politischen Boykottgedanken sondern ein Künstlerstreik verhinderte, dass Schweden am Eurovision Song Contest 1964 in Kopenhagen teilnehmen konnte. Nachdem jener Streik Ende März, einen Tag vor dem Wettbewerb beigelegt werden konnte, entschloss sich das schwedische Fernsehen aber immerhin den Wettbewerb zu zeigen, im Folgejahr sollte das Land auch wieder dabei sein. Somit fand der Wettbewerb in Kopenhagen erneut mit sechzehn Nationen statt. Durch den Abend, der durch einen nahezu einheitlichen Musikstil geprägt war, führte Lotte Wæver.

    Lediglich die für die BR Deutschland startende Sängerin sorgte für etwas modernere Töne. Die in Bulgarien als Ahinora Kumanova geborene Sängerin Nora Nova wurde zuvor im Vorentscheid "Ein Lied für Kopenhagen" des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main aus einer Konkurrenz mit sechs Kandidaten gewählt. Ihr Titel "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" schien die Juroren allerdings keineswegs zu beeindrucken und die Bundesrepublik fuhr erstmals im Wettbewerb mit null Punkten nach Hause.

    Nora NovaNora Nova geriet bereits unmittelbar nach dem desaströsen Abschneiden in Vergessenheit, erst im Jahr 2007 lud sie das bulgarische Fernsehen BNT als Talkgast in die Vorentscheidungsshow ein. Immerhin: den letzten Platz teilte sich Nora Nova, wahrscheinlich auch aufgrund des wieder geänderten, aber immer noch nicht ausgeklügelten Punktesystems mit drei weiteren Leidensgenossen.

    Neben Sabahudin Kurt aus der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina und dem Portugiesen Antonio Calvario, der mit seinem "Oração" ("Gebet") nicht erhört wurde und wegweisend für die bis heute eher mäßige portugiesische Eurovisionsbilanz ist, landete auch die Schweizer Sängerin Anita Traversi auf dem letzten Rang.

    Die im Tessin geborene Sängerin ging bereits 1960 für die Schweiz an den Start und erzielte damals mit "Cielo e terra" den achten Platz. Zuvor startete sie ihre Karriere beim Radio-Orchester in der italienischen Schweiz und nahm an Musiksendungen wie "Musik ohne Grenzen" und "Musique auxh Champs Elysées" teil. Auch bei den Deutschen Schlagerfestspielen konnte sie mit "Ob in Bombay, ob in Rio" einen Erfolg erzielen und wurde Zweite. Nachdem das Interesse an ihren musikalischen Veröffentlichungen sank, zog sich Traversi zu Beginn der 70er Jahre aus dem Showgeschäft zurück, im Jahr 1991 starb sie in ihrer Heimat, dem Tessin.

    Mit einem Punkt an der roten Laterne vorbeigeschrammt waren hingegen die Spanier, die ganz die Regeln des Wettbewerbs nach ihren Vorstellungen auslegten. Zu jener Zeit waren Gruppen nicht erlaubt gewesen und nur Solisten oder Duos zulässig. Somit deklarierten die Spanier das eigentliche Trio Los TNT als Duo "Tim & Tony" und gaben deren Schwester Nelly als Backgroundsängerin an. Geholfen hat es allerdings auch nicht viel, der Titel "Caracola" erhielt nur einen Zähler aus Italien.

    Das Fürstentum Monaco holte sich wieder prominente Hilfe aus dem Ausland und schickte den französischen Sänger Romuald Figuier alias Romuald in die dänische Hauptstadt. Mit dem Chanson "Où sont-elles passées?" ("Wohin sind sie gegangen?") legte er den Grundstein für zwei weitere Teilnahmen am Song Contest in den Jahren 1966 und 1974. Sein erster Anlauf für Monaco blieb mit Platz drei jedoch sein erfolgreichster. Für Luxemburg ging Romuald 1968 beim Festival von Sopot an den Start und für seine Heimat Frankreich 1973 beim internationalen Musikfestival "Viña del Mar" in Chile.

    Ebenfalls dreimal am Wettbewerb nahm der österreichische Interpret teil. Der damals 30jährige Udo Jürgens stand damals noch am Beginn seiner Karriere. Sein Wettbewerbstitel "Warum nur, warum" schaffte beim Song Contest den sechsten Platz. In den deutschen Verkaufscharts konnte sich der Titel auf der #21 platzieren. Die englische Version "Walk away", gesungen von Matt Monro, verkaufte sich hingegen weltweit 1,5 Millionen Mal und belegte in Großbritannien sogar den vierten Platz der Charts.

    Mit der Lizenz zum Singen: Matt MonroStichwort Matt Monro: dieser stieg am gleichen Abend für das Vereinigte Königreich auf die Bühne. Als singender Busfahrer machte er sich zunächst in Clubs auf der Insel einen Namen. Mit dem Lied "From Russia with love", dem Titellied des James-Bond-Films "Liebesgrüße aus Moskau", der 1963 in die Kinos kam, erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere. Beim Grand Prix im Jahr darauf platzierte sich Monro, der bürgerlich Terrence Parsons hieß, auf dem zweiten Rang. 1985 verstarb Monro im Alter von 54 Jahren an Krebs.

    Geschlagen wurde Monro mit einem deutlichen Abstand von 32 Punkten von der erst 16jährigen Italienerin Gigliola Cinquetti. Ihre Darbietung ist die einzige die heute verfügbar ist. Unschuldig daherkommend und schlicht auf der Bühne stehend sang sie in ihrem Lied "Non ho l'età (per amarti)", dass sie zu jung sei um ihn zu lieben. Wie viel man in diesen Titel interpretiert bleibt dem Betrachter überlassen, wer die Top 50 mit Maren Kroymann in der Blue Box gesehen hat, weiß was ich meine.

    Gigliola CinquettiDie Juroren wählten den Titel, der zuvor auch das San Remo-Festival gewann, eindeutig zu ihrem Favoriten und kührten Cinquetti damit zur bis dato jüngsten Siegerin des Grand Prix. Bis zum Sieg von Sandra Kim 1986 sollte sie dies auch bleiben. "Non ho l'età" verkaufte sich europaweit hervorragend, es gab weitere Versionen in Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und sogar Japanisch. Beim Song Contest trat sie noch zweimal in Erscheinung, 1974 als Sängerin des Titels "" und 1991 als Moderatorin des Contests in Rom an der Seite von Toto Cutugno.

    Wie in der englischen Wikipedia nachzulesen ist, moderiert sie auch heute noch auf dem Sender RAI International. Das zehnjährige Jubiläum des Grand Prix Eurovision sollte im nächsten Jahr in Neapel stattfinden. Und von dieser Veranstaltung existieren sogar wieder Aufzeichnungen, Bilder und Tondokumente.

    Gigliola Cinquetti - Non ho l'età

    Die Teilnehmer:
    01. - 049 - Italien - Gigliola Cinquetti - Non ho l'età
    02. - 017 - Großbritannien - Matt Monro - I love the little things
    03. - 015 - Monaco - Romuald -
    Où sont-elles passées?
    04. - 014 - Luxemburg - Hugues Aufray - Dés que le printemps revient
    04. - 014 - Frankreich - Rachel - Le Chant de Mallory
    06. - 011 - Österreich - Udo Jürgens - Warum nur, warum
    07. - 009 - Finnland - Lasse Mårtenson - Laiskotellen
    08. - 006 - Norwegen - Arne Bendiksen - Spiral
    09. - 004 - Dänemark - Bjørn Tidmand - Sangen om dig
    10. - 002 - Niederlande - Anneke Grönloh - Jij bent min leven
    10. - 002 - Belgien - Robert Cogoi - Prés de ma Rivière
    12. - 001 - Spanien - Los TNT - Caracola
    13. - 000 - Deutschland - Nora Nova - Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne
    13. - 000 - Portugal - Antonio Calvario - Oração
    13. - 000 - Jugoslawien - Sabahudin Kurt - Zivot je sklopio krug
    13. - 000 - Schweiz - Anita Traversi - I miei pensieri

    Demnächst: Eurovision Song Contest 1965 in Neapel

  • Memories: Eurovision Song Contest 1963

    Eurovision Song Contest 1963

    Am Samstag den 23. März 1963 fand der achte Eurovision Song Contest im BBC Television Centre statt. Zugleich sollte es der umstrittenste Wettbewerb in seiner Geschichte werden. Mehrere Dinge über die Show scheinen bis heute, über 40 Jahre später, noch ungeklärt.

    Das Logo des Eurovision Song Contest 1963Obwohl das Vereinigte Königreich bis dato keinen Sieg beim Song Contest errungen hatte, trug die BBC bereits den zweiten Wettbewerb aus. Die Siegernation des Vorjahres Frankreich weigerte sich den Wettbewerb schon wieder auszurichten und somit vergab die EBU den Zuschlag an Großbritannien. Durch den Abend führte wieder Katie Boyle, die diese Aufgabe schon 1960 übernahm. Erneut nahmen die gleichen Nationen wie im Vorjahr teil.

    Strittig ist bis heute, wie der Abend genau ablief. Offenbar fand die Übertragung aus zwei verschiedenen Studios statt. Das Publikum und das Wertungstableu sollen angeblich aus Platzgründen in einem anderen Studio untergebracht worden sein, als die auftretenden Interpreten. Zudem verhärtet sich der Verdacht, dass Teile der Sendung bereits im Vorfeld aufgenommen wurden, da der Umbau der Bühne überraschend zügig bewältigt wurde und auch die Stimmen sollen als Playback eingespielt worden sein. Anders kann man sich nicht erklären, warum während der ganzen Sendung kein einziges Mikrofon sehen kann. Die EBU und die BBC bestreiten dies bis heute vehement, es soll versteckte Mikrofone und Tonangeln gegeben haben. Belegen kann man das natürlich nicht.

    Den skandalumwitterten Abend eröffnete der Brite Ronnie Carroll, der auch im Vorjahr schon für Großbritannien an den Start ging. Wie auch schon 1962 errang er für die Insel einen vierten Platz. Erste Zweifel am Livegesang kamen bereits hier auf, da der Backgroundchor zu "Say wonderful things" augenscheinlich vom Band kam.

    An Startposition drei trat die BR Deutschland mit Heidi Brühl an. Diese hatte sich zuvor bereits 1960 mit "Wir wollen niemals auseinandergehn" erfolglos um die Teilnahme beworben. Um ihr eine weitere Pleite im Vorentscheid zu ersparen buchte der verantwortliche Hessische Rundfunk Heidi Brühl exklusiv und ließ sie im HR-Sendesaal von Frankfurt fünf Lieder singen. Entscheiden durften die Zuschauer per Postkarte. Das Mädchen vom Immenhof, durch den sich Brühl zu jener Zeit einer frenetischen Beliebtheit erfreute, fuhr mit dem Schlager "Marcel" nach London, wo sie allerdings nur den neunten Rang erreichte. Im Sinne von Hans-Otto Grünefeldt dürfte das nicht gewesen sein.

    Nach ihrem mäßigen Abschneiden in London ging Heidi Brühl nach Rom und heiratete wenig später den amerikanischen Schauspieler Brett Halsey. 1970 ging sie in die USA und trat dort u.a. in Las Vegas auf. Mitte der 70er folgte die Neuauflage der Immenhof-Filme, in den 80ern feierte sie nochmals ein musikalisches Comeback. 1991 starb sie in Starnberg an einem Krebsleiden, beigesetzt wurde sie auf dem Münchener Waldfriedhof.

    Carmela Corren wurde in Israel geborenZwei Plätze vor Heidi Brühl landete die, in Israel geborene, Sängerin Carmela Corren. Sie nahm im Jahr zuvor mit "Eine Rose aus Santa Monica" an den Deutschen Schlagerfestspielen und somit am deutschen Song Contest-Vorentscheid teil. Das Lied wurde ihr größter Erfolg. 1963 ging sie nun für den Österreichischen Rundfunk mit "Vielleicht geschieht ein Wunder" an den Start. Laut deutscher Wikipedia lebt Carmela Corren heute aus dem Musikgeschäft zurückgezogen in Florida.

    Nachdem 1962 vier Nationen aufgrund des neuen Wertungssystems ohne einen einzigen Punkt nach Hause fuhren, ergänzte die EBU das Wertungssystem um 5 und 4 Punkte. Jedes Land konnte nun seine Top 5 bewerten. Dem Ergebnis an sich hat es jedoch nichts gebracht, wieder fuhren vier Kandidaten, Annie Palmen aus den Niederlanden, Laila Halme aus Finnland, Monica Zetterlund aus Schweden und Anita Thallaug aus Norwegen, ohne Punkte heim.

    Monica Zetterlund aus Schweden fuhr mit null Punkten heimDer norwegische Beitrag "Solhverv" sollte ursprünglich von Nora Brockstedt gesungen werden, da sie beim Vorentscheid die Nase vorn hatte. Gerüchten zufolge soll sie nicht aus Zeitmangel sondern aus Angst vor einem schlechten Abschneiden in London abgesagt haben. Somit wurde die Drittplatzierte Anita Thallaug nominiert. Aufgrund der Nullnummer beim Song Contest nahm sie den Titel nie als Single auf.

    Für Jugoslawien trat der kroatische Sänger Vice Vukov an. Auch er nahm bereits im Jahr zuvor am jugoslawischen Vorentscheid teil. Mit "Brodovi" erreichte er in London den elften Platz. 1965 sollte er noch einmal mit "Čežnja" zurückkommen und den zwölften Platz erreichen. Da er Mitglied einer Bewegung war, die sich für Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawiens einsetzte, erhielt Vukov von Tito zwischen den 70er Jahren und 1989 ein Auftrittsverbot auferlegt. Nach der Unabhängigkeit Kroatiens wurde er kroatische Parlamentsmitglied. Er starb im September 2008 an den Folgen einer Kopfverletzung die er sich durch einen Sturz im Parlament zuzog.

    Nana Mouskouri trat für Luxemburg anStark vertreten waren in diesem Jahr die französischsprachigen Nationen. Luxemburg schickte die erste Brillenträgerin zum Wettbewerb, die zu den erfolgreichsten Teilnehmern überhaupt werden sollte. Nana Mouskouri wurde 1934 auf Kreta geboren und wurde spätestens durch "Weiße Rosen aus Athen" in Deutschland erfolgreich. Zuvor hatte sie bereits ein griechisches Musikfestival gewonnen, trat mit Stars wie Mikis Theodorakis auf und veröffentlichte bis heute über 250 Millionen Tonträger.

    Mit "A force de prier" ("Die Kraft des Gebets") konnte sie für Luxemburg damals jedoch nicht mehr als eine Platzierung im Mittelfeld herausholen. Ihre Ballade erreichte lediglich den zehnten Platz. Nana Mouskouri war zwischen 1994 und 1999 auch als griechische Europaabgeordnete tätig und trat zuletzt 2006 beim Eurovision Song Contest auf, als sie das Voting des Finales in Athen eröffnete.

    Francoise Hardy war in den 60ern und 70ern ein gefragter Star. Heute lebt sie in Paris.Auch Monaco kaufte sich im Ausland ein, das Fürstentum ging mit Françoise Hardy an den Start. Diese hatte im Jahr zuvor mit "Tous les garçons et les filles" einen Erfolg in Frankreich gelandet. Ihren Wettbewerbstitel "L'amour s'en va" hatte sie selbst geschrieben. Ihre frühen Karrierejahre versucht die Sängerin heutzutage jedoch aus ihren Memoiren zu verdrängen. In einem Interview bekräftigte Hardy, dass 1963 live gesungen wurde. Das hätte man daran erkannt, dass sie an dem Abend "sehr schlecht gesungen" hat. Trotzdem reichte es für den fünften Rang, den sie sich mit ihrem Landsmann Alain Barrière teilte.

    Françoise Hardy - L'amour sen va

    Esther OfarimEine weitere israelische Sängerin trat für die Schweiz an. Esther Ofarim, die 1961 ihren Filmpartner Abraham Reichstadt heiratete, gewann den Schweizer Vorentscheid mit ihrem "T'en vas pas" ("Geh nicht") und fuhr als Favoritin nach London. Internationale Berühmtheit erreichten beide als Duo Esther & Abi Ofarim. Doch zurück zum Song Contest und seinem Wertungsskandal...

    Esther Ofarim - T'en vas pas

    Die Wertung verlief bis zur norwegischen Punktevergabe reibungslos. Katie Boyle rief die Jury in Oslo auf, die begann ihre Punkte vorzulesen, jedoch nicht die richtigen Ziffern der Beiträge verlas. Katie Boyle bat den Juroren noch einmal von vorne zu beginnen. Man hörte das Rascheln von Wertungsbögen, bis sich der Jurysprecher entschuldigte und um "Bedenkzeit" bat. Katie Boyle gewährte ihm diese und hing die norwegische Wertung ans Ende der Punktevergabe.

    Nachdem Luxemburg als letztes reguläres Land seine Punkte vergab führte Esther Ofarim aus der Schweiz mit 39 Punkten vor dem Ehepaar Ingmann aus Dänemark, die 38 Punkte hatten, der Italiener Emilio Pericoli lag auf dem dritten Rang mit 34 Punkten. Bei ihrem zweiten Aufruf gab die norwegische Jury eine vollkommen andere Wertung als im ersten Anlauf ab, der Nachbar aus Dänemark erhielt plötzlich vier statt zuvor zwei Zähler, die Schweiz nur einen Punkt, zuvor waren es noch drei. Italien erhielt ursprünglich fünf, später nur drei Punkte. Somit gewann Dänemark mit zwei Punkten Vorsprung den Wettbewerb 1963.

    Die Schweiz fühlte sich um ihren Sieg betrogen, jahrelang gab es die wildesten Spekulationen um die skurrile Punktevergabe, so soll der Punktesprecher als einziger Juror noch anwesend gewesen sein und nur seine eigene Wertung vorgelesen haben. Die EBU argumentierte offiziell, dass man Norwegen versehentlich nicht mitteilte, dass die Anzahl der Juroren reduziert worden war.

    Erst in den 90er Jahren gelang es dem norwegischen Fanclub, die Wertungsbögen von damals wiederzubeschaffen. Die Auszählung ergab, dass Dänemark der rechtmäßige Sieger war. Weshalb zuvor eine andere Wertung durchgegeben wurde ist bis heute nicht geklärt.

    Die Sieger aus DänemarkHinter dem Siegerpärchen verbargen sich das Ehepaar Grethe und Jørgen Ingmann mit ihrem Lied "Dansevise" ("Tanzwiese"). Das Duo setzte sich beim dänischen Vorentscheid u.a. gegen Gitte Hænning, Dario Campeotto und Birthe Wilke durch. Grethe Ingmann im gleichen Jahr das Lied "Der King von Soho" bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden. Die Ehe hielt bis 1975. Sie starb in den 90er Jahren an Krebs, er war später Komponist tätig, u.a. war sein "Echo Boogie" jahrelang Erkennungsmelodie der "Aktuellen Schaubude" im NDR.

    Grethe & Jørgen Ingmann - Dansevise

    Der Eurovision Song Contest 1964 sollte also erstmals in einem skandinavischen Land ausgetragen werden. Doch auch hier lief nicht alles glatt über die Bühne...

    Die Teilnehmer:
    01. - 042 - Dänemark - Grethe & Jørgen Ingmann - Dansevise
    02. - 040 - Schweiz - Esther Ofarim -
    T'en vas pas
    03. - 037 - Italien - Emilio Pericoli - Uno per tutte
    04. - 028 - Großbritannien - Ronnie Carroll - Say wonderful things
    05. - 025 - Frankreich - Alain Barrière - Elle etait si jolie
    05. - 025 - Monaco - Françoise Hardy - L'amour s'en va
    07. - 016 - Österreich - Carmela Corren - Vielleicht geschieht ein Wunder
    08. - 013 - Luxemburg - Nana Mouskouri - A force de prier
    09. - 005 - Deutschland - Heidi Brühl - Marcel
    10. - 004 - Belgien - Jacques Raymond - Waarom
    11. - 003 - Jugoslawien - Vice Vukov - Brodovi
    12. - 002 - Spanien - José Guardiola - Algo prodigioso
    13. - 000 - Niederlande - Annie Palmen - Een speeldoos
    13. - 000 - Norwegen - Anita Thallaug - Solvherv
    13. - 000 - Finnland - Laila Halme - Muistejeni laulu
    13. - 000 - Schweden - Monica Zetterlund - En gång i Stockholm

    Demnächst: Eurovision Song Contest 1964 in Kopenhagen

  • Memories: Eurovision Song Contest 1962

    Eurovision Song Contest 1962

    Villa Louvigny in LuxemburgZum ersten Mal in seiner Geschichte fand der Eurovision Song Contest 1962 im Großherzogtum Luxemburg statt. Und zum ersten Mal in seiner Geschichte nahmen die gleichen Nationen wie im Vorjahr teil, Veränderungen gab es zumindest bei den Teilnehmerländern keine.

    Dafür aber im Wertungsreglement. Nachdem sich die BR Deutschland darüber empörte, dass immer nur die Niederlande und Frankreich gewinnen würden, führte die EBU ein neues Punktesystem ein. Jede Länderjury bestand weiterhin aus zehn Mitgliedern, jedoch wählte jede Jury nur noch ihre drei Favoriten. Somit konnte jedes Land maximal fünf Zähler vergeben. Aufgrund dieser Regeländerung fuhren gleich vier Länder ohne einen einzigen Punkt nach Hause.

    Mireille DelannoyAber der Reihe nach... der "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne 1962" fand in der Villa Louvigny in Luxemburg statt, das 64 Jahre lang sitz der RTL Group war und mittlerweile als Sitz des Luxemburgischen Gesundheitsministeriums dient. Moderiert wurde der Abend von Mireille Delannoy, die mit ihrem geographischen Fauxpas das Publikum wieder wach machte, indem sie die dänische Jury mit den Worten "Good evening Stockholm" aufrief.

    Aufwecken war das Stichwort des Abends, denn trotz neuer Wertungsregel lag Frankreich von Anfang bis zum Ende klar vorne und die Abstimmung erwies sich dadurch als schleppend und langweilig. Die Sängerin Isabelle Aubret, eigentlich Thérèse Coquerelle, wurde beim französischen Vorentscheid 1961 nur Dritte, konnte mit "Un premier amour" aber 1962 gewinnen. Das Siegerlied erhielt doppelt so viele Punkte wie der Zweitplatzierte aus Monaco, kommerziell wurde das Lied jedoch nicht über die französische Sprachgemeinschaft hinaus erfolgreich.

    Marion Rung für FinnlandEröffnet wurde der Wettbewerb 1962 von der jungen Finnin Marion Rung. Seit der Veröffentlichung ihrer ersten Single "Brigitte Bardot" 1961 zählte sie zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Finnlands. Sie gewann den Vorentscheid gegen Vieno Kekkonen und durfte in Luxemburg ihren Song "Tipi-Tii" singen. Der siebte Platz den sie mit ihrem fröhlichen Lied einfuhr, sollte bis zu ihrem zweiten Anlauf im Jahr 1973 der erfolgreichste finnische Beitrag bleiben.

    Marion Rung - Tipi-Tii

    Auch in diesem Jahr gab es wieder einige Altbekannte. Für das Gastgeberland war Camillo Felgen am Start, der nach seiner Pleite mit einem Titel auf Lëtzebuergisch diesmal auf Französisch sang und auch mit dem dritten Platz belohnt wurde. Der Interpret für Monaco, François Deguelt, nahm ähnlich wie Camillo Felgen 1960 am Eurovision Song Contest teil. Er konnte sein damaliges Ergebnis sogar noch um einen Platz verbessern und erreichte mit "Dis rien" erstmals den zweiten Platz für das Fürstentum am Mittelmeer.

    Die Schweiz schickte ebenfalls ein bekanntes Gesicht nach Luxemburg. Jean Philippe trat 1959 mit dem Titel "Oui, oui, oui, oui" für Frankreich an und konnte den dritten Platz belegen. Sein Gastspiel für die Schweiz blieb hingegen weniger erfolgreich. Bei seiner Rückkehr zum Wettbewerb mit dem entsprechenden Titel "Le retour" wurde nur mit zwei Punkten und einem geteilten zehnten Platz mit Dänemark und Norwegen honoriert.

    Immer wenn das wallonische Fernsehen für Belgien den Beitrag aussuchte, wurde Fud Leclerc Vertreter des Landes beim Contest. So auch in diesem Jahr, sein Song "Ton nom" ("Dein Name") war sein vierter im Wettbewerb und zugleich der erste, der keinen einzigen Punkt von den europäischen Wertungsrichtern erhielt. Fud Leclerc verabschiedete sich unrühmlich vom Wettbewerb, das wallonische Fernsehen wählte ab 1964 jeweils andere Interpreten aus.

    Ebenfalls punktelos endete der Abend für die Österreicherin Eleonore Schwarz, die in ihrem Lied "Nur in der Wiener Luft" über Johann Strauß, den Stephansdom, Backhendln und Sachertorte philosophierte. Das Lied floppte zugleich auch im eigenen Land. In den Folgejahren trat sie als Opernsängerin an der Wiener Volksoper auf. Die erfolgreichste Phase Österreichs im Wettbewerb sollte erst zwei Jahre später beginnen.

    De Spelbrekers mit ''Katinka'' für die NiederlandeDie Niederlande schnitten mit ihren Spelbrekers und einem Lied über zwei glimmende Zigaretten in der Dunkelheit genauso punktelos ab, wie der spanische Sänger Victor Balaguer mit seinem Titel "Llamame", der gemeinsam mit dem italienischen Sänger Claudio Villa um die Wette jaulte. Im Gegensatz zum Spanier erhielt der Sieger des San Remo-Festivals 1962 mit seinem Titel "Addio addio" immerhin drei Punkte und damit den neunten Rang.

    Claudio Villa - Addio addio

    Conny FroboessDeutschland wählte seinen Beitrag für Luxemburg durch die neugeborenen "Deutschen Schlagerfestspiele", ein durch das italienische San Remo-Festival inspiriertes Format, mit mehreren Vorrunden. Für den Vorentscheid war der SWR verantwortlich. In vier Vorrunden sangen 24 Interpreten um zwölf Finalplätze. Im Finale waren dann namhafte Künstler jener Zeit, wie Jimmy Makulis, der zuvor für Österreich an den Start ging, Siw Malmkvist, Carmela Corren, Margot Eskens oder Wyn Hoop im Duett mit Pirko Manola am Start.

    Den Sieg trug Conny Froboess mit ihrem Gassenhauer "Zwei kleine Italiener", dem ersten Gastarbeiterlied nach dem Zweiten Weltkrieg, davon. Im Text ging es um eben angesprochene Italiener die jeden Abend dem D-Zug nach Napoli hinterherschauen und am liebsten wieder bei ihren Freundinnen Tina und Marina sein würden. Der Titel stand darüber hinaus sechs Wochen an der Spitze der Verkaufscharts.

    Beim Vorentscheid lieferte sie sich zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Siw Malmkvist, die möglicherweise nur durch die Flutkatastrophe in Norddeutschland den Sieg verpasste. Die forderte am 17. und 18. Februar 1962 über 300 Menschenleben. Der NDR und Radio Bremen entsandten aufgrund der Überschwemmungen in ihren Sendegebieten keine Juroren zu den Schlagerfestspielen nach Baden-Baden. Gerüchten zufolge hätten diese Juroren für Siw Malmkvists Lied "Die Wege der Liebe" gestimmt.

    Conny Froboess - Zwei kleine Italiener

    Conny Froboess schaffte in Luxemburg trotz des Erfolges in der Bundesrepublik nur den enttäuschenden sechsten Platz, was zur Folge hatte, dass viele etablierte Künstler der deutschen Musiklandschaft um ihre Karriere fürchteten, sollten sie am Wettbewerb teilnehmen. Punkte aus Italien für Conny gab es übrigens auch keine.

    Isabelle Aubret, Siegerin für FrankreichEinen Punkt mehr erhielt der britische Sänger Ronnie Carroll, der zum damaligen Zeitpunkt zu den größten Entertainern im britischen Unterhaltungsbusiness zählte. Er teilte sich den vierten Rang gemeinsam mit der jugoslawischen Sängerin Lola Novaković.

    Unterbrochen wurde der Wettbewerb nach dem Auftritt von Isabelle Aubret für Frankreich von einem länger anhaltendem Stromausfall der auch für Bildstörungen sorgte. Der Saal, der mit funkelnden Sternen dekoriert war, verdunkelte sich mehrmals und brachte Unruhe in den Wettbewerb. Nach dieser Panne ging es jedoch planmäßig im Wettbewerb weiter.

    Isabelle Aubret bei der SiegerehrungAuch wenn die erste Jury aus Finnland der Französin noch keine Punkte gab, eroberte Isabelle Aubret recht schnell die Spitze des Scoreboards und deklassierte die übrigen Teilnehmer. Die Änderung der Wertungsregeln hatten insofern nichts gebracht, Frankreich siegte zum dritten Mal in fünf Jahren. Der Sender RTF weigerte sich schließlich jedoch den Wettbewerb schon wieder auszurichten. Somit übernahm Großbritannien wieder das Zepter der Organisation für den Contest im Jahr 1963.

    Die Teilnehmer:
    01. - 026 - Frankreich - Isabelle Aubret - Un premier amour
    02. - 013 - Monaco - François Deguelt - Dis rien

    03. - 011 - Luxemburg - Camillo Felgen - Petit bonhomme

    04. - 010 - Jugoslawien - Lola Novaković - Ne pali svetla u sumrak
    04. - 010 - Großbritannien - Ronnie Carroll -
    Ring-a-ding girl
    06. - 009 - Deutschland - Conny Froboess - Zwei kleine Italiener

    07. - 004 - Finnland - Marion Rung - Tipi-Tii
    07. - 004 - Schweden - Inger Berggren - Sol och vår
    09. - 003 - Italien - Claudio Villa - Addio addio
    10. - 002 - Dänemark - Ellen Winther - Vuggevise
    10. - 002 - Norwegen - Inger Jacobsen - Kom sol, kom regn
    10. - 002 - Schweiz - Jean Philippe -
    Le retour
    13. - 000 - Belgien - Fud Leclerc - 
    Ton nom
    13. - 000 - Spanien - Victor Balaguer - Llamame
    13. - 000 - Österreich - Eleonore Schwarz - Nur in der Wiener Luft
    13. - 000 - Niederlande - De Spelbrekers - 
    Katinka 

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1963 in London

  • Memories: Eurovision Song Contest 1961

    Eurovision Song Contest 1961

    Das Palais des Festivals in Cannes an der Côte d'Azur durfte den Eurovision Song Contest, der nunmehr zum sechsten Mal stattfand, ausrichten. Gastgebende Rundfunkanstalt war nach 1959 erneut das französische Fernsehen RTF. Erstmals fand der Wettbewerb an einem Samstag statt, zwei Jahre später sollte dies zu einer festen Regel werden.

    Vieles hatte sich gegenüber dem Wettbewerb von 1959, als der Contest erstmals in Frankreich stattfand nicht geändert, durch den Abend führte erneut Jacqueline Joubert, nur auf die Drehbühnen verzichtete man diesmal. Ansonsten blieb vieles gleich, für das musikalische Arrangement war Franck Pourcel verantwortlich und sogar die Wertungstafel erinnerte an die von 1959.

    Jedoch gab es Zuwachs in der Eurovisionsfamilie: Finnland, Spanien und Jugoslawien gaben ihr Debüt, die Teilnehmerzahl erhöhte sich dadurch auf sechzehn. Alle Teilnehmer stellten sich zunächst auf einer eleganten Showtreppe, die inmitten von vielen dekorativen Sträuchern und Blumen stand, vor und sangen anschließend mehr oder minder langatmige Lieder.

    Conchita Bautista für SpanienDen Beginn machte Conchita Bautista aus Spanien mit einem flamencogetränkten Beitrag. Sie wirbelte in ihrem Kleid über die Bühne, wie noch kein Interpret zuvor. Für sie reichte es am Ende des Abends für einen neunten Platz. Einen Rang besser als die Spanierin schnitt die jugoslawische Sängerin Ljiljana Petrović aus der Teilrepublik Slowenien ab. Mit ihrem "Neka davne zvezde" ("Einige uralte Sterne") erreichte den achten Platz.

    Der dritte Debütant Finnland schaffte es mit Laila Kinnunen auf den zehnten Platz. Mit Finnland verbindete man seither die chronische Erfolgslosigkeit beim Eurovision Song Contest, erst 2006 sollte das skandinavische Land mittels Schockbeitrag von Lordi den Contest in den hohen Norden holen.

    Bemerkenswerterweise schien es 1961 im Trend zu liegen, Lieder über Monate und Jahreszeiten zu singen. Gleich vier Nationen beschäftigten sich mit dieser Thematik. Unter anderem das Gastgeberland Frankreich, für das Jean-Paul Mauric den Frühling besang ("Printemps (Avril Carillonne)") und es damit auf den vierten Rang schaffte.

    Lill Babs ersetzte Siw Malmkvist, die ursprünglich den schwedischen Vorentscheid gewonnen hatteWeniger erfolgreich lief es für Schweden, die es mit "April April" nur auf den vierzehnten Platz schafften. Dabei rückte die Sängerin Barbro Svensson alias Lill Babs nur nach, weil Siw Malmkvist, die den schwedischen Vorentscheid ursprünglich mit dem Lied gewann disqualifiziert wurde, hauptsächlich wohl aus dem Grund, weil sie während der Darbietung von "April April" nicht mit dem Lachen aufhören konnte und den Text vergaß. In einem späteren Interview gegenüber einer deutschen ESC-Dokumentation freute sie sich hingegen darüber, dass sie im Gegensatz zu Lill Babs pfeifen konnte.

    Norwegen setzte ebenfalls auf Jahreszeiten, "Sommer i palma" war der zweite und zugleich letzte Beitrag von Nora Brockstedt beim Eurovision Song Contest. Sie wurde 1960 in London Vierte, in Cannes erreichte sie nochmals einen siebten Platz.

    Am unteren Ende der Tabelle teilten sich Österreich und Belgien mit je einem Punkt den letzten Platz. Für Österreich startete der gebürtige Athener Jimmy Makulis. Er war der erste Grieche im Wettbewerb, sein Heimatland sollte erst 1974 debütieren. Makulis wurde Ende der 50er Jahre mit "Auf Cuba sind die Mädchen braun" und später mit "Gitarren klingen leise durch die Nacht", einem Cover des DDR-Musikers Günter Geißler, im deutschsprachigen Raum bekannt. 1990 versuchte er sich nochmals an der griechischen Vorentscheidung, 2007 starb er nach einer Herz-Operation in einem Athener Krankenhaus.

    Den letzten Platz teilte er sich mit dem belgischen Sänger Bob Benny, der auch schon beim ersten Mal für den flämischen Teil des Landes in Cannes dabei war. Sein mit Bongos verstärktes Lied "Septembre, gouden roos" ("Goldene Septemberrose") fand unter den Juroren auch keine Anhänger.

    Betty Curtis nahm insgesamt sechs Mal am San Remo-Festival in Italien teilNachdem sie das San Remo-Festival 1961 gewinnen konnte, durfte Betty Curtis im gleichen Jahr mit ihrem Lied "Al di là" ("Drüben") für Italien beim Song Contest antreten. Sie gehörte in den 60er Jahren zu den größten Namen der italienischen Musiklandschaft, unvergessen bleiben Lieder wie "Nessuno" oder "È più forte di me". Beim Song Contest wurde sie Fünfte. Auch Betty Curtis ist bereits verstorben, im Alter von 70 Jahren starb sie 2006 im lombardischen Lecco.

    Lale AndersenDie bekannteste Interpretin des Abends trat hingegen für die BR Deutschland an. In der Schlagerparade mit Moderator Heinz Schenk aus dem Kurhaus in Bad Homburg traten zunächst 13 Interpreten an. "Anspruchsvolle Chansons" wurden von Hans-Otto Grünefeldt gefordert, der sich erstmals für den Vorentscheid verantwortlich zeigte.

    Auf einen der hinteren Plätze verwies die Siegerin Lale Andersen, die sich mit Rollkragenpullover und Handtasche alles andere als showgerecht präsentierte, u.a. das aufstrebende Jungtalent Dieter Thomas Heck, der ab den 70er Jahren mit der ZDF-Hitparade dauerpräsent war. Mit "Was tut man nicht alles aus Liebe" hatte er beim Vorentscheid jedoch keine Chance.

    Lale Andersen war zum Zeitpunkt ihrer Teilnahme am Grand Prix bereits 56 Jahre alt und bis heute die älteste Solistin im Wettbewerb. Weltbekannt wurde die, in Bremerhaven geborene, Sängerin durch ihr Soldatenlied "Lili Marleen", welches zum ersten Millionenseller in Deutschland wurde.

    Lale Andersen - Einmal sehen wir uns wieder

    Ihren Titel "Einmal sehen wir uns wieder" im Stil ihrer Seefahrtslieder wurde vorrangig im Sprechgesang aufgeführt. Trotz ihres großen Namens war das Ergebnis eine herbe Enttäuschung. Platz 13 mit drei Zählern war das schlechste Ergebnis der Bundesrepublik bis dato. Mit einer Zeile auf Französisch bot sie aber immerhin das erste mehrsprachige Lied in der Contest-Historie.

    Jean-Claude PascalNicht nur der deutsche Beitrag erhielt eine frankophone Note, auch der Siegerbeitrag aus Luxemburg wart auf Französisch gesungen. Jean-Claude Pascal, arbeitete zunächst beim Modezar Christian Dior, wodurch er später zum Film kam. Er stand 1959 u.a. mit Romy Schneider vor der Kamera. In den 60ern legte er mit seinem Sieg beim Song Contest mit der Ballade "Nous les amoureux" ("Wir, die Verliebten") den Grundstein für seine musikalische Karriere.

    1981 sollte er noch einmal für das Großherzogtum, das den ersten von vier Siegen bis heute errang, antreten. Wie viele der Teilnehmer Luxemburgs wurde er vom luxemburgischen Fernsehen aus Frankreich eingekauft. Jean-Claude Pascal starb 1992 in Paris.

    The Allisons wurden wie viele Briten auch, Zweite beim Song ContestJean-Claude Pascal lieferte sich während der Punktevergabe zwischenzeitlich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem britischen Duo The Allisons, die entgegen ihres Namens keine Bruder waren. Ihr Lied "Are you sure?" entwickelte sich ebenfalls zu einem Verkaufserfolg in Westeuropa.

    Jean-Claude Pascal - Nous les amoureux

    Gemessen an den Einschaltquoten war der Eurovision Song Contest 1961 der bis dahin erfolgreichste Wettbewerb. Die französische Sprache dominierte weiterhin den Wettbewerb und der Contest 1962 sollte erstmals in Luxemburg stattfinden.

    Die Teilnehmer:
    01. - 031 - Luxemburg - Jean-Claude Pascal - Nous les amoureux
    02. - 024 - Großbritannien - The Allisons -
    Are you sure?
    03. - 016 - Schweiz - Franca di Rienzo -
    Nous aurons demain
    04. - 013 - Frankreich - Jean-Paul Mauric -
    Printemps (Avril carillonne)
    05. - 012 - Dänemark - Dario Campeotto - Angelique
    05. - 012 - Italien - Betty Curtis - Al di là 
    07. - 010 - Norwegen - Nora Brockstedt - Sommer i palma
    08. - 009 - Jugoslawien - Ljiljana Petrović - Neka davne zvezde
    09. - 008 - Spanien - Conchita Bautista - Estando contigo
    10. - 006 - Monaco - Colette Deréal -
    Allons, allons les enfants
    10. - 006 - Finnland - Laila Kinnunen - Valoa Ikkunassa
    10. - 006 - Niederlande - Greetje Kauffeld - Wat een dag 
    13. - 003 - Deutschland - Lale Andersen - Einmal sehen wir uns wieder

    14. - 002 - Schweden - Lill Babs - April, April
    15. - 001 - Österreich - Jimmy Makulis - Sehnsucht
    15. - 001 - Belgien - Bob Benny - Septembre, gouden roos

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1962 in Luxemburg

  • Memories: Eurovision Song Contest 1960

    Eurovision Song Contest 1960

    1960 kam man noch ohne das Logo mit dem Herz ausNachdem das niederländische Fernsehen sich weigerte den Eurovision Song Contest, aufgrund der mit ihm verbundenen Kosten, nach so kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal auszurichten, sprang das Vereinigte Königreich ein. Somit fand der Eurovision Song Contest 1960 am 29. März in der Royal Festival Hall am Südufer der Themse in London statt. Moderiert wurde der Abend von Katie Boyle, die an diesem Abend wahrscheinlich auch noch nicht ahnte, dass sie ihn noch drei weitere Male moderieren sollte.

    Durch die Rückkehr Luxemburgs und dem Debüt von Norwegen gab es einen neuen Teilnehmerrekord, dreizehn Nationen schickten ihre Interpreten zum Song Contest. Und zum letzten Mal in seiner Geschichte fand das Finale des Wettbewerbs mitten in der Woche, nämlich an einem Dienstag statt.

    Das Opening des Wettbewerbs 1960

    Wyn Hoop (rechts) und die Zweitplatzierte Heidi BrühlAnfang Februar wurde zuvor der deutsche Beitrag für London in der "Schlagerparade" aus der Rhein-Main-Halle in Wiesbaden mit Hilde Nocker und Werner Fullerer ausgewählt. Zehn Teilnehmer stellten sich dem Vorentscheid, den Sieg trug Wyn Hoop mit "Bonne nuit, ma cherie" davon. Umso erstaunlicher, weil in der Konkurrenz durchaus namhafte Künstler dabei waren, unter anderem Rex Gildo im Duett mit Angèle Durand ("Abitur der Liebe") und natürlich die spätere Zweitplatzierte Heidi Brühl, die deutschlandweit durch ihre Immenhof-Filmen bekannt wurde. Ihr Lied "Wir wollen niemals auseinandergehn" ist heute noch bekannt, an Wyn Hoop hingegen werden sich nur noch einzelne erinnern können.

    Für Wyn Hoop, der zuvor in Musicals mitwirkte ("Ach Luise...") war es der erste Soloauftritt. Sein Lied "Bonne nuit, ma chérie", kommerziell zwar überhaupt kein Erfolg, belegte durch die internationalen Juroren aber immerhin einen vierten Platz und das bis dato beste Ergebnis für die BR Deutschland. Vier der elf Punkte gab es aus Frankreich, denen es wohl schmeichelte, dass zumindest die Titelzeile auf Französisch dargeboten wurde.

    In der Royal Festival Hall in London fand der Song Contest 1960 stattErneut musste der Gastgeber, in diesem Falle die Briten, den Wettbewerb eröffnen. Sie schickten Bryan Johnson , den Bruder von Teddy Johnson, der im Jahr zuvor im Duett mit Pearl Carr den zweiten Platz erzielte. Sein Bruder stand ihm damit in nichts nach, sein Titel "Looking high, high, high", der von einem Mann erzählt der fernab der Heimat nach der großen Liebe sucht, schaffte es ebenfalls auf den zweiten Platz. Das britische Saalpublikum war außer sich vor Begeisterung über jeden Punkt und feierte letztlich so laut, dass Moderatorin Katie Boyle erbost ins Mikrofon schrie, sie würde die Juries nicht mehr verstehen, wenn es weiterhin so laut bliebe.

    Camillo Felgen bei seinem Gastspiel für Luxemburg 1960Unter den weiteren Teilnehmern, die nur auf den Plätzen landeten, fanden sich viele, die später auch im deutschen Fernsehen ihren Platz fanden. So zum Beispiel Camillo Felgen, einer der wenigen Vertreter Luxemburgs, die auch wirklich aus dem Land stammten, für das sie antraten. Als Moderator der "Hitparade" auf Radio Luxemburg war er im deutschsprachigen Raum bereits bekannt. Ab 1965 moderierte er dann für den WDR die Spielshow "Spiel ohne Grenzen". Nach einem kurzen Gastspiel bei RTL plus zog er sich aus dem Mediengeschäft zurück, 2005 starb er in Esch-sur-Alzette, ebenfalls in Luxemburg.

    Beim Eurovision Song Contest 1960 sollte er zunächst keinen Erfolg haben, sein Titel "So laang we's du do bast" im fiesen Lëtzebuergisch erhielt nur einen Punkt aus Italien und landete auf dem letzten Platz. Seine zweite Teilnahme am Eurovision Song Contest 1962 sollte da erfolgreicher verlaufen.

    Rudi Carrell in LondonEinen Platz vor ihm landete der Niederländer Rudolf Wijbrand Kesselaar, allseits bekannt als Rudi Carrell. Sein Lied "Wat een geluk" bekam je einen Punkt aus Belgien und Italien. Im niederländischen Fernsehen war er zu jener Zeit schon aktiv gewesen, in Deutschland gab er sein Debüt 1965.

    Durch diverse Showformate wie die "Rudi Carrell Show", "Am laufenden Band", "Rudis Tagesshow", "Herzblatt" oder "7 Tage, 7 Köpfe" prägte er das deutsche Fernsehen wie kaum ein anderer. Auch musikalisch war er u.a. mit "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" in Deutschland erfolgreich.

    Eine seiner Erfindungen: 7 Tage, 7 KöpfeIm November 2005 wurde bekannt, dass er an Lungenkrebs erkrankt war, seinen letzten öffentlichen Auftritt gab er im Februar 2006 bei der Goldenen Kamera, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde ("Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie."). Er starb am 7. Juli 2006 im Klinikum Ost in Bremen.

    Rudi Carrell - Wat een geluk

    Mit zwei Punkten mehr als Rudi Carrell beendete Schweden den Abend. Nachdem sie im Jahr zuvor bereits am schwedischen Vorentscheid teilnahm, wurde Siw Malmkvist 1960 als Sängerin ausgewählt und durfte in London "Alla andra får varann" singen. Zur selben Zeit wurde sie auch in Deutschland bekannt, 1964 schaffte sie es mit "Liebeskummer lohnt sich nicht" bis auf #1 der deutschen Charts. Zwischen 2004 und 2007 tourte sie mit Wencke Myhre und Gitte Hænning in einer gemeinsamen Show durch Deutschland.

    Einen Tick erfolgreicher schnitten Anita Traversi für die Schweiz, die sich erstmals vollständig in italienischer Sprache präsentierte und Österreichs Sänger Harry Winter mit "Du hast mich so fasziniert" aus der Feder von Komponist Robert Stolz, ab. Stolz, der auch als Dirigent für Österreich tätig war schrieb unter anderem Stücke für Bühnenaufführungen wie "Im weißen Rössl" oder "Frühling im Prater". Österreich erreichte Platz 7.

    Für Belgien trat ein Mann aus der ersten Stunde des Wettbewerbs an, Fud Leclerc nahm bereits 1956 und 1958 für sein Land teil und sollte auch 1962 nochmals wiederkehren. Sein Titel "Mon amour pour toi" belegte den sechsten Rang. Obwohl er bereits das Ticket nach London in der Tasche hatte, nahm er wenige Wochen später noch mit drei Titeln am Schweizer Vorentscheid teil, doch sowohl "Attrap'ça" als auch "La java sans tralala" oder "Chin chin" scheiterten gegen Anita Traversi.

    Erfolgreicher war dort die erste Teilnehmerin Norwegens, Nora Brockstedt, die ihren Titel "Voi voi" in samischer Tracht präsentierte und für eine gelungene Abwechslung sorgte, ein mit Deutschland geteilter vierter Platz war das Ergebnis.

    Jacqueline BoyerDer Sieg ging jedoch nach Frankreich. Sie trat als Letzte auf und wurde Erste: Vorjahressiegerin Teddy Scholten übergab die Trophäe an Jacqueline Boyer, deren Vater im Jahr zuvor noch für Monaco den letzten Platz belegte. Ihr Lied über den Schwindler "Tom Pillibi", der vorgab zwei Schlösser in Schottland und Montenegro zu besitzen, traf den Nerv der Juroren und wurde mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Briten Bryan Johnson und François Deguelt aus Monaco Sieger des Abends.

    Jacqueline Boyer - Tom Pillibi

    Katie Boyle präsentiert mit Hilfe einer Trittleiter die Punkte des Eurovision Song Contests 1960"Tom Pillibi" wurde auch in Deutschland ein Erfolg und erreichte #21 der Charts. Jacqueline Boyer konnte sich später noch mit weiteren Titeln ("Mitsou", "Mucho amore") in den Charts platzieren. Damit holte sie den zweiten Sieg nach Frankreich, dessen Rundfunkanstalt wie auch schon 1959 Cannes als Austragungsort für den Eurovision Song Contest wählte.

    Die Teilnehmer:
    01. - 032 - Frankreich - Jacqueline Boyer - Tom Pillibi
    02. - 025 - Großbritannien - Bryan Johnson -
    Looking high, high, high
    03. - 015 - Monaco - François Deguelt - Ce soir-là
    04. - 011 - Norwegen - Nora Brockstedt - Voi voi
    04. - 011 - Deutschland - Wyn Hoop - Bonne nuit, ma chérie
    06. - 009 - Belgien - Fud Leclerc - Mon amour pour toi
    07. - 006 - Österreich - Ferry Graf - Harry Winter - Du hast mich so fasziniert
    08. - 005 - Schweiz - Anita Traversi -
    Cielo e terra
    08. - 005 - Italien - Renato Rascel - Romantica
    10. - 004 - Schweden - Siw Malmkvist -
    Alla andra får varann
    10. - 004 - Dänemark - Katy Bødtger - Det var en yndig tid
    12. - 002 - Niederlande - Rudi Carrell - Wat een geluk 
    13. - 001 - Luxemburg - Camillo Felgen - So laang we's du do bast

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1961 in Cannes

  • Memories: Eurovision Song Contest 1959

    Eurovision Song Contest 1959

    Am 11. März 1959 meldete sich das französische Fernsehen RTF von der Côte d'Azur, aus dem kleinen Städtchen Cannes, in dem zur damaligen Zeit bereits die jährlich stattfindenden Filmfestspiele ausgerichtet wurden. 1959 fand zudem im Palais des Festivals der mittlerweile vierte Grand Prix der Eurovision statt.

    Moderatorin Jacqueline JoubertMit einem Blick auf die nächtliche Strandpromenade von Cannes wurde der Wettbewerb eröffnet. Als Moderatorin des Abends trat Jacqueline Joubert auf, die auch 1961 den Wettbewerb moderieren sollte. Sie war eine der ersten Persönlichkeiten im französischen Fernsehen nach dem Zweiten Weltkrieg und widmete sich später der Produktion von Kinderprogrammen und dem populären Fernsehmagazin Récré A2 . Sie verstarb 2005 im Alter von 83 Jahren. Sie stellte zu Beginn des Wettbewerbs alle Interpreten des Abends kurz vor, die mit Hilfe von drei Drehbühnen kurz auf der Bühne auftauchten und dem Publikum entgegen nickten.

    Der Wettbewerb fand erstmals mit elf Nationen statt. Das nicht weit von Cannes entfernte Fürstentum Monaco gab sein Debüt, während Luxemburg auf die Teilnahme verzichtete. Nach einjähriger Pause kehrte dafür Großbritannien zum Wettbewerb zurück.

    Die Eröffnung des Wettbewerbs 1959

    Monacos erster Teilnehmer landete auch sogleich mit einem ernüchternden Punkt auf dem letzten Platz. Gesungen wurde der Titel "Mon ami Pierrot" ("Mein Freund Pierrot") vom gebürtigen Franzosen Jacques Pills, der in den 30er Jahren mit dem Duo Pills et Tabet bereits einige Erfolge hatte. 1939 heiratete er die Sängerin Lucienne Boyer, deren Tochter Jacqueline nur ein Jahr nach der Teilnahme ihres Vaters die Familienehre retten und den Eurovision Song Contest gewinnen sollte.

    Birthe Wilke war für Dänemark diesmal auf Solopfaden unterwegsDie Rückkehrer aus Großbritannien waren dort schon erfolgreicher. Das Ehepaar Pearl Carr & Teddy Johnson nahm eine Fingerpuppe in Form eines kleinen Vogels mit auf die Bühne, die zur Untermalung ihres Titels "Sing little birdie" diente. In der Wertung lagen die beiden lange Zeit vorne, bis sie schlussendlich den zweiten Platz belegten, eine Platzierung, die die Teilnehmer des Vereinigten Königreichs bis heute noch weitere vierzehn Mal einfahren sollten.

    Auch in diesem Jahr gab es zwei Rückkehrer, die sich schon zuvor am Wettbewerb versucht hatten. Dänemark schickte Birthe Wilke erneut ins Rennen, diesmal jedoch ohne ihren Gatten, den sie zwei Jahre zuvor in Frankfurt am Main heiß und innig vor geschocktem Publikum küsste. Sie erreichte mit ihrem Lied "Uh, jeg ville ønske jeg var dig" den fünften Platz.

    Domenico Modugno bei seiner zweiten Teilnahme für ItalienUnd auch die Italiener bauten auf Altbewährtes und gaben Domenico Modugno die Gelegenheit einen weiteren Welthit auf der Grand Prix-Bühne zu schmettern. Sein Lied "Piove" ("Es regnet") fanden die Juroren zwar erneut nicht siegeswürdig und vergaben lediglich neun Punkte, der kommerzielle Erfolg blieb, genau wie ein Jahr zuvor schon mit "Nel blu dipinto di blu", auf seiner Seite und der Titel wurde als "Ciao, ciao bambina" ein großer Erfolg. 

    Ferry Graf (Dritter von links) und Lale Andersen (ganz rechts) bei der Verleihung des Goldenen Löwens 1960Nachdem man drei Jahre in Folge Lys Assia zum Wettbewerb geschickt hatte und inzwischen wohl auch die Nase von ihr voll hatte, versuchte das Schweizer Fernsehen in diesem Jahr etwas Neues: Christa Williams wurde mit ihrem "Irgendwoher" immerhin Vierte und erreichte das beste Ergebnis mit einem deutschsprachigen Lied in diesem Jahr. Eine ernsthafte Konkurrenz stellte der Beitrag aus Österreich von Ferry Graf auch nicht dar, der sich mit "Der K.u.K. Kalypso aus Wien" exotisch und weltoffen präsentierte, aber genauso kaiserlich und königlich abschmierte und Vorletzter wurde.

    Den tanzen viele wie die Polka aus Brünn

    Zum weiteren Favoritenkreis wurden hingegen die Schwestern Alice und Ellen Kessler aus Deutschland aus dem sächsischen Nerchau gezählt. Nachdem sie bereits im Lido, einem weltberühmten Varieté an der Parise Chams-Élysées auftraten und mit ihren Tanzrevuen in Westeuropa umhertourten, verpflichtete das deutsche Fernsehen die Kessler-Zwillinge direkt und verzichtete in diesem Jahr auf einen Vorentscheid.

    Alice & Ellen Kessler für DeutschlandErstmals präsentierte man, wenn auch nur auf dem sehr kleinen Raum der Drehscheibe, ansatzweise eine Choreographie und entzürnte mit ihrem "Hallo Boy" sogleich die Verfechter der deutschen Sprache. Der Titel "Heute Abend woll'n wir tanzen geh'n" sollte ursprünglich übrigens "Heut' möcht' ich bummeln" heißen, das erschien den Interpretinnen allerdings zu brav. Das Ergebnis war ein achter Platz, Domenico Modugno ließ man jedoch, anders als die Zwillinge beim deutschen Vorentscheid 2007 behaupteten, nicht hinter sich, der wurde mit "Piove" nämlich immerhin Sechster.

    1959 war der flämische Teil Belgiens wieder an der Reihe einen Beitrag für den Grand Prix auszusuchen. Die Wahl fiel nach einem Vorentscheid (mit zwei Titeln) auf Bob Benny mit sienem "Hou toch van mij", der es punktgleich mit Italien auf Rang sechs schaffte. Bemerkenswert ist hieran jedoch, dass es seitdem kein Titel in flämischer Sprache über diese Platzierung hinaus schaffte, was angesichts der bis immerhin 1999 geltenten Sprachregelung schon eine Leistung ist.

    Teddy ScholtenGewonnen hat Belgiens Nachbarland, die Niederlande mit einem Lied von Dick Schallies und Willy van Hemert. Gesungen wurde der Titel "Een beetje", das wohl keiner Übersetzung bedarf, von der jungen Sängerin Teddy Scholten. Sie setzte sich im Vorentscheid gegen John de Mol durch, der die zweite Version von "Een beetje" sang. Sein Sohn sollte später Erfolge in der Fernsehindustrie haben, seine Firma Endemol u.a. das Konzept für Big Brother und die Traumhochzeit schaffen. Teddy Scholten hingegen veröffentlichte ihren Titel in deutscher, französischer, schwedischer und italienischer Sprache auf. Für ihre Karriere blieb es aber der größte Erfolg.

    Die EBU hatte zuvor die Regeln bei der Punktevergabe abgeändert. Um dem Geschmack der Zuschauer gerecht zu werden, verbannte die Organisation Fachleute aus der Fernseh- und Musikindustrie aus den Jurys. Jedoch bestand jede Jury weiterhin aus zehn Personen, die jeweils für ihren Favoriten einen Punkt vergaben.

    Teddy Scholten - Een beetje

    Anders als in den Vorjahren durften in diesem Jahr auch die Zweit- und Drittplatzierten, also die Briten und der Franzose Jean Philippe ("Oui, oui, oui, oui"), ihre Titel nochmals singen. Die Niederlande waren das erste Land, dass den Contest zweimal gewinnen konnte und Willy van Hemert war auch der erste Komponist, der zwei Siegertitel schrieb, bis 1972 sollte er zunächst auch der einzige bleiben.

    Das niederländische Fernsehen NTS weigerte sich jedoch unmittelbar nach dem Sieg, den Wettbewerb 1960 abermals auszurichten, als Grund wurden die hohen Ausrichtungskosten genannt. So erhielt Großbritannien als Zweitplatzierter den Zuschlag für das nächste Jahr.

    Die Teilnehmer:
    01. - 021 - Niederlande - Teddy Scholten - Een beetje 
    02. - 016 - Großbritannien - Pearl Carr & Teddy Johnson - Sing little birdie
    03. - 015 - Frankreich - Jean Philippe - Oui, oui, oui, oui
    04. - 014 - Schweiz - Christa Williams - Irgendwoher
    05. - 012 - Dänemark - Birthe Wilke - Uh, jeg ville ønske jeg var dig
    06. - 009 - Italien - Domenico Modugno - 
    Piove
    06. - 009 - Belgien - Bob Benny - Hou toch van mij
    08. - 005 - Deutschland - Alice & Ellen Kessler - 
    Heute Abend woll'n wir tanzen geh'n
    09. - 004 - Schweden - Brita Borg -
    Augustin
    09. - 004 - Österreich - Ferry Graf - Der K. und K. Kalypso aus Wien

    11. - 001 - Monaco - Jacques Pills - Mon ami Pierrot

    Demnächst:
    Eurovision Song Contest 1960 in London

  • Memories: Eurovision Song Contest 1958

    Eurovision Song Contest 1958

    Die AVRO trug den 3. Eurovision Song Contest in Hilversum ausNach dem Sieg von Corry Brokken, traf sich die Eurovision 1958 im kleinen Örtchen Hilversum in der niederländischen Provinz Nordholland. Die Gemeinde, Geburtstort von Linda de Mol, etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt, galt bereits seit den 20er Jahren als Rundfunk- und Fernsehzentrum der Niederlande und somit fand er Song Contest an einem Mittwoch, am 12. März 1958, in den AVRO-Studios statt.

    Zuvor wurde im Januar 1958 bereits der deutsche Titel ausgewählt. Eine Jury wählte in der Kleinen Westfalenhalle in Dortmund unter zwölf Kandidaten das Lied für Hilversum. Moderiert wurde der Vorentscheid von Anaid Iplicjian und Kurt A. Jung. Über die Titel ist nichts bekannt, außer dass Lale Andersen mit "Die Braut der sieben Meere" den zweiten Platz belegte und Margot Hielscher mit ihrem "Für zwei Groschen Musik" (~10 Cent) zum zweiten Mal für den Grand Prix ausgewählt wurde.

    Für zwei Groschen Musik: Margot HielscherNachdem sie im Vorjahr mit einem Telekommunikationslied Vierte wurde, schaffte sie es mit einem meiner persönlichen Lieblingslieder vom Song Contest, mit Schärpe als "Miss Jukebox" verkleidet und mit Schallplatten bewaffnet leider nur den siebten Platz. Dabei bot sie musikalisch gesehen alles was damals schick war, von Heimatmelodien über Verdi bis hin zu Marschmusik und Dixieland.

    Margot Hielscher - Für zwei Groschen Musik

    Nicht nur die Bundesrepublik besinnte sich auf frühere Kandidaten, auch die Gastgeber aus den Niederlanden setzte auf Vorjahressiegerin Corry Brokken, die sich beim dritten Anlauf jedoch nur über einen Punkt freuen konnte und gemeinsam mit Luxemburgs Solange Berry den letzten Platz belegte. Sie ist damit die bis heute einzige Interpretin die sowohl Erste als auch Letzte wurde. Dabei belegte sie im niederländischen Vorentscheid nach einer Postkartenabstimmung sowohl den ersten, als auch den zweiten Platz.

    Hinter ihr landeten im Vorentscheid Persönlichkeiten wie Greetje Kauffeld, die es 1961 beim Song Contest versuchen sollte, Willy Alberti, der Vater der späterin ESC-Teilnehmerin Willeke Alberti und Bruce Low, der bei uns in den 70er Jahren mit "Noah" einen Hit landete. Aber zurück zum Song Contest...

    Auch die Schweiz setzte zum mittlerweile dritten Mal auf Lys Assia. Ihr Lied "Giorgio" war ein deutsch-italienisches Gemisch und bestand zum Großteil aus der Aneinanderreihung verschiedenster italienischer Gaumenfreuden. So schaufelte Lys in den Lyrics gemeinsam mit Giorgio an einem Weekend in Ascona am Lago Maggiore Risotto, Polenta, Espresso und natürlich massig Chianti in sich hinein. Die Juroren schienen davon begeistert und somit lieferte sich Lys bei ihrem letzten Gastspiel als Kandidatin beim Song Contest ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem späteren Gewinner.

    Lys Assia - Giorgio

    André ClaveauObwohl der Franzose André Claveau den Wettbewerb mit seinem Song "Dors, mon amour", einem Schlaflied ("Schlaf, meine Liebe"), gewann, wurde sein Lied internatonal kein kommerzieller Erfolg, die Scharchnummer wollte wohl niemand nochmal hören.

    Gleichzeitig brachte der Grand Prix 1958 den erfolgreichsten ESC-Titel aller Zeiten hervor, wenngleich er nur den dritten Platz belegte. Domenico Modugno eröffnete als erster den Concours und sang sein Lied "Nel blu dipinto di blu", das heute international als "Volare" bekannt ist.

    Ein Welthit war geboren: Domenico Modugno singt ''Volare''Da jedoch noch nicht alle Juroren in den verschiedenen Ländern während seines Auftritts zugeschaltet waren, durfte er seinen Titel nach der letzten Starterin, Lys Assia, noch einmal wiederholen. Das Lied schaffte es später auf die #1 der amerikanischen Billboard Charts, stieg in diversen Ländern hoch in die Charts ein und war sogar für einen Grammy nominiert.

    2005 wurde das Lied beim 50jährigen Jubiläum des Song Contests hinter "Waterloo" von ABBA zum zweiterfolgreichsten Lied im Wettbewerb gekürt. Heute existieren diverse Coverversionen von "Volare", u.a. von Caterina Valente, den Gipsy Kings, Dean Martin oder Louis Armstrong. Domenico Modugno selbst sollte noch zweimal zum Song Contest zurückkehren.

    Ein weiterer Wiederholungstäter trat für Belgien an, Fud Leclerc war bereits unter den Teilnehmern 1956 zu finden. Er sollte noch zwei weitere Male für den französischsprachigen Teil Belgiens antreten, jedes Mal mäßig erfolgreich. Er belegte am Ende des Abends punktgleich mit der Österreicherin Liane Augustin den fünften Rang.

    Während Großbritannien aus Enttäuschung über Platz 7 im Vorjahr beim Eurovision Song Contest 1958 fehlte, gab Schweden sein Debüt beim Grand Prix. Während alle anderen in Abendkleidung auf der Bühne standen, stieg die Sängerin Alice Babs in Nationaltracht auf die Bühne und sang ihren Titel "Lilla stjärna" ("Kleiner Stern"). Sie wurde Vierte. Die dänische Sängerin Raquel Rastenni schaffte es hingegen nur auf den achten Platz, obwohl sie den Titel ihres Liedes "Jeg rev et blad ud af min dagbog" auch Nicht-Dänischsprechenden verdeutlichte, indem sie eine Seite aus ihrem Tagebuch riss.

    Hannie Lips vor der PunktetafelNach einem kurzen Pausenfüller durch das Metropole Orkester unter der Leitung von Dirigent Dolf van der Linden, welches in einer erdrückenden Blumendekoration aus Tulpen und Osterglocken saß, trat die Moderatorin der Veranstaltung, Hannie Lips, ans Telefon und rief die einzelnen Juroren auf. Im Gegensatz zu heutigen Moderatoren zeigten sich die Moderatoren der 50er Jahre, insbesondere Hannie Lips zurückhaltend und schwafelten nicht stundenlang, wie das heute mitunter der Fall ist.

    Hinter Hannies Pult wurden die Punkte angezeigt und die Tafel per Handkurbel aktualisiert. Die Abstimmungsregeln waren die gleichen wie im Vorjahr, jede Jury stellte zehn Juroren, von denen jeder einen Punkt für sein Lieblingslied vergeben dufte.

    Glückwünsche für André Claveau (rechts)Am Ende hatte der Franzose André Claveau die Nase vorn und siegte mit 27 Punkten. 1936 gewann er zunächst einen Chansonwettbewerb in Paris. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann seine Karriere beim Hörfunk, er nahm mehrere Chansons auf. Sein Erfolg beschränkte sich jedoch auf die französischsprachigen Länder, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, Ende der 60er Jahre zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück. Claveau starb 2003 in Tarn, in der Nähe von Toulouse.

    Wie dem auch sei, die Komponisten Hubert Giraud und Pierre Delanoe erhielten den Preis des dritten Eurovision Song Contest und Frankreich reihte sich in die Liste der Sieger ein. Und auch in den nächsten Jahren sollte es für Frankreich erfolgreich weitergehen.

    Die Teilnehmer:
    01. - 027 - Frankreich - André Claveau - Dors, mon amour
    02. - 024 - Schweiz - Lys Assia - Giorgio
    03. - 013 - Italien - Domenico Modugno - Nel blu dipinto di blu
    04. - 010 - Schweden - Alice Babs -
    Lilla stjärna
    05. - 008 - Belgien - Fud Leclerc - Ma petite chatte
    05. - 008 - Österreich - Liane Augustin - Die ganze Welt braucht Liebe 
    07. - 005 - Deutschland - Margot Hielscher - Für zwei Groschen Musik 
    08. - 003 - Dänemark - Raquel Rastenni - Jeg rev et blad ud af min dagbog

    09. - 001 - Niederlande - Corry Brokken - Heel de wereld 
    09. - 001 - Luxemburg - Solange Berry - Un grand amour

    Demnächst: Eurovision Song Contest 1959 in Cannes

  • Memories: Eurovision Song Contest 1957

    Eurovision Song Contest 1957

    Weshalb der zweite Eurovision Song Contest 1957 in Frankfurt am Main, sprich in der BR Deutschland ausgetragen wurde ist nicht belegbar. Einige sprechen davon, dass die ursprünglichen Regeln aussagten, jedes Land solle einmal den Song Contest ausrichten dürfen, andere sprechen davon, dass Deutschland Gastgeber sein durfte, weil Walter Andreas Schwarz angeblich Zweiter in Lugano wurde, nachweisbar ist allerdings nichts. Erst ab 1958 sollte die Regel greifen, dass der Sieger des Vorjahres den Wettbewerb ausrichtet.

    Nein, das ist kein Atomreaktor, hier fanden 1957 der deutsche Vorentscheid und der Eurovision Song Contest stattVom Eurovision Song Contest 1957 existieren, im Gegensatz zum Wettbewerb des Vorjahres Bilder und Videoaufnahmen. Insgesamt gingen zehn Länder an den Start, die sieben Teilnehmerländer aus Lugano, sowie Dänemark, Großbritannien und Österreich, deren Rundfunkanstalten 1956 schlichtweg die Anmeldefrist versäumten. Ausgerichtet wurde der Song Contest im Großen Saal des Hessischen Rundfunks, wo wenige Wochen zuvor bereits der erste Vorentscheid der Bundesrepublik ausgetragen wurde.

    Einer wird gewinnen - Hans-Joachim Kuhlenkampff präsentierte später in seinen Sendungen noch weitere Song Contest-TeilnehmerIm Rahmen der Unterhaltungssendung "Zwei auf einem Pferd" mit Moderator Hans-Joachim Kulenkampff sangen vier Interpreten um die Grand Prix-Teilnahme. Neben der Siegerin Margot Hielscher nahmen außerdem Paul Kuhn mit "Das Klavier über mir", Illo Schieder mit "Was machen die Mädchen in Rio" und Renée Franke mit "Ich brauche dein Herz" teil. Die Juroren entschieden sich für Margot Hielscher mit dem Titel "Telefon, Telefon" aus der Feder von Ralph Maria Siegel, dem Vater von Ralph Siegel.

    ''So klingt's aus allen Ländern an mein Ohr, Hallo – grazie, sì, sì, Hallo – nada por mí (...) Telefon, Telefon, lang war ich allein, sag, wann werde ich zum Lohn endlich glücklich sein?'' (Auszug aus ''Telefon, Telefon'')Die Musik ihres Liedes stammt von Friedrich Meyer, den sie 1959 heiratete. In einem Interview zu ihrem Beitrag sagte Margot Hielscher vor einiger Zeit: "Wir hatten uns überlegt: Was ist modern und international?" Und so sei man auf die Idee gekommen, über das im Krieg zerstörte und sich im Wiederaufbau befindliche Telefonnetz zu singen. Auf der Bühne spielte sie mit einem Telefonhörer, dem ersten Requisit beim Grand Prix und machte ihren Titel mit Wortfetzen in englischer, französischer, spanischer und italienischer Sprache auch den übrigen Europäern verständlich.

    Der belgische Sänger Bobbejaan Schoepen (links) mit Rudi Carrell, der erst drei Jahre später für die Niederlande singen sollteBei diesem Wettbewerb gab es noch keine feste Regel bezüglich der Beitragslänge, der Richtwert von drei Minuten pendelte sich erst im Laufe der Jahre ein. So startete die Britin Patricia Bredin mit ihrem Titel "All", der nur 1:52 Minuten dauerte, der kürzeste Beitrag in der Wettbewerbsgeschichte. Der längste der Geschichte folgte unmittelbar danach, als der Italiener Nunzio Gallo sein "Corde della mia chitarra" runde 5:10 Minuten trällerte. Beide landeten hinter Margot Hielscher auf den Plätzen sechs und sieben.

    Erstmals mit dabei waren auch die Österreicher dabei, deren Vertreter Bob Martin mit seinem sinnbefreiten Lied "Wohin kleines Pony?", das wie aus einem schlechten Cowboyfilm geklaut klang, den letzten Platz belegte und damit wegweisend für zahlreiche spätere österreichische Beiträge war. Den Text kann man sich hier einmal zu Gemüte führen.

    Für 1957 skandalös: der Kuss der DänenDer erste skandinavische Beitrag beim Wettbewerb, vorgetragen vom dänischen Pärchen Birthe Wilke und Gustav Winkler sorgte in den prüden 50er Jahren in einigen Ländern für einen Skandal. Zum Schluss ihres Seemannsliedes gaben sich beide engumschlungen einen elfsekündigen Kuss. Dem Ergebnis hat es nicht geschadet, Dänemark erreichte Rang drei.

    Für die Schweiz sang die Vorjahressiegerin Lys Assia, rettete sich jedoch nur auf den achten Platz. Den Sieg trug die Niederländerin Corry Brokken mit ihrem Lied "Net als toen" davon, die im Vorjahr auch schon einmal dabei war und darüber sang, dass man selbst mit grauem Haar und dickem Bauch noch flirten könne.

    Nachdem alle Beiträge vorgetragen wurden, verzichtete man auf einen Pausenfüller und verdeutlichte dem Saalpublikum anhand einer Landkarte, welche großen Distanzen man nun gleich versuchen wird telefonisch zu überbrücken. Nach dem dezenten Umbau (siehe Video) ging es los und die Moderatorin des Abends, Anaid Iplicjian erklärte das Wertungsschema.

    Bahnbrechende Telefontechnik beim Eurovision Song Contest 1957In jedem Land saßen zehn Juroren, die jeweils einen Punkt vergaben. Diese wurden per Telefon übermittelt und hinter die Bühne weitergeleitet, wo an der Wertungstafel fleißig gedreht wurde. Iplicjian rief konsequent alle Jurys auf Deutsch auf, was mehr oder weniger auch funktionierte - unvergessen bleibt der Satz "Hallo Kopenhagen?!". Erstaunt stellte sie fest, das der dänische Juror seine Punkte auf Englisch verlas.

    Anaid Iplicjian begann ihre Karriere nach der Ausbildung in Salzburg als Schauspielerin am Stadttheater von Klagenfurt. Nach dem Song Contest war sie ab 1971 als freischaffende Künstlerin tätig. In den letzten Jahren zog sie sich mehr und mehr zurück, zuletzt spielte sie 2004 eine Rolle in der SOKO 5113.

    Eine weitere erwähnenswerte Situation stellte der Schluss der Veranstaltung da, als der Direktor des Hessischen Rundfunks die gestiftete Plakette des Senders zunächst an die Sängerin Corry Brokken übergab, mit den Worten, sie möge sie dem Komponisten aushändigen. Nachdem Anaid Iplicjian ihn dann darauf hinwies, dass jener Komponist hinter ihm stand, riss er ihr die Trophäe wieder aus der Hand.

    Corry Brokken gewann 1957Corry erhielt später einen Blumenstrauß, der Grand Prix in seinem eigentlichen Sinne ist ja bis heute - eigentlich - ein Komponistenwettbewerb. Ab dem folgenden Jahr sollte der Wettbewerb dann stets im Gewinnerland des Vorjahres stattfinden, 1958 traf man sich also im niederländischen Hilversum wieder.

    Die Punktevergabe: Teil 1 - Teil 2

    Die Teilnehmer:
    01. - 031 - Niederlande - Corry Brokken - Net als toen
    02. - 017 - Frankreich - Paule Desjardins - La belle amour
    03. - 010 - Dänemark - Birthe Wilke & Gustav Winckler - Skibet skal sejle i nat
    04. - 008 - Luxemburg - Danièle Dupré -
    Tant de peines
    04. - 008 - Deutschland - Margot Hielscher -
    Telefon, Telefon
    06. - 007 - Italien - Nunzio Gallo -
    Corde della mia chitarra
    07. - 006 - Großbritannien - Patricia Bredin -
    All
    08. - 005 - Belgien - Bobbejaan Schoepen - Straatdeuntje
    08. - 005 - Schweiz - Lys Assia - L'enfant que j'étais
    10. - 003 - Österreich - Bob Martin - Wohin kleines Pony?

    Demnächst: Eurovision Song Contest 1958 in Hilversum

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