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  • Discover Azerbaijan: Aserbaidschan von A bis Z

    Aserbaidschan Aserbaidschan - Mit Aserbaidschan assoziiert man in erster Linie Öl, Korruption und den ständigen Austausch von 12 Punkten mit der Türkei beim Eurovision Song Contest. Nachdem das Duo Ell & Nikki den Wettbewerb 2011 in Düsseldorf gewonnen haben, blickt die Eurovisionsgemeinde mit Spannung, Vorfreude und auch einem sorgenvollem Blick auf das kaukasische Land. Mit diesem Beitrag wollen wir die ehemalige Sowjetunion mit langer kultureller Geschichte etwas näher vorstellen, nach Norwegen also nun Aserbaidschan von A bis Z.

    Mehriban und Ilham AliyevA wie Aliyevs - Der Familienclan der Aliyeves (Əliyev) regiert seit Anfang der 90er Jahre mit harter Hand über Aserbaidschan. İlham Aliyev, amtierender Präsident des Landes ist nicht nur in dieser Position tätig, sondern ist auch erster Vizepräsident der staatlichen Ölgesellschaft und Präsident des nationalen Olympia-Komitees. Er trat im Jahr 2003 die Nachfolge seines Vaters Heydər Əliyev zum Präsidenten an und ist mit Mehriban Aliyeva verheiratet, die ebenfalls einflussreiche Positionen innehat.

    Die First Lady des Landes entstammt aus einer reichen Familie, der mehrere Banken und Baufirmen gehören, was es in Bezug auf den Eurovision Song Contest leicht machen wird, entsprechende Baugenehmigungen für eine neue Halle zu erhalten. Neben ihrer Eigenschaft als UNESCO- Sonderbotschafterin ist sie nun zur Vorsitzenden des Organisationskomitees für den Song Contest berufen worden. Aufgrund der mit Petroldollars und Korruptionsgeldern finanzierten chirurgischen Eingriffe bereitet es Aliyeva laut Wikileaks-Berichten Probleme alle Geschichtsausdrücke anzuwenden.

    BakuB wie Baku - Baku liegt auf dem 40° Breitengrad Nord und dem 49° Längengrad Ost und ist mit rund zwei Millionen Einwohnern die Hauptstadt von Aserbaidschan. Während die historische Altstadt inzwischen zum Weltkulturerbe gehört, orientiert sich die Wirtschaft der Stadt an den Ölressourcen, vor der Hafenstadt im Kaspischen Meer liegen. Das Bild der Stadt wurde während der sowjetischen Zeit durch Plattenbauten geprägt.

    Mittlerweile befindet sich Baku aber auf dem Weg zu einer modernen Metropole, die zwar nur über ein verhaltenes Nachtleben verfügt, dafür aber über eine große Einkaufsstraße, in der sich auch alle großen Marken der westlichen Welt präsentieren. Auch verschleierte Frauen sind nach einschlägigen Reiseberichten fast gänzlich aus dem Stadtbild verschwunden, das mit einer Sauberkeit aufwatet, die der Singapurs gleicht. Aller Wahrscheinlichkeit wird hier der Song Contest 2012 stattfinden.

    PlovC wie Cuisine - Die aserbaidschanische Küche wurde durch die Einflüsse der einstigen Besatzer geprägt. Vieles entstammt Rezepturen der mongolischen, persischen, türkischen und russischen Küche. Aufgrund der islamischen Prägung ist Hauptbestandteil vieler Gerichte Lamm- und Rindfleisch. Ähnlich wie in anderen orientalischen Ländern wird auch hier viel mit Gewürzen verfeinert. Das wichtigste Nationalgericht ist Plov, ein Reisgericht mit Hammelfleisch und Gemüse, von dem etwa 100 verschiedene Varianten existieren sollen.

    Dazu gibt es das Nationalgetränk Schärbät, ein auf Milch basierendes Erfrischungstränk mit Zitrone, Minze und anderen Fruchtbestandteilen. Wem diese Küche allerdings zu traditionell ist, der hat seit einigen Jahren auch die Möglichkeit bei McDonalds, Burger King oder an einem der Dönerimbisse zu speisen, die nahezu an jeder Ecke zu finden sind.

    D wie Devisen - Seit 1992 ist der Manat das gesetzliche Zahlungsmittel in Aserbaidschan und löste damit den sowjetischen Rubel ab, der bis 1994 noch in der Übergangsphase als Währung zugelassen war. Die Banknoten und Münzen des neuen Manat wurden von Robert Kalina entworfen, der auch für das Design der Eurobanknoten verantwortlich ist. Ein Manat sind etwa 89 Cent, ein Euro entsprechend 1,12 Manat. Der Manat wird in 100 Qəpik unterteilt. Geld, insbesondere Euro und US-Dollar kann man in diversen Banken, Wechselstuben, aber auch in Hotels und am Flughafen wechseln. In Baku gibt es mehrere Geldautomaten, Kreditkarten werden von vielen Hotels und Restaurants akzeptiert, Bargeld wird jedoch bevorzugt.

    E wie Eurovision - Seit 2008 ist Aserbaidschan Teil der Eurovisionsfamilie. Nur ein Jahr zuvor wurde der Sender iTV Mitglied der Europäischen Rundfunkunion, dem staatlichen Sender AzTV wurde die Mitgliedschaft verweigert, da die Regierung diesen unter Kontrolle hat. Bereits im ersten Jahr erreichte Aserbaidschan den achten Platz mit "Day after day". Ein Jahr später erreichten Aysel Teymurzadeh und der schwedisch-iranische Komponist Arash die Bronzemedaille. 2010 galt Safura neben Lena als Favoritin, erreichte jedoch nur Platz fünf. Ell & Nikki schafften mit Hilfe ihrer schwedischen Komponisten jedoch den Sieg. Aserbaidschan ist somit eines der erfolgreichsten Länder der letzten Jahre.

    F wie Feuer - Aserbaidschan trägt auch den Beinamen "Landes des Feuers". Dieser Titel rührt vom sogenannten Yanar Dağ, dem "brennenden Berg", einem Kalksteinhügel in der Nähe von Baku auf der Halbinsel Abşeron, an dessen Hängen seit dem Altertum ein natürliches Erdgasfeuer brennt. Der Yanar Dağ, über den bereits Marco Polo berichtet hat und der heute eines der beliebtesten Ausflugsziele der Touristen darstellt, ist zum Symbol für Aserbaidschan geworden. Neben dem Yanar Dağ existieren nur noch wenige natürlich brennender Erdgasfeuer, die meisten davon kommen in Aserbaidschan vor.

    GobustanG wie Gobustan - 50 Kilometer südwestlich von Baku befindet sich der kleine Ort Gobustan, der sich für seine graffitiähnlichen Felszeichnungen aus der Steinzeit bekannt ist. In den 30er Jahren wurden hier mehr als 600.000 Symbole gefunden, die Tiere, Menschen, Tänze und Rituale sowie die Sonne und Sterne zeigen. Besonderes Highlight der Region ist jedoch der Gaval Dash, ein Musikstein, der, sobald er berührt wird, den Klang eines Tamburins von sich gibt. Der Ursprung für diese Erscheinung ist, wie fast bei allen Sehenswürdigkeiten in Aserbaidschan, Erdgas.

    H wie Historie - Die Geschichte Aserbaidschans in drei Absätzen: Der erste Staat auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans war die Region Albania, das von einem nomadischen Stamm bewohnt wurde und 65 v. Chr. Teil des Römischen Reiches wurde. Im 4. Jahrhundert wurde durch die Armenier das Christentum eingeführt, 643 fielen arabische Truppen in das Land ein und beendeten die Phase des Christentum. Anschließend wechselten sich diverse Volksgruppen bei der Besiedelung der Region am Kaspischen Meer ab.

    Flagge der Aserbaidschanischen SSRNach einer kurzen Besatzungszeit durch das Osmanische Reich, eroberte der russische Zar Peter I. im Russisch-Persischen Krieg 1723 Teile Aserbaidschans. Um 1870 wurde Erdöl entdeckt und wird seitdem dort gefördert. Nachdem das russische Zarenreich 1918 zerbrach wurde die kurzzeitig existierende Demokratische Republik Aserbaidschan gegründet, die bis 1920 Bestand hatte und 1922 gemeinsam mit Georgien und Armenien zur Transkaukasischen Sowjetunion zwangsvereinigt und in die UdSSR eingegliedert wurde. 1936 wurde diese Sowjetrepublik aufgelöst und es entstand auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans eine eigenständige Sozialistische Sowjetrepublik.

    Wie in anderen Teilrepubliken der Sowjetunion auch, wurde die eigene Kultur gegenüber der russischen unterdrückt. 1988 meldete Armenien die Gebietsansprüche um Bergkarabach an. Hieraus entstand ein Konflikt, der auch nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 anhielt und 1992 in einem offenen Krieg endete. Seitdem ist die Region instabil, 2003 wurde İlham Əliyev Präsident und Nachfolger seines Vaters, die Wahlen galten als manipuliert und wurden von der OSZE scharf kritisiert.

    I wie International - Aserbaidschan ist unter dem Kürzel AZE seit 1993 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und nahm erstmals 1994 bei den Winterspielen in Lillehammer teil. Die erste Medaille holte der Ringer Namik Abdullajew im Ringen bei den Sommerspielen 1996 in Atlanta, 2000 in Sydney holte er sogar Gold. Im Ringen sowie im Judo und Boxen ist Aserbaidschan recht erfolgreich, insgesamt liegt Aserbaidschan mit vier Gold-, drei Silber- und neun Bronzemedaillen auf dem 57. Platz im Ewigen Medaillenspiegel. Bekanntester Aserbaidschaner im Ausland dürfte der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow sein, der 1963 in Baku geboren wurde und nach seinem Rücktritt vom Schachsport als russischer Oppositionsaktivist tätig ist.

    Maidens TowerJ wie Jungfrauenturm - Der Jungfrauenturm "Qız Qalası" ist Teil der alten Stadtbefestigung von Baku und zugleich auch die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Seinen Namen erhielt der Turm einer Legende nach durch eine Prinzessin, die sich vom Turm ins Meer herab stürzte, um so einer von ihrem Vater arrangierten Ehe mit einem nicht gewollten Mann aus dem Weg zu gehen. Seit dem Jahr 2000 gehört auch er zum Weltkulturerbe der UNESCO.

    K wie Kaspisches Meer - Das Kaspische Meer ist mit einer Fläche von 386.400 km² der größte See der Erde. Er liegt in einer Senke an der Grenze zwischen Europa und Asien und dehnt sich etwa 1.200 km von Nord nach Süd und ca. 300km von Ost nach West aus. Angrenzende Staaten sind neben Aserbaidschan Russland, Kasachstan, Turkmenistan und der Iran. Bemerkenswert ist, dass der Salzgehalt im Nordteil des Sees relativ gering ist, während er im Süden zum Teil bei 30% liegt.

    Unter dem Seeboden liegen die großen Reserven an Erdöl und Erdgas, nach Vermutungen von Geologen bis zu 50 Milliarden Barrel Öl, der Großteil davon liegt vor der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Der größte Zufluss des Sees ist die aus Russland kommende Wolga, Abflüsse gibt es nicht.

    L wie Länderinfo - Die allgemeinen Informationen zu Aserbaidschan, das Land hat etwa 9,1 Millionen Einwohner und dehnt sich auf einer Fläche von 86.600 km² (was etwas größer als Österreich ist) zwischen Russland im Norden, dem Kaspischen Meer im Osten, dem Iran im Süden und Armenien und Georgien im Westen aus. Zum Staatsgebiet gehört zudem noch die Exklave Nachitschewan (siehe Buchstabe N). Das Land befindet sich in der subtropischen Zone und weist höhenbedingt gravierende Temperaturunterschiede auf. Amtssprache ist das, mit dem Türkischen verwandte Aserbaidschanisch. Kfz- und Internetkürzel ist AZ.

    Metro Station in BakuM wie Metro - Ähnlich prunkvoll wie die U-Bahnhöfe in der russischen Hauptstadt Moskau ist auch das 1967 in Betrieb genommene U-Bahnnetz von Baku ausgestattet. Bis heute besteht ein 33 Kilometer langes Netz aus zwei Bahnlinien und 22 Stationen, die sich am U-Bahnhof 20 Yanvar treffen. Die Stationen sind mit allerlei schmuckvoller Architektur, Malereien und Kronleuchtern ausgestattet, Fahrten mit den U-Bahnen sind vergleichsweise preiswert, eine Einzelfahrt kostet 15 Qəpik. Bis zum Jahr 2040 sollen laut aserbaidschanischem Bauministerium rund 70 neue Stationen gebaut werden, die auch den internationalen Flughafen mit der Stadt verbinden sollen.

    N wie Nachitschewan - Die Autonome Republik Nachitschewan ist eine Exklave, die vom aserbaidschanischen Staatsgebiet getrennt zwischen Armenien, dem Iran und der Türkei liegt. Der Name des Gebietes leitet sich vom Begriff "Ort der Landung" ab, der Bezug auf die Landung von Noahs Arche am Berg Ararat nimmt. Das Gebiet, in dem vor allem reiche Erzvorkommen lagern, ist geographisch sehr hügelig und kaum mit dem Rest des Landes verbunden. Aufgrund des autonomen Status verfügt die Region über ein eigenes Parlament und eine eigene Verfassung.

    O wie Ortszeit - Das größte Problem für anreisende Eurovisionsfans und Delegationen aus Europa wird der enorme Zeitunterschied zu Mitteleuropa bzw. der britischen UTC sein. Wenn es in Deutschland 12 Uhr Mittags ist, ist es in Aserbaidschan bereits 15 Uhr. Entsprechend beginnt der Eurovision Song Contest dort erst um Mitternacht und endet gegen drei Uhr in der Nacht. Während der Probenwoche in Baku und der entscheidenden Shows Ende Mai werden sich viele an die Umstellung gewöhnen müssen. Für Daheimgebliebene ändert sich allerdings nichts, der Eurovision Song Contest beginnt weiterhin um 21 Uhr unserer Zeit.

    P wie Papiere - Wie das Auswärtige Amt meldet, benötigen deutsche Staatsangehörige ein Einreisevisum, das "vor Antritt der Reise bei der Aserbaidschanischen Botschaft in Berlin oder einer anderen aserbaidschanischen Auslandsvertretung beantragt werden muss". Informationen hierzu können bei der Botschaft im Internet abgerufen werden. Der einfache Personalausweis wird in Aserbaidschan nicht anerkannt. Reisende mit armenischem Stempel müssen mit längeren Wartezeiten rechnen. Die Grenze nach Armenien ist gesperrt.

    Zudem gibt das Auswärtige Amt weitere Hinweise, u.a. zum Thema Homosexualität: "Homosexualität ist zwar nicht ausdrücklich strafbar, es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Polizei ein homosexuelles Paar festsetzt und erst gegen Zahlung eines Geldbetrages wieder auf freien Fuß setzt." Auch einen Sicherheitshinweis gibt das AA: "Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Konfliktregion Berg-Karabach sowie die im Südwesten gelegenen Bezirke Agdam, Füsuli, Dschabrayil, Sangilan, Kubadli, Ladschin und Kalbadschar, insbesondere in die unmittelbar auf aserbaidschanischer Seite der Waffenstillstandslinie angrenzenden Gebiete ab. Hier muss mit Minen gerechnet werden. Auch kommt es an der Waffenstillstandslinie gelegentlich zu Schusswechseln."

    Q wie Qarabağ Ağdam - Der 1968 gegründete Fußballclub ist bereits vierfacher Meister der aserbaidschanischen Liga. Ursprünglich stammt er aus Ağdam in Bergkarabach, ist seit der Besetzung der Stadt durch Armenier jedoch in Baku ansässig. Nich nur dieser Verein, auch der deutsche Berti Vogts ist dort mittlerweile unterwegs, als Trainer der aserbaidschanischen Fußballnationalmannschaft, der eine Reise nach Aserbaidschan jedem empfiehlt. Die Spiele der Nationalmannschaft, deren größer Erfolg ein 4:0 gegen Liechtenstein war, werden im Tofiq- Bəhrəmov-Stadion ausgetragen, das auch um eine mögliche Song Contest-Ausrichtung im Gespräch ist. Am 7. Juni findet in Baku das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland statt.

    R wie Rohöl - Als armes Land kann man Aserbaidschan angesichts seiner enormen Öl- und Gasvorkommen nicht nennen. Der aserbaidschanische Markt ist Umschlagsplatz für internationale Investoren, die die lokale Wirtschaft wachsen lassen, zuletzt um bis zu 35%. Seit 2006 existiert eine Pipeline von Baku über Tiflis in die türkische Hafenstadt Ceyhan. Durch eben jene Erlöse durch die Ölförderung soll in Aserbaidschan 2012 der größte Song Contest aller Zeiten stattfinden, wenn es nach dem oben beschriebenen Organisationskomitee geht, bis zu 100 Millionen Euro waren im Gespräch, wie hoch die Investitionen sein werden, wird es dann im Laufe des Jahres hier im Blog zu lesen geben.

    Saz-Spieler in BakuS wie Saz - Die Saz ist eine orientalische Form der Laute und ist das traditionelle Instrument von kaukasischen Barden. In Aserbaidschan ist die Dichtungsform der Aşık-Kultur weit verbreitet. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die ersten traditionellen Volksgeschichten entwickelt und mit musikalischer Begleitung der Saz dargeboten. Man findet sie auf Basaren, in der Altstadt von Baku und überall dort, wo Touristen ihre Zeit verbringen und gelten als wichtiger Bestandtteil der aserbaidschanischen Liedkunst.

    T wie Teppiche - "Von einem Teppich darf sich die aserbaidschanische Familie, so der Brauch, auch in Zeiten größter Not nicht trennen", heißt es in Erzählungen und genauso wird es in Aserbaidschan auch gehandhabt. Die Teppichknüpferei hat in dem Land eine lange Tradition, ebenso wie die Schafzucht. Aus Feigenblättern wurde der Farbton Ocker gewonnen, aus Safran Gold, aus Schalen des Granatapfels der Farbton Rotbraun. Mit Hilfe dieser Farbtöne entstehen die verschiedensten Muster und Ornamente. Heutzutage gehören Teppiche zu den beliebtesten und traditionellsten Mitbringseln aus dem Land des Feuers.

    U wie Uralt - Ob es vom schwarzen Tee, dem Chai und den typischen Teezeremonien kommt, ist nicht überliefert. Fakt ist jedoch, dass sowohl die Nachbarn aus Georgien als auch die Aserbaidschaner sich für hohes Lebensalter auszeichnen. Es ist demnach nichts Ungewöhnliches in den Regionen des Kaukasus, dass 80jährige auch noch voll in der Landwirtschaft tätig sind. Die wichtigsten Sektoren der Landwirtschaft sind die Schafzucht sowie der Anbau von Obst, Tabak und angesprochenem Tee.

    V wie Volksmusik - Weltbekannt und auch Teil der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" der UNESCO ist Muğam, eine spezielle Form der Musik, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück, dabei wird Musik mit einer Langhalslaute und einem Tamburin gespielt. Die Melodien enthalten sowohl klassisch-folkloristische als auch moderne Musikelemente. Auch die Vermischung mit anderen Musikarten wie Jazz oder Opernmusik ist keine Seltenheit mehr.

    Hyrcania-Mischwald an der aserbaidschanisch-iranischen GrenzeW wie Wald und Wiesen - Wer in den Regenwald möchte, muss nicht unbedingt nach Afrika oder Südamerika fahren, ein Trip nach Aserbaidschan reicht auch schon aus. Im Grenzgebiet zum Iran befindet sich der Hyrcania-Mischwald, ein in sich geschlossenes Ökogebiet mit beeindruckender Flora und Fauna. Hier lebte früher der Kaspische Tiger, der inzwischen ausgestorben ist, die gemäßigten Regenwaldgebiete bevölkern heute Braunbären, Luchse, Fischotter und auch Leoparden. Teile dieser eindrucksvollen Vegetation sind heute als Naturschutzgebiet deklariert.

    Ansonsten leben in Aserbaidschan auch Hyänen, Schakale, Hirsche sowie diverse Reptilien und Amphibien. Neben den hügeligen und teils bergigen Landstrichen, gibt es im Einzugsgebiet des Flusses Kura auch Tiefebenen, zu dem auch der oben angesprochene Hyrcania-Mischwald gehört. Der höchste Gipfel in Aserbaidschan ist der Sahdağ, der 4.243m misst.

    X wie Satz mit X - In Marco Polo-Reiseführern ist immer eine Kategorie "Bloß nicht" aufgelistet, mit Dingen, die man im jeweiligen Zielgebiet lieber unterlassen sollte. So gelten auch für Aserbaidschan einige Gesprächsthemen, die mit Vorsicht zu genießen und am besten ganz zu unterlassen sind. Insbesondere politische Themen wie der Karabach-Konflikt (siehe Y) oder Kritik an der Regierung sind zu vermeiden. Besonders sollte man in der Altstadt von Baku vor Trickbetrügern und Taschendieben auf der Hut sein.

    Nachts sollte man sich nach Möglichkeit nicht mehr in den Straßenzügen von Baku aufhalten, hier kann es trotz schöner Beleuchtung schnell gefährlich werden. Beim Taxifahren sollte zudem aufgepasst werden, dass man nur in mit einem violetten Schild ausgewiesene Taxis steigt. Derzeit ist das Verkehrsministerium damit beschäftigt, Taxifahrern zum einen neue Autos aus Großbritannien zu beschaffen, zum anderen sollen sie sich für den Personentransport während des Song Contests qualifizieren. Dazu gehören neben Drogen- und psychologischen Tests auch ein Benimmkurs und ein Zusatzkurs um Englischkenntnisse zu erlernen.

    Überlandfahrten sind nachts in jedem Fall zu vermeiden, insbesondere in den Grenzregionen und der Region um Bergkarabach ist auch mit Landminen zu rechnen. Dafür muss man keine Treibstoffknappheit befürchten, Dank der Ölreserven ist Treibstoff im Überfluss vorhanden, ein Liter Benzin kostet läppische 45 Cent.

    Y wie Yuxarı Qarabağ (Bergkarabach) - Ein viel besprochenes Thema, das ich eigentlich nur kurz anschneiden möchte. Der "Schwarze Garten", so die aserbaidschanische Bezeichnung für eine Region im Südosten von Aserbaidschan wird vornehmlich von Armeniern bewohnt und steht seit 1992 für den Hauptkonflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan.

    Völkerrechtlich wird die Region weiter als Teil Aserbaidschans gesehen, dennoch sind rund 20% des aserbaidschanischen Staatsgebietes von armenischen Truppen besetzt. Hauptstadt von Bergkarabach ist Stephanakert (aserb.: Xankəndi), das für das Denkmal Mamik & Papik bekannt ist, das Sirusho bei der Punktevergabe 2009 als Provokation ins Bild beim Eurovision Song Contest hielt. Eine Lösung im Konflikt scheint sich derzeit nicht anzubahnen.

    Z wie Zum Schluss - Ein Fazit zum Gastgeber des Eurovision Song Contest 2012 fällt schwer. Natürlich gibt es viele Dinge, die verbesserungswürdig sind und sauer aufstoßen mögen, etwa der hohe Grad an Korruption, belegt das Land nur den 134 von 178 Plätzen in der Statistik von Transparency International und trotz des Versprechens der Europäischen Rundfunkunion kann man davon ausgehen, dass der Wettbewerb nicht frei von politischer Einflussnahme sein wird.

    Dennoch gibt es, vor allem kulturell und landschaftlich viel zu entdecken im "Land des Feuers", Aserbaidschan ist mehr als nur Krisenherd im Kaukasus und Sitz von Ölmogulen, der Eurovision Song Contest ist ein guter Grund, sich von seiner besten Seite zu präsentieren und auch nachhaltig etwas zu verändern. Ein erster Schritt sind bereits die vereinfachten Visaformalitäten, über alle weiteren Entwicklungen in "Azərbaycan" werden wir hier in den kommenden Monaten stets berichten.

  • Discover Norway: Norwegen von A bis Z

    Discover Norway: Norwegen von A bis Z

    Norway Norwegen - Nächstes Jahr findet der Eurovision Song Contest in der norwegischen Hauptstadt Oslo statt. Auch wenn es noch über 300 Tage bis zum Finale in der Fornebu-Arena sind, möchten wir das Gastgeberland heute schon einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen, den ein oder anderen Irrglauben beseitigen und Norwegen ein bisschen näher vorstellen, sozusagen Norwegen von A bis Z.

    A wie Allgemeine Fakten: Gleich zu Beginn die trockenen Fakten zum Kongeriket Norge, dem Königreich Norwegen. Staatsoberhaupt des 4,8 Millionen Einwohner starken Landes ist König Harald V. nebst Gattin Sonja. Das Land erstreckt sich auf einer Fläche von 385.199 km² vom Kattegat bis hin zur Nordspitze Skandinaviens und grenzt dabei an Schweden, Finnland und im äußersten Norden bei Hammerfest auch an Russland.

    Landestypischer Briefkasten der norwegischen PostIn Norwegen gilt ebenfalls die Mitteleuropäische Zeit, von März bis Oktober werden auch hier die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Mehr als 66% der Bevölkerung verfügt über einen eigenen Internetzugang, sogar rund 90% über ein eigenes Mobiltelefon. Größter Telekommunikationsanbieter ist das Unternehmen Telenor, das seit 2000 börsendotiert ist und weltweit rund 75 Millionen Kunden zählt. Wichtigster Fernsehsender ist NRK, der 1950 eines der Gründungsmitglieder der EBU war.

    Norwegen ist in 19 Provinzen (Fylker) gegliedert, die bekannteste ist wahrscheinlich die Provinz Telemark, die Namensgeber für den dort entstandenen Landestil beim Skispringen ist. In der Provinz Sogn og Fjordane befindet sich der 24,50 km lange Lærdalstunnel, der längste Straßentunnel der Welt. Bedeutend für die Verbindung von Oslo und Bergen, soll die absichtlich kurvige Streckenführung und die außergewöhnliche Beleuchtung die Fahrer vor Ermüdung schützen und bei guter Laune halten.

    Zwischen November und Februar kann man in Nordnorwegen darauf hoffen, Nordlichter zu sehen. Bei besonderen Wetterverhältnissen auch im südlichen Norwegen. Norwegen ist nicht, wie seine Nachbarn Schweden und Finnland Mitglied der EU. Die Notrufnummern lauten 110 (Feuerwehr), 112 (Polizei) und 113 (Krankenwagen).

    B wie Bußgelder - Verkehrssünder haben in Norwegen mit harten Strafen zu rechnen. Wer die Geschwindigkeit bis 60km/h um nur 15km/h überschreitet, riskiert ein Bußgeld von 600 NRK, umgerechnet rund 75 Euro, die Überschreitung bis 35km/h kann bis zu 960 Euro kosten. Beim Überfahren einer roten Ampel, sowie dem Überholen im Überholverbot ist man mit 640 Euro dabei. Die Benutzung des Handys während der Fahrt kostet 160 Euro, kann aber wahlweise durch drei Tage Gefängnis beglichen werden. Die Promillegrenze in Norwegen liegt bei 0,2‰, bei Fahrten mit höherem Promillewert wird der Führerschein für mindestens sechs Monate entzogen.

    Verboten ist ebenfalls das Tanken von "Diesel avgiftsfri", abgabefreiem Mineralöl, das nur einheimische landwirtschaftliche und Militärfahrzeuge tanken dürfen. Wer es dennoch tankt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 2.800 Euro. Erkannt wird der Treibstoff im Zweifel auf jeden Fall, er ist rot eingefärbt! Zum Tanken in Norwegen ist noch hinzuzufügen, dass es den in Deutschland bekannten "Einraster" nicht gibt.

    Camping in NorwegenC wie Camping - Zelten in der Natur ist nach dem Jedermannsrecht überall in Norwegen erlaubt, solange die Tier- und Pflanzenwelt davon keinen Schaden nehmen. Allerdings: nur für zwei Tage am gleichen Ort und nicht näher als 150 Meter zum nächstgelegenen Haus. Vom 15. April bis 15. September gilt zudem: kein offenes Feuer in der freien Natur. Wem das alles zu individuell ist, der kann auch einen der über 1.000 norwegischen Campingplätze nutzen, deren Standard von 1 bis 5 in der ADAC-Klassifikation reicht.

    D wie Devisen - Offizielles Zahlungsmittel ist die Norwegische Krone (NRK). Eine Krone sind 100 Øre. Derzeit sind 50 Øre-Münzen, sowie Kronen im Wert von 1, 5, 10, 20 und Banknoten im Wert von 50, 100, 200, 500 und 1.000 Kronen im Umlauf. Der Wechselkurs zum Euro liegt aktuell bei 9,0355 NRK. Alle Münzen zeigen typische Symbole Norwegens, z.B. ein Wikingerschiff oder eine Stabkirche oder Harald V.

    E wie Einreise - Für deutsche Staatsangehörige reicht bei einem Aufenthalt von bis zu drei Monaten ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Minderjährige benötigen einen gültigen Kinderausweis. Da viele Banken und Behörden den Personalausweis nicht anerkennen, empfiehlt sich dennoch die Einreise mit einem Reisepass. Wer per Flugzeug einreist sollte auf jeden Fall einen Ausweis mit Lichtbild mit sich führen. Wer länger als drei Monate in Norwegen bleiben möchte, sollte die Aufenthaltsgenehmigung spätestens zwei Wochen nach der Einreise bei der örtlichen Polizei beantragen.

    Stabæk IF spielt seit Beginn der neuen Saison in der Fornebu ArenaF wie Fußball - Seit Beitritt zur FIFA im Jahr 1908 konnte sich Norwegen bisher dreimal für eine WM und einmal für eine EM qualifizieren. Das erste Länderspiel fand am 12. Juli 1908 in Göteborg statt. Schweden deklassierte Norwegen mit 11:3. Den höchsten Sieg schaffte die norwegische Fußballnationalmannschaft am 28. Juni 1946 mit einem 12:0 gegen Finnland. Das beste internationale Ergebnis war eine Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1936.

    Nach einem 6:2-Sieg über Vålerenga gewann der Verein Stabæk IF 2008 erstmals in der Vereinsgeschichte den norwegsichen Meistertitel. Die Heimspiele des Vereins finden ab der Saison 2009 in der Fornebu-Arena, dem Austragungsort des Eurovision Song Contest statt.

    Da wird Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg wohl auch nicht schlecht gestaunt habenG wie Garderobe - Wie es im Reiseführer heißt, legt man in Norwegen grundsätzlich keinen gesteigerten Wert auf förmliche Kleidung. Jedoch bei offiziellen Anlässen sollte Wert auf eine tadellose Garderobe gelegt werden, wie es zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der neuen Oper in Oslo demonstrierte und tief dekolletiert für einen Medienrummel sorgte.

    H wie Hurtigruten - Als Hurtigruten (norw.: "Die schnelle Linie") sind die Postschiffe bekannt, die seit 1893 die Orte der norwegischen Westküste verbinden und inzwischen auch als Touristenattraktion zwischen Bergen und dem nordnorwegischen Kirkenes verkehren. An der Küstenlinie entlang braucht ein Postschiff von Bergen bis Kirkenes etwa sechseinhalb Tage. Dienten sie früher zur Versorgung mit Lebensmitteln, Bedarfsgütern und natürlich der Post, hat sich ihr Aufgabenbereich in den letzten Jahren etwas gewandelt.

    Die Hurtigruten verbinden seit Ende des 19. Jahrhunderts die Küstenorte am norwegischen EismeerSeit dem Ende transportierten die Postschiffe jährlich rund 415.000 Passagiere. Während es zu jener Zeit überwiegend Pendler waren, die die Linien nutzten, sind seit Anfang der 90er Jahre immer mehr Touristen hinzugekommen. Zurzeit befinden sich 13 Schiffe im Einsatz, die alle unter norwegischer Flagge unterwegs sind und dadurch staatliche Subventionen erhalten.

    I wie Ingvild Bryn - Ingvild Bryn wurde am 18. März 1961 geboren und ist eine norwegische Journalistin, die zwischenzeitlich als Korrespondentin in Washington D.C. arbeitete und der gemeinsam mit a-ha-Sänger Morten Harket die Ehre zu teil wurde, den Eurovision Song Contest 1996 zu moderieren.

    Ingvild Bryn und Morten Harket in einem Einspieler zum Eurovision Song Contest 1996Ingvild fiel insbesondere durch ihre zahllosen Versprecher und lustigen Kommentare während der Punktevergabe auf. So gab es ein ziemliches Durcheinander bei den spanischen Länderpunkten, u.a. drei Punkte an die damals bereits aufgelöste Tschechoslowakei und die spätere Korrektur des Ergebnisses, da Ingvild "Poland" statt "Holland" verstanden hatte. Ingvild moderiert heute die Nachrichtensendung "Dagsrevyen" auf NRK 1.

    J wie Juledag - Auch in Norwegen gibt es einige beliebte Bräuche zur Weihnachtszeit. Ein interessanter Brauch ist beispielsweise das "Julebord", eine Art Buffet, das viele Arbeitgeber in der Vorweihnachtszeit veranstalten und bis zu 60 verschiedene Häppchen auftischt. Der 24. Dezember ist in Norwegen bis 16 Uhr ein gesetzlicher Arbeitstag, viele Läden schließen jedoch bereits vorher. Als traditionelles Weihnachtsmahl halten in Norwegen Schweine- oder Lammrippchen mit Kartoffeln und Steckrüben her.

    Der 25. Dezember ist ein ruhiger Tag, der im Kreis der Familie vebracht wird, während am 26. Dezember die Kinos, Bars und Nachtclubs voll mit Partygästen sind. Die Weihnachtszeit endet in Norwegen am 6. Januar.

    Straßenumzug am norwegischen NationalfeiertagEin weiterer bedeutender Feiertag in Norwegen ist der Nationalfeiertag am 17. Mai, an dem dem Inkrafttreten der norwegischen Verfassung von 1814 gedacht wird. Seit 1870 finden an diesem Tag üblicherweise Kinderfestumzüge statt. Seit 1906 versammelt sich die Königsfamilie auf dem Balkon des Schlosses um den Kindern zuzuwinken.

    K wie Königsfamilie - In seiner heutigen Form besteht Norwegen erst seit 1905, zuvor wurde das Land von schwedischen Königen in Personalunion regiert. Durch eine Abstimmung erhielt Norwegen seine volle Unabhängigkeit. Erster König von Norwegen wurde 1905 Carl von Glücksburg aka Håkon VII, der bis zu seinem Tod 1957 regierte und in den Weltkriegen für eine neutrale Haltung der skandinavischen Länder eintrat.

    Die Nachfolge trat Olav V., der bis zu seinem Tod 1991 regierte. Seither regiert Harald V., der Norwegen in Yachtsportwettbewerben mehrfach bei Olympischen Spielen vertrat, gemeinsam mit seiner Frau Sonja. Ihm in der Thronfolge nachgestellt ist Kronprinz Haakon. Anders als in anderen Monarchien erfreut sich die norwegische Königsfamilie in der Bevölkerung großer Beliebtheit.

    Samin in traditioneller TrachtL wie Lappen - Hugo Egon Balder bringt seinen Witz: "Die norwegische Regierung warnt eindringlich davor, alte Lappen nicht wegzuwerfen" seit fast 35 Jahren und bringt damit zum Ausdruck, das auch heute noch rund 40.000 Lappen, die sich in der Eigenbezeichnung Samen nennen, in Norwegen leben. Ihr Siedlungsgebiet dehnt sich hauptsächlich über die nördlichen Provinzen, Nordschweden, Finnland und die Halbinsel Kola aus. Samisch ist in Norwegen anerkannte Minderheitensprache.

    M wie Mahlzeit - Kulinarisch gesehen orientiert sich die norwegische Küche vorrangig am Fisch. Das Land zählt zu den größten Fischerei-Nationen der Welt, insofern ist es nicht verwunderlich, das viele traditionelle Gerichte Fisch als Grundlage nehmen. Weitere typische Spezialitäten sind "Fårikål", Hammelfleisch mit Kohl, "Kjøttkaker", Fleischklopse die mit den schwedischen Köttbullar gleichzusetzen sind und "Rømmegrøt", ein Brei aus Sauerrahm und Grieß, der mit Zimt und Zucker verfeinert wird. Beliebtestes Getränk in Norwegen ist Kaffee. Gastrohinweis: in Norwegen ist es nicht üblich, Trinkgelder zu geben.

    Das Nordkapp - fast nördlichster Punkt NorwegensN wie Nordkapp - In der Nähe des Städtchens Honningsvåg in der Provinz Finnmark ragt das Nordkapp ins Meer. Oftmals wird behauptet, das Nordkapp, an dem man hervorragend die Mitternachtssonne beobachten kann, sei der nördlichste Punkt Norwegens. Genau genommen ist jedoch die drei Kilometer vom Nordkapp entfernte Landzunge Knivskjellodden auf der Insel Magerøya der nördlichste Punkt. Aufgrund des nicht werbewirksamen Namens, hat sich im Laufe der Jahre der Irrglaube mit dem Nordkapp durchgesetzt.

    O wie Oslo - Die norwegische Hauptstadt Oslo war bis 1925 unter ihrem alten Namen Kristiania bekannt. Die Stadt hat rund 580.000 Einwohner, im gesamten Ballungsraum leben jedoch rund 1,4 Millionen Menschen. Die Stadt ist am Oslofjord gelegen und bietet Touristen eine Menge Sehenswürdigkeiten. Das beliebteste Postkartenmotiv wird das Rathaus von Oslo sein, in dem jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen wird.

    Blick vom Osloer Hafen auf das RathausWeitere touristische Anziehungspunkte sind Regierungsgebäude wie der Storting, das Königliche Schloss und der Osloer Dom, welche alle in unmittelbarer Nähe zur zentralen Einkaufsstraße Karl Johans Gate liegen. Ebenfalls zum Stadtgebiet zählt der Holmenkollen, der Osloer Hausberg, der seinen Namen vom Arzt Dr. Holm erhielt, welcher auf dem Berg ein Sanatorium betrieb. Hier ragt heute die älteste Skisprungschanze der Welt in die Luft. Auf ihr fanden 1952 Olympische Wettkämpfe statt.

    P wie Pyramiden - Zu Norwegen gehört ebenfalls die Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) mit ihrer Hauptstadt Longyearbyen. Hier befindet sich das abgelegenste Fünf-Sterne-Hotel der Welt. Nördlich davon, am Isfjord, liegt die bis zum Jahr 2000 bewohnte russische Bergbausiedlung Pyramiden.

    Als Unterzeichnerstaat des Spitzbergen-Vertrags besaß auch die Sowjetunion das Recht, auf dem zu Norwegen gehörenden Archipel Rohstoffe abzubauen und gründete in den 20er Jahren die Siedlung Pyramiden. Zu Spitzenzeiten lebten hier bis zu 1.000 Menschen, der Ort war somit der einwohnerstärkste Ort auf Spitzbergen. Nach dem Ende des Kohleabbaus in der Region wurde das Dorf aufgegeben. Heute betreibt Russland mit Barentsburg nur noch eine Siedlung auf Spitzbergen.

    Q wie Queentastic - Dean Erik Andersen und Geir Lillejord bilden das Dragqueen-Duo Queentastic, welches 2006 am norwegischen Melodi Grand Prix, dem nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teilnahm. Der Song "Absolutely fabulous", der später den dritten Platz belegte, wurde von Thomas G:son aus Schweden und Gerard James Borg aus Malta geschrieben. 2007 folgte eine weitere Single ("Drop dead gorgeous").

    QueentasticQueentastic setzen sich für die Rechte homosexueller Menschen ein. In Norwegen ist Homosexualität mittlerweile gesetzlich und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Als erstes Land weltweit führte Norwegen 1981 ein Antidiskriminierungsgesetz ein, welches die ungleiche Behandlung von Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verbietet. 1993 verabschiedete die Regierung ein Lebenspartnerschaftsgesetz, am 1. Januar 2009 trat ein Gesetz zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare in Kraft.

    RakfiskR wie Rakfisk - Rakfisk ist etwas für Hartgesottene. Vergleichbar mit dem schwedischen Surströmming, handelt es sich bei Rakfisk um eine fermentierte Forelle, die in einer Salz- und Zuckerlake eingelegt wird und in Holzfässern zum Faulen gebracht wird. Anschließend wird sie vier Monate kühl gelagert. Von der Konsistenz her erinnert Rakfisk an Sushi. Gemeinsam mit roten Zwiebeln, einem Dip aus saurer Sahne und einem Stück Fladenbrot gilt der Fisch als typisches Winteressen in Norwegen. Der Transport von Rakfisk-Dosen ist an Bord von Flugzeugen der SAS  aufgrund der Explosionsgefahr (die Dose bläht sich durch die Gärgase auf) verboten.

    S wie Schrei - "Der Schrei" gilt als berühmtestes Werk des norwegischen Malers Edvard Munch (*1863 - †1944) und ist eines der bekanntesten Gemälde des Expressionismus. Mehrfach wurden Gemälde aus dem Munch-Museum in der Osloer Innenstadt entwendet. 1994 entwendeten Diebe eine rot-orange Version des Bildes, sie konnte drei Monate später sichergestellt werden.

    "Der Schrei" von Edvard Munch2004 gab es einen weiteren Diebstahl, das Bild konnte erst im August 2006 bei einer Razzia sichergestellt werden. Das Munch-Museum zeigte beide Bilder „wegen des großen Interesses“ im beschädigten, noch nicht restaurierten Zustand zwischen dem 27. September und dem 1. Oktober 2006 der Öffentlichkeit. Eine vollständige Restaurierung des Bildes sei aufgrund von Feuchtigkeitsschäden nicht mehr möglich. Das restaurierte Bild hängt seit 2008 wieder aus.

    Ein TrollwarnschildT wie Trolle - In der germanischen Mythologie haben Trolle als schadenbringende Geisterwesen bereits eine lange Tradition. Der gemeine Troll dient seit Jahren als Maskottchen in der norwegischen Tourismusindustrie. Als holzgeschnitztes Souvenir kann man ihn im ganzen Land erwerben. Zudem fahren über 100.000 Touristen jährlich über die Trollstigen ("Trollpfad") einer landschaftlich atemberaubenden Strecke, zwanzig Kilometer südlich von Åndalsnes. Am Straßenrand wurden als Werbegag mehrere Warnschilder vor Trollen aufgestellt.

    U wie Unterhaltung - Das ganze Jahr über finden in Norwegen, insbesondere in Oslo diverse Theater- und Opernaufführungen, Festivals, Konzerte und Musikveranstaltungen statt. Am bekanntesten ist das Øyafestival in Oslo, welches jährlich im sogenannten Mittelalterpark stattfindet. Auch ein Besuch in der neuen Oper (siehe Buchstabe G), der Bjørvika, lohnt sich. Auch mit seinen vielen Cafés, Restaurants und Nachtclubs lädt Oslo zum Verweilen ein.

    Wencke Myhre ist seit den 60er Jahren im ShowgeschäftUnd da wir grade bei U sind, zu den größten Stimmungskanonen der norwegischen Kulturlandschaft zählt ohne Zweifel Wencke Myhre. Sie wurde 1947 in Kjelsås bei Oslo geboren und gilt seit den 60er Jahren als erfolgreiche Schlagersängerin mit Hits auf Norwegisch, Schwedisch und Deutsch. 1968 nahm sie für Deutschland mit "Ein Hoch der Liebe" sogar am Song Contest teil und wurde Sechste. Aus Norwegen gab es damals jedoch keinen Punkt. Später ging sie gemeinsam mit Gitte Hænning und Siw Malmkvist auf Tour. 2009 nahm sie am norwegischen Vorentscheid für Moskau teil, schied jedoch mit "Alt har en mening nå" in der Vorrunde aus.

    V wie Vinmonopolet - Auch wenn es in Norwegen zur Tradition gehört, einen Teil seines Lohnes am ersten Freitag nach der Auszahlung in Bier einzutauschen und bei einem Lønningspils in gemütlicher Runde zu sitzen, das norwegische Alkoholgesetz ist eines der schärfsten der Welt. Alkoholische Getränke ab 4,8 Vol.% dürfen nicht in Supermärkten oder Discountläden verkauft werden, sondern nur in einem, vom Staat geschaffenen Laden, genannt Vinmonopolet.

    Selbst ein Bier kann in Norwegen zum teuren Vergnügen werdenDie Preise für hochprozentigen Alkohol liegen deutlich über dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz üblichen Niveau. Der Alkoholverkauf ist an normalen Werktagen ab 18 Uhr, an Samstagen ab 15 Uhr eingeschränkt. Ein Verkaufsverbot gilt grundsätzlich an offiziellen Feier- und Wahltagen. Sämtliche alkoholische Getränke und Zigaretten werden nur an Personen ab 18 Jahre abgegeben, das Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten.

    Um Alkohol zu konsumieren, muss man sich auf einem Privatgrundstück befinden. Die Preise für ein Bier („Øl“) in einem gewöhnlichen Gastronomiebetrieb liegen im mittleren bis hohen einstelligen Euro-Bereich. In einigen Restaurants und Cafés werden allerdings alkoholische Getränke nicht einmal angeboten.

    Norwegen gilt mit 4,4 l reinem Alkohol pro Kopf zu den Ländern mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Konsum. Da das Preisniveau in den Nachbarländern Schweden und Finnland wesentlich geringer ist, herrscht hier ein regelrechter Alkoholtourismus.

    W wie Warnschilder - Im großen und ganzen unterscheiden sich die norwegischen Verkehrsschilder nicht sonderlich von den deutschen, vielleicht mit der Ausnahme, dass man in Deutschland wohl keine Hinweistafeln auf Elche, Rentiere und anderes nordisches Getier finden wird, das die Straße kreuzt. Auch die Schilder "Skiloipe kreuzt" und "Stopp, avgift", ein Hinweisschild zum Abbremsen, da man sich einer Mautstelle ("Bomstasjon") nähert, wird man in Deutschland eher selten finden. Weitere Sonderschilder kennzeichnen Fährverbindungen und Betriebe der Holzverarbeitung in unmittelbarer Nähe.

    Elche kreuzen die Fahrbahn, einige Warnschilder auf Norwegens StraßenDie Höchstgeschwindigkeit außerorts liegt bei 80km/h, für Gespanne mit ungebremsten Anhänger bei 60km/h. Lediglich auf einigen gekennzeichneten Strecken gilt das Limit von 90km/h. Innerorts gilt das Tempolimit von 50km/h, in Wohngebieten meist 30km/h. Über das Strafmaß bei Geschwindigkeitsbegrenzungen haben wir beim Buchstaben B schon gesprochen. In Norwegen müssen Autos und Motorräder auch tagsüber mit Abblendlicht fahren.

    X wie Satz mit X - Auch wenn Norwegen ein recht liberales Land ist, gibt es einige Dinge, die man unter keinen Umständen machen sollte. So ist beispielsweise das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Restaurants, Gaststätten und Nachtclubs verboten, ähnlich wie inzwischen auch in Deutschland. Ausnahmen sind "Schankwirtschaften unter freiem Himmel".

    Das Wörtchen "takk" findet im täglichen Sprachgebrauch recht häufig Verwendung. Norweger bedanken sich für viele Kleinigkeiten. Bloß sollte man nie die Redewendung "Takk for alt" ("Danke für alles") gebrauchen. Das ist Grabsteinen, Kranzschleifen und Nekrologen vorbehalten. Für diese Fälle gibt es die Alternativausdrücke "Takk for i kveld" und "Takk for sist".

    Ebenso zu vermeiden ist das, für Deutsche typische, Drängeln. Die Norweger haben die Ruhe weg ("Ting tar tid", "Gut Ding will Weile haben") gilt für den Straßenbau, im Straßenverkehr und an der Supermarktkasse, jedoch nicht beim Ausschank von Bier in Gaststätten. Dort wird mit wenig Kohlensäure innerhalb von 15 Sekunden frisch gezapft, bezahlt wird sofort.

    Eine norwegische StabkircheY wie Nynorsk - Die norwegische Sprache gehört zu den indogermanischen Sprachen und ist auch für deutsche Ohren leicht zu verstehen, wenn man nur etwas genauer hinhört. Für rund fünf Millionen Norweger ist es die Muttersprache. Jedoch gliedert sich die norwegische Sprache in vier Formen, Bokmål (Buchsprache), Nynorsk (Neunorwegisch), Riksmål (Reichssprache) und Høgnorsk (Hochnorwegisch, hochgestochenes und zu vernachlässigendes Norwegisch). Die beiden ersteren haben mittlerweile einen offiziellen Status.

    Bokmål oder auch einfach Norsk ("Norwegisch"), wird von rund 88% der Bevölkerung Norwegens gesprochen. Dialekte weichen regional natürlich ab, insgesamt sollte man sich auf Bokmål jedoch in ganz Norwegen problemlos verständigen können. Linguistisch gesehen ist die Sprache eng an das Dänische geknüpft. Nynorsk hingegen weist mehr Gemeinsamkeiten mit dem Isländischen und Färöischen auf. Mit einem einfachen "Hej" erreicht man jedoch Sprecher beider Formen.

    Toll, die norwegische Bezeichnung für ZollZ wie Zoll - Auch wenn es noch so einfach ist, nach Norwegen zu gelangen (mit der Color Line ab Kiel ist man wenige Stunden später in Oslo), beim Zoll gibt es einige Dinge zu beachten. An Zollstationen gibt es zunächst zwei Fahrstreifen, eine grüne (wer nichts zu verzollen hat) und eine rote Spur (für alle, die etwas zu deklarieren haben). Erlaubt ist die Einfuhr von zwei Litern Bier, einem Liter Spirituosen und einem Lieter Wein (ab 20 Jahren). Ab 18 Jahren dürfen zollfrei eingeführt werden: 250 Zigaretten, 50 Zigarren, 250g Tabak.

    Um die norwegische Küste vor Überfischung zu schützen gilt seit 2004 bei der Ausreise: höchstens 15kg Fischfilet pro Person. Schmuggeln von oben genannten Gegenständen empfiehlt sich auch hier nicht, da entsprechende Strafen ziemlich empfindlich sind.

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